Bundesweit einzigartiger Modellversuch: Berufsausbildung mit Weiterbildung zum Meister und FH-Studium Handwerksmanagement kombinieren
Köln, 23. November 2009. Um Fach- und Führungskräfte für das Handwerk zu gewinnen, bietet die Handwerkskammer zu Köln erstmals im Oktober 2010 ein Bildungspaket an, das sich an leistungsfähige Abiturienten und an Schulabgänger mit Fachhochschulreife richtet. Sie können die Ausbildung in einem Handwerksberuf mit der Weiterbildung zum Meister und dem Bachelor-Studiengang "Handwerksmanagement" kombinieren. Der Vorteil dieses Modellversuchs der Handwerkskammer ist, dass zum einen berufliche Aus- und Weiterbildung und ein komplettes Studium miteinander verbunden werden, dass die Teilnehmer zum anderen innerhalb von gut vier Jahren drei anerkannte Bildungsabschlüsse (Gesellenprüfung, Meisterprüfung, Bachelorprüfung) erwerben.
Duale Studiengänge, bei denen Berufsausbildung und Studium kombiniert werden, gebe es bereits vielfach in Deutschland. Ein "triales Studium", bei dem als dritter Teil die Weiterbildung zum Meister integriert wird, sei hingegen ein ganz neuer Ansatz, "insofern ist unser Modellversuch bundesweit einzigartig", erläutert Peter Panzer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. "Unser Partner bei diesem Projekt ist die Fachhochschule des Mittelstands (FHM)". An Berufspraktiker richtet sich im Fortbildungszentrum der Kammer bereits seit Frühjahr 2007 das von der FHM angebotene Studium des Handwerksmanagements, an die hierbei gemachten Erfahrungen kann das neue Bildungsangebot der Handwerkskammer anknüpfen.
So gehört zu den Erfolgsfaktoren dieses Bachelor-Studiengangs der FHM, dass ein Teil der Lehrstoffes über E-Learning (Selbstlernphasen am eigenen PC, Online-Vorlesungen usw.) vermittelt wird. Dieser rationelle Einsatz von Zeit hat auch für das "triale Studium" hohe Bedeutung. Denn dem Teilnehmer dieses Modellversuchs wird ein hoher persönlicher Einsatz abverlangt, das bedeutet auch Verzicht auf Freizeit. So wird während der Berufsausbildung alle zwei Wochen an Freitagabenden und Samstagvormittagen das Studium im Vordergrund stehen.
Mit der Zusammenführung von beruflicher und akademischer Bildung will die Handwerkskammer die aufstiegsorientierten Nachwuchskräfte erreichen, die später dann zur Übernahme und Führung auch größerer Handwerksbetriebe qualifiziert sind. Einer aus dieser Zielgruppe ist Frank Heider, er wird im Herbst 2010 die Ausbildung zum Zahntechniker in der H&S Zahntechnik GmbH in Meckenheim beginnen. Beim Pressegespräch in der Kölner Außenstelle der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) erläutern Frank Heider und sein künftiger Ausbildungsbetrieb, welche Vorteile der neue Bildungsgang gleichermaßen motivierten, leistungsstarken Jugendlichen und den Unternehmen, die Führungskräfte gewinnen wollen, bietet.
Für den Erfolg des "trialen Studiums" ist die Mitwirkung des Ausbildungsbetriebs gefordert. So muss es dem Ausbilder gelingen, in geringerer Praxiszeit als üblich dem Auszubildenden alle notwendigen Fachkenntnisse zu vermitteln, die für das Bestehen der Gesellenprüfung gebraucht werden. Aus der Teilnahme seines Lehrlings am FH-Studium kann der Ausbildungsbetrieb einen konkreten Nutzen ziehen, wenn zum Abschluss der Hochschulausbildung die Bachelorarbeit erstellt wird. Sie könnte Themen aufgreifen, die für die Weiterentwicklung des Unternehmens von Interesse sind, zum Beispiel Einführung eines Qualitätsmanagementsystems oder Entwicklung einer Marketingstrategie für eine neue Produktidee.
Handwerksunternehmen, die für den Modellversuch der Kammer einen Ausbildungsplatz anbieten wollen, sowie Jugendliche, die sich für diesen neuen Bildungsgang interessieren, können sich von Michael Brücken beraten lassen (Telefon 0221 / 20 22 749); dieser Mitarbeiter der Handwerkskammer ist ausschließlich für die Konzipierung des "trialen Studiums" und die Akquisition von Teilnehmern tätig.



