Bilanz der Handwerkskammer zu Köln für 2010
Köln, 25. Januar 2011. Ab Frühsommer des vergangenen Jahres hat die wirtschaftliche Erholung im Handwerk stark an Fahrt gewonnen. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse konnte 2010 um 3,9 Prozent ausgeweitet werden. Der Betriebsbestand in den Meisterberufen des Handwerks blieb unverändert, Gesamtzahl der bei der Handwerkskammer registrierten Selbstständigen stieg sogar um 358 auf 32.562.
Ein ungewöhnlich langer Winter und die Nachwehen der Wirtschaftskrise haben das erste Quartal 2010 verhagelt. Doch im Laufe des Frühsommers hat die Konjunktur auch im Handwerk an Fahrt gewonnen, im Herbst bewerteten die meisten Handwerksbranchen die Wirtschaftslage als ausgesprochen gut. Diese aufwärts gerichtete Stimmung lässt auf starke Umsatzzahlen für das vierte Quartal hoffen, für das die Ergebnisse der amtlichen Statistik noch nicht vorliegen. Unter Berücksichtigung einer vorläufigen Schätzung für die letzten drei Monate von 2010 hat sich der Umsatz der Handwerksunternehmen in der Region Köln-Bonn im vergangenen Jahr geringfügig um ein Prozent auf 14,6 Milliarden Euro erhöht. Wegen des schwachen ersten Quartals mit zweistelligen Umsatzeinbußen fällt die auf das gesamte Jahr bezogene Wachstumsrate mager aus. "Dieser Durchschnittswert unterschlägt die Dynamik der konjunkturellen Entwicklung, die wir im vergangenen Herbst bei unserer Umfrage feststellen konnten. Eine so gute Bewertung der Wirtschaftslage hat es im Handwerk schon seit längerem nicht mehr gegeben", zieht Dr. Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln, eine zufriedenstellende Bilanz des Jahres 2010.
Erneut haben die Handwerksunternehmen in der Region Köln-Bonn zur Stabilisierung am Arbeitsmarkt beigetragen. Nach vorläufigen Schätzungen der Handwerkskammer ist die Zahl der Beschäftigten 2010 um ein Prozent auf rund 187 Tausend gestiegen. Noch stärker haben die Handwerksbetriebe ihre Ausbildungsleistungen ausgeweitet: Im vergangenen Jahr wurden 5.929 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, das ist ein Anstieg von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei schneidet der Raum Bonn/Rhein-Sieg mit einem Plus von 9,8 Prozent deutlich besser ab.
Ein Indiz dafür, dass die konjunkturelle Entwicklung im Handwerk wieder Tritt fassen konnte, ist nach Weltrichs Einschätzung auch die Stabilität im Betriebsbestand: Bei den Meisterberufen des Handwerks - sogenannte zulassungspflichtige Berufe - hat sich die Zahl der von der Kammer registrierten Betriebe innerhalb eines Jahres praktisch nicht verändert (Jahresende 2009: 18.408 Betriebe, Jahresende 2010: 18.412 Betriebe). Unter Berücksichtigung auch der Handwerksberufe, für die weder die Meisterprüfung noch eine vergleichbare Qualifikation die Voraussetzung für den Schritt in die Selbstständigkeit ist, hat die Zahl der von der Handwerkskammer registrierten Selbstständigen um 1,1 Prozent zugenommen, von 32.204 auf 32.562 Gewerbetreibende am Jahresende 2010. Spitzenreiter innerhalb des Kammerbezirks ist der Rheinisch-Bergische Kreis, die Zahl der Gewerbetreibenden ist hier innerhalb eines Jahres um 2,2 Prozent gestiegen. Einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen der Entwicklung im Betriebsbestand und den sonstigen Wirtschaftsindikatoren gibt es nach Beobachtung der Handwerkskammer allerdings in vielen Fällen nicht. Beispielsweise erwies sich die Zahl der Unternehmen im Kfz-Gewerbe 2010 als erstaunlich stabil (Jahresende 2009: 1.491 Kfz-Betriebe, Jahresende 2010: 1.490 Kfz-Betriebe). Dabei musste diese Branche, anders als die Bau-, Ausbau- und Metallberufe, spürbare Umsatzrückgänge hinnehmen, die allerdings wegen des Booms bei den von der Abwrackprämie 2009 ausgelösten Neuwagenverkäufen erwartet worden waren. Wie zuversichtlich auch das Kfz-Gewerbe die wirtschaftliche Entwicklung bewertet, zeigt sich bei der Ausweitung der im vergangenen Jahr neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse, das Kfz-Gewerbe Bonn/Rhein-Sieg kommt hier auf einen Zuwachs von 17 Prozent.
Ein Indiz für die aufwärts gerichtete Entwicklung im Handwerk ist auch das starke Interesse an Existenzgründungen und Betriebsübernahmen. "Unsere kaufmännischen Unternehmensberater waren im vergangenen Jahr gut ausgelastet", stellt Weltrich fest. Rund die Hälfte aller Beratungen richtet sich an Existenzgründer, die Zahl der Beratungen ist von 1.173 im Jahr 2009 auf 1.235 im Jahr 2010 gestiegen. "Unser Ziel muss es sein, Existenzgründungen zu fördern, die auf Dauer am Markt bestehen und daher mittel- und langfristig Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen". Dabei erweisen sich die Gründungen von Meistern, die öffentliche Fördermittel in Anspruch nehmen und daher ihr Gründungsvorhaben vom Unternehmensberater der Handwerkskammer durchchecken lassen, als besonders bestandsfest. Die Zahl der in Anspruch genommenen Meistergründungsprämien - das ist ein Zuschuss des Landes NRW in Höhe von 7.500 Euro - ist im vergangenen Jahr sprunghaft gestiegen, von 136 im Jahr 2009 auf 168 im Jahr 2010.
Weltrichs Prognose für die Handwerkskonjunktur im Jahr 2011 ist von vorsichtigem Optimismus geprägt. "Die im Herbst gut gefüllten Auftragsbücher versprechen die Fortsetzung der konjunkturellen Erholung bis ins erste Halbjahr 2011 hinein", fürs zweite Halbjahr wolle er keine Prognose wagen. Ungewiss sei, welche Auswirkungen auf die Beschäftigung am Bau die ab Mai 2011 beginnende legale Zuwanderung von Arbeitskräften aus den osteuropäischen EU-Ländern (sogenannte Arbeitnehmer-Freizügigkeit) haben werde. Die Erhöhung der Sozialabgaben, der Anstieg beim Krankenversicherungsbeitrag, sei der Ausweitung sozialversicherungspflichtiger Arbeit nicht gerade förderlich, so Weltrich. Von der Kommunalpolitik erwarte er, dass bei den für Mitte 2011 geplanten Neuregelungen der Umweltzonen in Bonn und in Köln das Interesse an einem reibungslosen Wirtschaftsverkehr berücksichtigt werde. "Unsere Betriebe brauchen großzügige Ausnahmeregelungen, wir dürfen nicht knapp 60 Prozent der Lieferfahrzeuge des Handwerks, nämlich die mit gelber und roter Umweltplakette, vom Befahren der Innenstädte ausschließen".
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Pressemitteilung: Bilanz der Handwerkskammer zu Köln für 2010
Tabelle: Betriebsbestand im Bezirk der Handwerkskammer zu Köln im Jahr 2010
Tabelle: Betriebsbestand im Bezirk der Handwerkskammer zu Köln im Jahr 2010 - ausgewählte Berufe
Tabelle: Anzahl der Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer zu Köln im Jahr 2010



