Handwerk bietet Karrierechancen für Abiturienten: Auslandsaufenthalte, Zusatzqualifikationen und ein neues Internet-Portal
Köln, 19. Okober 2011. Auslandsaufenthalte und Zusatzqualifikationen wie "Betriebsassistent" sollen die Lehre attraktiver machen. Das neue Internet-Portal der Handwerkskammer, www.abi-rheinland.de, richtet sich an Schüler der Gymnasien. Die Zahl der vom Handwerk der Region Köln/Bonn neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist in den letzten zwölf Monaten um knapp zwei Prozent gestiegen.
Vom 1. Oktober 2010 bis Ende September dieses Jahres haben die Handwerksunternehmen in der Region Köln-Bonn 5.987 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen, das ist ein Zuwachs von 1,9 Prozent gegenüber dem Ausbildungsjahr 2009/2010. „Der Anstieg wäre deutlich höher ausgefallen, wenn alle vom Handwerk angebotenen Ausbildungsplätze hätten besetzt werden können", erläutert Dr. Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, und verweist auf die rund 120 freien Ausbildungsplätze, die derzeit in der Lehrstellenbörse der Kammer noch verfügbar sind. Dabei sei dort nur ein Teil der freien Lehrstellen erfasst, der tatsächliche Umfang „dürfte ein Mehrfaches der uns gemeldeten freien Lehrstellen ausmachen".
Für viele Handwerkszweige wird sich das Problem, nicht genügend Berufsnachwuchs zu finden, in den nächsten Jahren noch verstärken. Denn mehr als die Hälfte der Jugendlichen, die vom Handwerk unter Ausbildungsvertrag genommen werden, kommen von den Hauptschulen, doch bei dieser Schulform zeichnet sich der Rückgang der Schulabgängerzahlen besonders deutlich ab. Hingegen bleibt die Entwicklung bei den Abiturienten erheblich stabiler.
Neben diesem demographischen Faktor gibt es weitere Gründe, weswegen Handwerksunternehmen künftig verstärkt Abiturienten für ihre Ausbildungsplätze gewinnen wollen: In einer Reihe von Ausbildungsberufen sind die Ausbildungsinhalte anspruchsvoller geworden. Zudem braucht das Handwerk auch Führungskräfte; da ein Viertel der Betriebsinhaber älter als 50 Jahre ist, „werden in den nächsten 10 bis 20 Jahren viele Stellen für die Nachwuchskräfte frei, die auch für unternehmerische Aufgaben qualifiziert sind und Leitungsfunktionen übernehmen können", so Weltrich.
Die Ausbildung im Handwerksberuf ist fachlich-technisch ausgerichtet. Wer bereits während der Lehre zusätzlich kaufmännische Kenntnisse erwerben will, kann dazu in seiner Freizeit die Weiterbildung zum Betriebsassistenten absolvieren. Bisher wird diese Zusatzqualifikation nur vom Heinrich-Hertz-Berufskolleg in Bonn angeboten. Weil Zusatzqualifikationen, die während der Ausbildung erworben werden, die Lehre gerade für Abiturienten attraktiver machen können, „muss es solche Zusatzangebote auch in den anderen Teilen der Region geben", fordert Weltrich. Die Handwerkskammer habe sich zum Ziel gesetzt, die Abiturientenquote im Handwerk bis 2015 auf deutlich mehr als zehn Prozent zu erhöhen. Bei den seit 1. Januar neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen wurde ein Abiturientenanteil von 8,1 Prozent erreicht (im Vorjahr waren es 7,4 Prozent).
Das Berufsbildungsgesetz ermöglicht es seit 2005, bis zu einem Viertel der Ausbildung auch in einem Unternehmen im Ausland zu absolvieren. Um Lehrlinge und Gesellen, die ein mehrwöchiges Praktikum im Ausland absolvieren wollen, bei der Suche nach einem Praktikumsbetrieb und bei der Vorbereitung des Auslandsaufenthalts zu unterstützen, hat die Handwerkskammer 2009 eine Mobilitätsberatung eingeführt. Die Mobilitätsberaterin Ulla Becker-Piepjohn (Telefon 0221/ 20 22 470, E-Mail: becker-piepjohn@hwk-koeln.de) kann für die Knüpfung der Kontakte im Ausland auch auf die Partnerschaften der Kammer zu Bildungs- und Wirtschaftsorganisationen in mehreren west- und osteuropäischen Ländern zurückgreifen. Da Abiturienten über mehr Fremdsprachenkenntnisse als Lehrlinge mit Hauptschulabschluss verfügen, sollten sie die Möglichkeit, für einige Wochen im Ausland Berufserfahrungen zu sammeln, verstärkt nutzen, so der Appell der Handwerkskammer.
Die attraktiven Seiten einer Berufsausbildung, beispielsweise die Angebote für Auslandsaufenthalt und Zusatzqualifizierung sowie die Verkürzung der Ausbildungszeit von bis zu einem Jahr, „sind vielen Abiturienten unbekannt", erläutert der Leiter der Ausbildungsberatung der Handwerkskammer, Dr. Markus Eickhoff. Das unter seiner Federführung aufgebaute Internet-Portal www.abi-rheinland.de, das heute freigeschaltet wird, will hier Abhilfe schaffen und die Informationen, die für den an einer Berufsausbildung interessierten Gymnasiasten wichtig sind, bündeln.
Unterstützung bei der Suche nach einer Lehrstelle leistet die Ausbildungsvermittlung der Handwerkskammer. Das bisher dreiköpfige Team ist seit Jahresmitte um eine weitere Ausbildungsplatzkoordinatorin verstärkt worden: Christiane Lux (Telefon 0221/ 20 22 729, E-Mail: lux@hwk-koeln.de) wird insbesondere in Gymnasien über die vielfältigen Ausbildungs- und Zukunftsperspektiven im Handwerk informieren. Dieser Zielgruppe kann die Handwerkskammer mit dem trialen Studium eine Kombination aus Berufsausbildung, Meisterqualifizierung und Studium anbieten. Christiane Lux' Stelle wird aus Mitteln des Bundes und der Europäischen Union gefördert.
Ein Signal, dass Abiturienten im Handwerk willkommen sind, ist die im Frühjahr abgeschlossene Kooperationsvereinbarung zwischen dem Kölner Dreikönigsgymnasium und der Handwerkskammer. „Wir brauchen mehr Lernpartnerschaften zwischen Gymnasien und Handwerk", betont der Hauptgeschäftsführer der Kammer, Ortwin Weltrich. Neben Innungen, Kreishandwerkerschaften und Handwerkskammer käme als Kooperationspartner für ein Gymnasium auch ein Pool von Handwerksbetrieben in Frage, zu dem sich vier oder fünf in der gleichen Stadt ansässige Firmen aus unterschiedlichen Branchen zusammenschließen könnten.
In den nächsten Jahren wollen die Bildungsexperten der Handwerksorganisationen und die Praktiker aus den Handwerksbetrieben verstärkt auf die Gymnasien in der Region zugehen, um die Vorteile einer beruflichen Ausbildung bekannt zu machen und bei Abiturienten um Nachwuchs zu werben. „An Ausbildungsmessen, die sich schwerpunktmäßig an Abiturienten richten wie ‚vocatium` in Bonn oder ‚Einstieg-Abi' in Köln, wird sich die Handwerkskammer regelmäßig mit einem Informationsstand beteiligen", so Eickhoff.
Herunterladen: Pressemitteilung "Handwerkskammer zu Köln möchte mehr Abiturienten fürs Handwerk gewinnen" (pdf)



