Teilzeit-Ausbildung: Eine Chance für Unternehmen, motivierte und verantwortungsbewusste Mitarbeiterinnen zu gewinnen

Köln, 22. November 2011. Einige Handwerksbranchen machen gute Erfahrungen mit dem Einsatz von Teilzeitmitarbeitern, beispielsweise Friseursalons oder Bäckereien, die oft Verkäuferinnen als Halbtagskraft beschäftigen. Im Handwerk weitgehend unbekannt ist allerdings, dass seit 2005 auch eine Teilzeit-Ausbildung möglich ist. Das Berufsbildungsgesetz lässt das zu, unter der Voraussetzung, dass der Lehrling ein berechtigtes Interesse an einer Ausbildung in Teilzeit hat. Das trifft beispielsweise auf eine junge Frau zu, für die wegen der Betreuung eines kleinen Kinds eine Vollzeit-Stelle nicht in Frage kommt.

 

Wer als alleinerziehende Mutter Verantwortung für ein Kind hat, muss schnell lernen, seinen Alltag gut zu organisieren. Diese Fähigkeit ist auch im Beruf von Vorteil. Zudem sind diese Frauen, die über die Teilzeit-Lehrstelle den Einstieg in den Beruf anstreben, stark motiviert. „Wir möchten daher Handwerksbetriebe dafür gewinnen, das Modell der Teilzeitausbildung zu nutzen", erläutert Dr. Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln.


Dabei solle eine wöchentliche Arbeitszeit von mindestens 25 Stunden vereinbart werden, hinsichtlich der Anforderungen einer Ausbildung sei eine 30-Stunden-Woche besser. Falls für die alleinerziehende Frau nur eine Arbeitszeit von 20 Stunden möglich ist, müsste sich die Ausbildungsdauer um bis zu einem Jahr verlängern. Da der Berufsschulunterricht und die Teilnahme an überbetrieblichen Lehrgängen auch bei einer Teilzeit-Lehrstelle unverändert bleiben, wirkt sich die Reduzierung der Arbeitszeit auf den betrieblichen Teil der Ausbildung aus. Weltrich empfiehlt daher den Unternehmen, mit dem Ausbildungsberater der Handwerkskammer die Besonderheiten, die sich bei Teilzeit-Lehrstelle ergeben, in den Ausbildungsablauf einzuplanen. Bei einer Teilzeit-Ausbildung verringert sich die Ausbildungsvergütung, die der Ausbildungsbetrieb zahlt, entsprechend der geringeren Arbeitszeit. Handwerksunternehmen, die eine Teilzeit-Lehrstelle anbieten, werden darum gebeten, mit dem Ausbildungsvermittler der Handwerkskammer, Torsten Schmitt, Verbindung aufzunehmen (Telefon 0221/ 20 22 408, E-Mail: schmitt@hwk-koeln.de).


Maler- und Lackierermeister Frank Schwadorf aus Köln-Rath hat mit einer junger Frau nach der Beendigung ihrer Ausbildung eine 30-Stunden-Woche vereinbart und macht dabei die Erfahrung, dass eine reduzierte Wochenarbeitszeit auch bei Arbeiten auf Baustellen möglich ist. Schwadorf, der sich 1999 direkt im Anschluss an seine Meisterprüfung selbstständig gemacht hat, bildet junge Menschen zum Maler und Lackierer und zum Bauten- und Objektbeschichter aus.


Während in diesen beiden Ausbildungsberufen der Frauenanteil noch niedrig ist - nur zehn Prozent aller Maler- und Lackierer-Ausbildungsverhältnisse in der Region Köln-Bonn entfallen auf junge Frauen, bei den Bauten- und Objektbeschichter sind es gerade sieben Prozent -, bildet Schwadorf regelmäßig auch junge Frauen in diesen beiden Berufen aus. Aus persönlichen Gründen, weil er selbst Vater eines kleinen Kinds ist und seine Frau berufstätig ist, und wegen der Kooperation mit dem „Vingster Treff" kennt er die Problematik, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren, und zeigt sich für das Modell der Teilzeit-Ausbildung aufgeschlossen.


Der „Vingster Treff" unterstützt alleinerziehende Frauen unter 25 Jahren bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt, damit sie von staatlichen Transferleistungen unabhängig werden. Mit den an diesem Projekt teilnehmenden Frauen wird zum Beginn ermittelt, wie ihre Stärke und Kompetenzen sind (sogenanntes Profiling), in Seminaren werden sie dann in Bereichen wie Bewerbungstraining, EDV-Kenntnisse, Zeitmanagement etc. auf Schule, Ausbildung oder Arbeit vorbereitet. „Wir bieten den jungen Frauen auch Kinderbetreuung und sozialpädagogische Begleitung an", erläutert Beate Mages vom „Vingster Treff". Dazu kann auch der Abbau von Vermittlungshemmnissen gehören, beispielsweise Schuldnerberatung oder Unterstützung bei der Wohnungssuche oder Sprachkurse.

 

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