Ausbildungsvermittler der Handwerkskammer verhilft Jugendlichen zu einer Lehrstelle, Projekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert
Bonn, 23. November 2011. Trotz der Entspannung am Lehrstellenmarkt gibt es weiterhin Jugendliche, die sich bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz schwer tun. Unversorgte Bewerber sollten nicht Warteschleifen drehen, sondern die Ausbildungsvermittlung der Handwerkskammer zu Köln in Anspruch nehmen: Zum vierköpfigen Team der Ausbildungsvermittler gehört seit Juni dieses Jahres Johannes Achten, der sein Büro in der Geschäftsstelle Bonn der Handwerkskammer hat und Ausbildungsplätze in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis akquiriert. Achten erstellt ein Kompetenzprofil des Lehrstellenbewerbers, ermittelt seine Stärken, gibt Tipps für das richtige Bewerberverhalten. Bei dem einen oder anderen Jugendlichen „erschließt es sich erst auf dem zweiten Blick, welches Potential er mitbringt", erläutert der Ausbildungsvermittler, der auch in Schulen und bei Berufs- und Ausbildungsbörsen über die Ausbildungsangebote des Handwerks informiert.
Zur „passgenauen Ausbildungsvermittlung" gehört ebenfalls, dass Achten Handwerksbetriebe in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis besucht, ihre Anforderungen an den künftigen Lehrling ermittelt und sie bei der Besetzung freier Ausbildungsplätze unterstützt. „Wir rechnen damit, dass sich in den nächsten Jahren die Schwierigkeiten für Handwerksbetriebe, geeignete Lehrlinge zu finden, verstärken werden", teilte Dr. Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, mit. Im Hinblick darauf, dass die Zahl der Hauptschulabgänger im Laufe des Jahrzehnts drastisch zurückgehen wird, sei es auch Aufgabe der Ausbildungsvermittlung, das vorhandene Potential an Jugendlichen besser als bisher auszuschöpfen.
Die Stelle des Bonner Ausbildungsvermittlers wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert. Das Programm „Matching-Plus" will vor allem Schüler aus Hauptschulen und Jugendliche mit Migrationshintergrund bei der Einmündung in einen betrieblichen Ausbildungsplatz unterstützen. „Das Projekt dürfte Modellcharakter für andere Regionen haben", betonte Heinz Ackermann vom Bundeswirtschaftsministerium. Zur Verbesserung der beruflichen Integration von Jugendlichen aus Zuwandererfamilien sei die Kooperation „auch mit den Migrantenorganisationen und -vertretungen erforderlich", erläuterte Ackermann und wies darauf hin, dass unter anderem das türkische Generalkonsulat in Hürth in das Projekt eingebunden sei.
Am 31. Januar 2012 wird erstmals in Bonn eine mehrsprachige Ausbildungsbörse für Jugendliche aus Zuwandererfamilien stattfinden. „Wegen der guten Erfahrungen, die wir mit einer solchen Ausbildungsbörse in Köln-Mülheim gemacht haben, richten wir dieses spezielle Angebot zur Berufsorientierung auch in Bonn-Tannenbusch aus, in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit Bonn, der Kreishandwerkerschaft Bonn/Rhein-Sieg und der Freiherr-vom-Stein-Realschule", gab Weltrich bekannt. Migrantenorganisationen und Genralkonsulate unterstützen die Handwerkskammer dabei, dass den Eltern, die auf die Berufswahl ihrer Kinder mehr Einfluss nehmen als in deutschen Familien, ein Übersetzungsservice während der Ausbildungsbörse in Bonn-Tannenbusch zur Verfügung steht.
Nach Einschätzung des Hauptgeschäftsführers der Handwerkskammer macht das regionale „Übergangsmanagement Bonn/ Rhein-Sieg" gute Fortschritte. So sind an den Schulen Kompetenzfeststellungsverfahren, die die Grundlage für eine spätere Berufswahl bilden können, inzwischen weit verbreitet. Die Bereitschaft der Lehrer, ihre Schüler auf den Übergang in die Berufsausbildung vorzubereiten und Berufsorientierung zum Thema zu machen, hat sich spürbar erhöht.
Die Handwerkskammer empfiehlt, dass Lehrstellenbewerber vor dem Abschluss eines Ausbildungsvertrages ein Praktikum absolvieren sollten. Dann können der Jugendliche und der Ausbildungsbetrieb testen, ob sie miteinander auskommen und ob der Jugendliche den Anforderungen der Lehrstelle gewachsen ist. Der erstmals veröffentlichte „Praktikumsplaner", den die Kommunikationsagentur Patrick Schaab in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer zu Köln und der IHK Bonn/Rhein-Sieg erstellt hat, erleichtert Schülern aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis die Suche nach einem Praktikumsplatz. Neben Tipps, wie Schüler das Praktikum für die Berufsorientierung nutzen können, sind in dieser Broschüre viele Adressen von Unternehmen in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis aufgeführt, die Praktikumsplätze anbieten, darunter auch eine größere Zahl von Handwerksfirmen. Wenn sich dieser Praktikumsplaner bewähre, sollte Köln das Bonner Vorbild nachahmen, so Weltrich.



