Stabile Konjunktur im Handwerk der Region Köln-Bonn: 38 Prozent der Unternehmen sprechen von einer guten Geschäftslage, für 49 Prozent ist sie zufriedenstellend
Zahl der Beschäftigten ist in den letzten Monaten gestiegen
Sehr zuversichtlicher Blick auf das kommende Halbjahr: Nur neun Prozent der Betriebsinhaber befürchten eine Verschlechterung der Geschäftslage
17. April 2012. Die Handwerkswirtschaft in der Region Köln-Bonn bleibt auf einem stabilen Wachstumspfad. Bei der Frühjahrsumfrage der Handwerkskammer zu Köln, an der sich Ende März/Anfang April 633 Unternehmen beteiligten, teilten 38 Prozent der Betriebsinhaber (Frühjahr 2011: 43 Prozent) mit, dass die Geschäftslage des Unternehmens gut ist. Der Anteil der Handwerksbetriebe mit befriedigender Geschäftslage ist innerhalb eines Jahres von 46 auf 49 Prozent gestiegen. Nur 13 Prozent (Frühjahr 2011: 11 Prozent) der Unternehmer stufen die Geschäftslage als schlecht ein.
Im Vergleich zur Hochstimmung, die sich in den Handwerksunternehmen der Region bei der Frühjahrs- und Herbstumfrage 2011 gezeigt hatte, „hatten wir für dieses Frühjahr mit einem Dämpfer gerechnet, der erfreulicherweise nur sehr verhalten ausfällt", kommentiert Dr. Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, die Ergebnisse der aktuellen Umfrage. 2011 war ein wachstumsstarkes Jahr für die Handwerkswirtschaft, die Unternehmen konnten ihren Umsatz um 6,5 Prozent ausweiten. „Eine so hohe Wachstumsrate werden wir in diesem Jahr wohl nicht erreichen", aber die Wirtschaftsindikatoren in fast allen Handwerksbranchen seien weiterhin aufwärts gerichtet, so Weltrich.
Einen Abbruch des konjunkturellen Aufwärtstrends im Handwerk werde es in den nächsten Monaten nicht geben. Bei insgesamt sehr zufriedenstellender Ausgangslage erwarten 29 Prozent der Unternehmer eine nochmalige Verbesserung des Geschäftsverlaufs im kommenden Halbjahr, 62 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Wirtschaftslage. Nur neun Prozent der von der Handwerkskammer befragten Betriebsinhaber befürchten eine Verschlechterung der Geschäftslage.
Der stabile Konjunkturverlauf führt zu einer verstärkten Nachfrage nach Arbeitskräften. In 18 Prozent der Handwerksunternehmen ist im Vergleich zum Herbst 2011 die Zahl der Beschäftigten gestiegen, in 12 Prozent der Unternehmen ist sie gesunken. 71 Prozent der Betriebsinhaber teilen mit , dass die Belegschaftsstärke unverändert geblieben ist. Positive Beschäftigungseffekte gibt es vor allem im Kraftfahrzeuggewerbe und bei den Handwerken für gewerblichen Bedarf (Maschinenbau, Metallbau usw.): Jedes vierte Unternehmen aus diesen beiden Branchen hat in den letzten Monaten die Zahl der Mitarbeiter erhöht.
Unter den sieben Handwerksbranchen schneiden beim Beschäftigungsindikator die Handwerke am schlechtesten ab, die Dienstleistungen für private Haushalte (Friseure, Fotografen, Schuhmacher usw.) erbringen. Doch auch im Friseurhandwerk, das für längere Zeit auf der Schattenseite des Konjunkturverlaufs stand, hat sich die Bewertung der Geschäftslage inzwischen verbessert: Fast ein Viertel der Friseurbetriebe spricht bei der gegenwärtigen Umfrage von einer guten Geschäftslage, befriedigend ist sie für 63 Prozent, 13 Prozent stufen sie als schlecht ein.
Den Spitzenplatz bei der Frühjahrsumfrage nehmen Bau- und Ausbauberufe ein: Dass die derzeitige Geschäftslage gut ist, sagen 49 Prozent der Dachdecker, 52 Prozent der Heizungsbauer und Installateure sowie 54 Prozent der Stuckateure. Einen sehr zufriedenstellenden Geschäftsverlauf berichten ebenfalls die Unternehmen aus dem Elektro-, Tischler- und Maurerhandwerk.
Im Lebensmittelhandwerk (Fleischer, Bäcker, Konditor), das zeitweise die wirtschaftliche Entwicklung ungünstiger bewertete als die meisten anderen Handwerksbranchen, hat die Zuversicht zugenommen. 42 Prozent der Betriebe des Lebensmittelhandwerks sahen sich in der Lage, steigende Personal-, Rohstoff- und Energiekosten in die Preise zu überwälzen. Im Handwerk insgesamt teilen 28 Prozent der Betriebsinhaber mit, dass ihre Verkaufspreise gestiegen sind, 15 Prozent mussten die Preise senken. In 57 Prozent der Unternehmen blieben die Preise im letzten halben Jahr stabil.
Nur in einer der sieben Handwerksgruppen gibt es mehr Betriebe mit schlechter als mit guter Geschäftslage, das ist die Gruppe der Gesundheitsberufe. Für fast ein Viertel der Augenoptiker und für fast ein Drittel der Zahntechniker ist die gegenwärtige Geschäftslage schlecht. Nur 16 Prozent der Unternehmer aus dem Gesundheitsgewerbe stufen sie als gut ein.
In der Umfrage der Handwerkskammer werden die Unternehmen auch um Mitteilung gebeten, wie viele offene Stellen sie derzeit haben. Mehr als 19 Prozent der Betriebsinhaber melden offene Stellen, dieser Anteil liegt höher als im Herbst 2011. Falls sich der konjunkturelle Aufwärtstrend über einen längeren Zeitraum fortsetzt, könnte sich in einigen Handwerkszweigen der Fachkräftemangel als Wachstumsbremse erweisen. Bereits für das laufende Jahr wird mit einer steigenden Zahl freier Ausbildungsplätze, für die es nicht genügend geeignete Bewerber gibt, gerechnet. Ende März gab es in der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer mehr als 750 freie Ausbildungsplätze, vor einem Jahr waren es erst rund 400 freie Lehrstellen.
Damit sich der Übergang von der Schule in die duale Berufsausbildung verbessert, „müssen die Berufsorientierungsangebote an den Schulen weiter ausgebaut werden". Den Erfolg der Bildungspolitik in Nordrhein-Westfalen „messen wir auch daran, ob es gelingt, die Zahl der Schulabgänger ohne Schulabschluss zu verringern und die Ausbildungsreife auch der vielen Jugendlichen aus Zuwandererfamilien zu erhöhen", so Weltrich. Hier beklagen auch die Handwerksunternehmen in der Region Köln-Bonn erhebliche Defizite, deswegen steigt derzeit die Zahl der Ausbildungsabbrüche stark an.
Nach Weltrichs Einschätzung wären das wichtige Themen für den gerade begonnenen Landtagswahlkampf, der Gefahr laufe, zu einer unpolitischen Veranstaltung zu werden. Wenn man die Wähler außer der Reihe zu den Urnen rufe, „haben sie einen Anspruch darauf, dass die Parteien zu den großen Herausforderungen, vor denen Nordrhein-Westfalen steht, Position beziehen: Fortführung der Bildungs- und Schulreform, Konsolidierung des Landeshaushalts, Bewältigung des Investitionsstaus bei der Verkehrsinfrastruktur. Gebraucht werden Sofortmaßnahmen zur Reduzierung der Stausituation auf den Autobahnen, ganzheitliche Luftreinhaltekonzepte statt Aktionismus und Umweltzonen, Förderung der energetischen Gebäudesanierung und eine mittelstandsorientierte Wirtschaftspolitik".



