Teilzeit-Ausbildung: Eine Chance für Unternehmen, motivierte und verantwortungsbewusste Mitarbeiterinnen zu gewinnen
Einige Handwerksbranchen machen gute Erfahrungen mit dem Einsatz von Teilzeitmitarbeitern, beispielsweise Friseursalons oder Bäckereien, die oft Verkäuferinnen als Halbtagskraft beschäftigen. Im Handwerk weitgehend unbekannt ist allerdings, dass seit 2005 auch eine Teilzeit-Ausbildung möglich ist. Das Berufsbildungsgesetz lässt das zu, unter der Voraussetzung, dass der Lehrling ein berechtigtes Interesse an einer Ausbildung in Teilzeit hat. Das trifft beispielsweise auf eine junge Frau zu, für die wegen der Betreuung eines kleinen Kinds eine Vollzeit-Stelle nicht in Frage kommt.
Wer als alleinerziehende Mutter Verantwortung für ein Kind hat, muss schnell lernen, seinen Alltag gut zu organisieren. Diese Fähigkeit ist auch im Beruf von Vorteil. Zudem sind diese Frauen, die über die Teilzeit-Lehrstelle den Einstieg in den Beruf anstreben, stark motiviert. „Wir möchten daher Handwerksbetriebe dafür gewinnen, das Modell der Teilzeitausbildung zu nutzen", erläutert Dr. Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln.
Dabei solle eine wöchentliche Arbeitszeit von mindestens 25
Stunden vereinbart werden, hinsichtlich der Anforderungen einer
Ausbildung sei eine 30-Stunden-Woche besser. Falls für die
alleinerziehende Frau nur eine Arbeitszeit von 20 Stunden möglich ist,
müsste sich die Ausbildungsdauer um bis zu einem Jahr verlängern. Da der
Berufsschulunterricht und die Teilnahme an überbetrieblichen Lehrgängen
auch bei einer Teilzeit-Lehrstelle unverändert bleiben, wirkt sich die
Reduzierung der Arbeitszeit auf den betrieblichen Teil der Ausbildung
aus. Weltrich empfiehlt daher den Unternehmen, mit dem
Ausbildungsberater der Handwerkskammer die Besonderheiten, die sich bei
Teilzeit-Lehrstelle ergeben, in den Ausbildungsablauf einzuplanen. Bei
einer Teilzeit-Ausbildung verringert sich die Ausbildungsvergütung, die
der Ausbildungsbetrieb zahlt, entsprechend der geringeren Arbeitszeit.
Handwerksunternehmen, die eine Teilzeit-Lehrstelle anbieten, werden
darum gebeten, mit dem Ausbildungsvermittler der Handwerkskammer,
Torsten Schmitt, Verbindung aufzunehmen (Telefon 0221/ 20 22 408,
E-Mail: schmitt@hwk-koeln.de).
Maler- und Lackierermeister Frank Schwadorf aus Köln-Rath hat mit
einer junger Frau nach der Beendigung ihrer Ausbildung eine
30-Stunden-Woche vereinbart und macht dabei die Erfahrung, dass eine
reduzierte Wochenarbeitszeit auch bei Arbeiten auf Baustellen möglich
ist. Schwadorf, der sich 1999 direkt im Anschluss an seine
Meisterprüfung selbstständig gemacht hat, bildet junge Menschen zum
Maler und Lackierer und zum Bauten- und Objektbeschichter aus.
Während in diesen beiden Ausbildungsberufen der Frauenanteil noch
niedrig ist - nur zehn Prozent aller Maler- und
Lackierer-Ausbildungsverhältnisse in der Region Köln-Bonn entfallen auf
junge Frauen, bei den Bauten- und Objektbeschichter sind es gerade
sieben Prozent -, bildet Schwadorf regelmäßig auch junge Frauen in
diesen beiden Berufen aus. Aus persönlichen Gründen, weil er selbst
Vater eines kleinen Kinds ist und seine Frau berufstätig ist, und wegen
der Kooperation mit dem „Vingster Treff" kennt er die Problematik, Beruf
und Familie miteinander zu vereinbaren, und zeigt sich für das Modell
der Teilzeit-Ausbildung aufgeschlossen.
Der „Vingster Treff" unterstützt alleinerziehende Frauen unter 25
Jahren bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt, damit sie von
staatlichen Transferleistungen unabhängig werden. Mit den an diesem
Projekt teilnehmenden Frauen wird zum Beginn ermittelt, wie ihre Stärke
und Kompetenzen sind (sogenanntes Profiling), in Seminaren werden sie
dann in Bereichen wie Bewerbungstraining, EDV-Kenntnisse, Zeitmanagement
etc. auf Schule, Ausbildung oder Arbeit vorbereitet. „Wir bieten den
jungen Frauen auch Kinderbetreuung und sozialpädagogische Begleitung
an", erläutert Beate Mages vom „Vingster Treff". Dazu kann auch der
Abbau von Vermittlungshemmnissen gehören, beispielsweise
Schuldnerberatung oder Unterstützung bei der Wohnungssuche oder
Sprachkurse.
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Kontakt
Dr. Markus Th. Eickhoff
0221 2022-247



