Hans Peter Wollseifer
Rudolf Wichert

Blog von Hans Peter Wollseifer (33)

Lesen Sie den aktuellen Wollseifer-Blog: hier erfahren Sie, welche Themen in der Politik vorbereitet und mit uns als einer der vier wichtigsten Wirtschaftsverbände diskutiert werden.

Liebe Mitgliedsbetriebe,

„Das Handwerk versteht sich als Partner und Berater der Politik“, das waren meine Worte nach der Wahl zum ZDH-Präsidenten vor genau sechs Jahren.  In meinem letzten Blog  in diesem Jahr werfe ich einen Blick zurück auf meine ehrenamtlichen Tätigkeiten beim ZDH und bei der Hwk zu Köln. Eine persönliche Rückschau auf das, was gut gelaufen ist, wofür ich dankbar bin, was mich antreibt, was Anlass zur Freude gab und was mühsam und ungerecht war. Und Sie erfahren, welcher Mensch mich besonders beeindruckt hat.


Wofür bin ich dankbar?

Zum Ende der Wahlperiode möchte ich allen ehrenamtlichen Akteuren des Handwerks danken. Ohne ihre konstruktive Mitarbeit stünden wir heute im Handwerk nicht so gut da. Privat bin ich dankbar, dass meine Familie mich die ganze Zeit unterstützt hat, wenn ich ehrenamtlich unterwegs war, sei es für die Kölner Kammer oder von Bayern bis Berlin und Brüssel für den ZDH. Mein Ziel war und ist es, die Wertschätzung für das Handwerk weiter zu erhöhen - als Stabilisator der Gesamtwirtschaft, als Ausbilder und als gesellschaftliche Integrationskraft.

 

Was ist gut gelaufen?

Sagen wir mal so: Das Schlimmste in den vergangenen Jahren konnte durch uns verhindert werden, Fehlentscheidungen korrigiert und viel positives für das Handwerk geschaffen und auf den Weg gebracht werden. Erfolgreich waren wir bei vielen Themen. Ich möchte da stellvertretend auch die Fortschritte beim Berufsabitur nennen. Große Hoffnung setze ich auf die neue Mittelstandsstrategie, die der Bundeswirtschaftsminister jetzt vorgelegt hat. Da geht alles in die richtige Richtung: Steuerdeckel, Sozialabgaben begrenzen, weitere Anhebung bei der Abschreibung der geringwertigen Wirtschaftsgüter. Jetzt muss das aber auch angepackt und umgesetzt werden. Da lasse ich auch weiterhin nicht locker.   

 

Womit habe ich mich am meisten beschäftigt?  

Seit Jahren kämpfe ich für mehr Entlastung der Betriebe und gegen ausufernde Bürokratie. Zufrieden bin ich, dass wir die Arbeitsstätten-Verordnung u.a. mit Fenstern für alle Pausen- und Bereitschaftsräume gestoppt haben. Auch die überbordende Bürokratie durch die Dokumentationspflichten beim Mindestlohn konnten wir etwas zurückschrauben. Ebenso das Wild-West Szenario mit bewaffneten Zollbeamten in Betrieben, um die Einhaltung des Mindestlohns zu überprüfen, ist vorbei. Das Bürokratiemonster „Tariftreue- und Vergabegesetz“ wurde vereinfacht. Auch die Hygiene-Ampel ist vom Tisch.  Nun kommt ein weiteres  Bürokratieentlastungsgesetz. Ich sage schon jetzt: eine glatte Enttäuschung. Wie unsere Betriebe dadurch entlastet werden sollen, ist mir ein Rätsel. Es liegt  also noch viel Arbeit vor uns, bis unsere kleinen und mittleren Betriebe spürbare Verbesserungen erfahren. Und ich bleibe bei meiner Forderung nach einer hundertprozentigen Abschaffung des Solis, alles andere halte ich für nicht verfassungsgemäß. Die Leistungsträger der Gesellschaft, zu denen auch unsere Betriebe zählen, dürfen nicht bestraft werden.

 

Worauf bin ich stolz?

Ich hätte zu Beginn meiner Tätigkeit in Berlin es nicht für möglich gehalten, aber bei der Wiedereinführung der Meisterpflicht sind wir mit immerhin 12 wichtigen Handwerken auf der Zielgeraden. 2020 soll die Reform der Handwerksordnung kommen. Unser gemeinsames Vorangehen und vereintes Auftreten hat sich ausgezahlt: ZDH, die Handwerkskammern, die Fachverbände, die Kreishandwerkerschaften, die Innungen, die gesamte Handwerksorganisation waren geschlossen dabei, als es darum ging, den Fehler der Vergangenheit zu korrigieren.  Die Wiedereinführung der Meisterpflicht  ist jetzt ein starkes Signal für Qualität und Qualifikation im Handwerk. Wir brauchen eine neue Generation von Meistern, die ausbildet und damit sicherstellt, dass es auch in Zukunft noch Fachkräfte mit fundiertem handwerklichen Know-How gibt.

 

Wofür setze ich mich ein?

Handwerksarbeit muss wieder die Anerkennung und Wertschätzung finden, die ihr gebührt. Das sehe ich als eine wesentliche Voraussetzung, damit Berufe im Handwerk für junge Menschen wieder attraktiv werden. Wertschätzung muss sich aber auch darin zeigen, dass akademische und berufliche Bildung finanziell gleichwertig gefördert wird. Zur Gleichwertigkeit gehört für mich auch , dass für Azubis bei der Kranken-, Pflege- und Unfallversicherung dasselbe gilt wie für Studenten. Mit der Einführung des Azubi-Tickets in NRW haben wir schon mehr Gleichwertigkeit geschafft. Seit 2010 ist Nachwuchswerbung zu einem der Schwerpunkte der Kölner Kammerarbeit geworden, so konnten wir mittlerweile auch mehr Abiturienten und Studienaussteiger für eine Ausbildung im Handwerk gewinnen. Als Erfolg sehe ich, dass heute Auszubildende und angehende Meister mehr finanzielle Unterstützung für ihre Aus- und Fortbildung bekommen. Ich möchte aber, dass der Staat die kompletten Kosten der Meisterausbildung übernimmt. Jetzt steht die Novellierung des Berufsbildungsgesetzes an. Eine richtiger Schritt ist es die neuen Bezeichnungen Bachelor professional und Master professional aufzunehmen, um die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung sichtbarer und international vergleichbarer zu machen. Aber klar ist natürlich: Der Meister bleibt der Meister!

 

Was gab Anlass zur Freude?

Wir haben zusammen mit dem Bundeswirtschaftsministerium das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk ins Leben gerufen. In bundesweit fünf sogenannten Schaufenstern werden die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten digitaler Technologien gezeigt und den Betrieben Hilfestellung bei der Digitalisierung gegeben. Dass das Handwerk für die Zukunft gut aufgestellt ist - nämlich digital, vernetzt und innovativ -  zeigt auch die kommende Handwerksmesse in München unter dem Motto: „Wir wissen, was wir tun.“



Was war mühsam?

Wegen der anstehenden Neureglung der Erbschaftssteuer war damals ein hartes Stück Arbeit erforderlich. Wir mussten in zahlreichen Arbeits- und Spitzengesprächen immer wieder die besondere Situation unserer kleinen und mittleren Betriebe erklären. Aber es ist uns gelungen, dass rund 95 Prozent der Handwerksbetriebe  raus sind aus der Erbschaftssteuer. Auch die steuerliche Absetzbarkeit von Investitionen in die energetische Gebäudesanierung hat zu lange gedauert. Sie war schon zweimal am Widerstand der Länder gescheitert. Jetzt ist genug Sensibilität für das Thema Klimaschutz vorhanden, und die steuerliche Sanierungsförderung ist der schnellste und wirksamste Hebel, um die Energiewende im Gebäudebereich voranzubringen und Treibhausgase einzusparen. Klimaschutz? Nicht ohne das Handwerk!



Was war die größte Ungerechtigkeit?

Warum musste im Fall eines Produktfehlers der Handwerker für die entstehenden Folgekosten haften und nicht der Hersteller? Dagegen haben wir protestiert - mit Erfolg: Unsere Handwerker haften nicht mehr für die Fehler von anderen. Sind Lieferanten oder Hersteller für fehlerhaftes Material verantwortlich, müssen diese auch die Kosten für den Aus- und erneuten Einbau tragen.



Welcher Mensch hat mich besonders beeindruckt?

Mein Lehrling aus Iran. Er macht in meinem Betrieb eine Ausbildung zum Maler und Lackierer. Bei ihm habe ich hautnah den Hürdenlauf durch die deutsche Bürokratie erleben können. Und mir ist noch klarer geworden: Wir brauchen ein Bleiberecht für diejenigen, die eine Berufsausbildung durchlaufen, in unsere Sozialsysteme einzahlen und ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten. Die Abschiebung ausgebildeter und gut integrierter Flüchtlinge ist wirtschaftlicher Unsinn. Immerhin tritt 2020 das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft. Alle Branchen, in denen Fachkräfte fehlen, sind froh, dass wir dieses Gesetz gemeinsam mit der Politik auf den Weg gebracht haben. Wir müssen im Ausland die Fachkräfte anwerben. Und zwar dort, wo junge Menschen im eigenen Land keine ausreichende Perspektive haben. Wir werden damit das Fachkräfteproblem zwar nicht lösen, aber wir können es entschärfen.



 „Das Handwerk versteht sich als Partner und Berater der Politik“. Das waren meine Worte nach der Wahl zum ZDH-Präsidenten am 6.12.2013. Diese Tradition möchte ich fortsetzen, denn es gibt bei der Politik auch die nächsten Jahre großen Beratungsbedarf in Sachen Handwerk und Mittelstand. Ich hoffe, Sie unterstützen mich weiter auf meinem Weg. Wie immer freue ich mich über ein Feedback von Ihnen unter  wollseifer-blog@hwk-koeln.de



Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich schon jetzt eine schöne Adventszeit, ein gesegnetes Fest und einen guten Start ins neue Jahr.  Ich hoffe, Sie finden etwas Zeit und Ruhe für sich. 

Herzlichst
Ihr
Hans Peter Wollseifer

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