Hans Peter Wollseifer
Rudolf Wichert

Blog von Hans Peter Wollseifer (34)

Lesen Sie den aktuellen Wollseifer-Blog: hier erfahren Sie, welche Themen in der Politik vorbereitet und mit uns als einer der vier wichtigsten Wirtschaftsverbände diskutiert werden.

Liebe Mitgliedsbetriebe,

die Corona-Pandemie führt zur schwersten Krise in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Viel wird uns allen abverlangt. Jetzt gilt bundesweit ein Kontaktverbot für mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit. Unser soziales Miteinander und wirtschaftliches Handeln werden noch mehr eingeschränkt. Wir vom Handwerk stehen voll hinter den einschneidenden Maßnahmen, die Bund, Land und Kommunen ergreifen, damit sich das Virus nicht weiter ausbreitet. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass viele Menschen verunsichert sind, Angst um sich und ihre Familie haben. Neben der Sorge um die Gesundheit geht es bei vielen aber vor allem auch um die wirtschaftliche Existenz.



Corona-Krise trifft das Handwerk schwer

Mit voller Wucht hat die Corona-Krise das Handwerk getroffen. Nach einer aktuellen Umfrage, die unsere Kölner Kammer durchgeführt hat, leidet mehr als jeder zweite Handwerksbetrieb in der Region unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie: Zahlungsschwierigkeiten, kein Geld für Löhne, Materialknappheit. Alle Gewerke, die im Messebau tätig sind, stehen vor drastischen Umsatzeinbußen. Besonders stark sind die Zulieferer zur Industrie getroffen, denn beispielweise bei den Autobauern herrscht Stillstand.  Der Kfz-Handel liegt lahm. Auch im Lebensmittelhandwerk kommt es durch stornierte Aufträge zu Umsatzausfällen. Die Friseure und Kosmetikstudios müssen wegen der Kontaktsperre schließen. Unsere Gesundheitshandwerke klagen über mangelnde Kundschaft. Besonders hart getroffen hat es auch die Gebäudereiniger. Weil alle Schulen geschlossen sind oder Büroflächen aufgrund von Homeoffice leer stehen, bricht ein Großteil der Aufträge weg.  Die Liste der Klagen wird täglich länger. Uns als Kammer geht es jetzt darum, dass unsere Unternehmen zahlungs- und handlungsfähig bleiben! Gerade die Betriebe aus den stark betroffenen Branchen brauchen jetzt schnell und unbürokratisch finanzielle Hilfe, um zu überleben.

 

Krisentreffen im Kanzleramt

Kurz vor dem Shut-Down - also dem Stilllegen des wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens zur Eindämmung des Virus - waren die Spitzenverbände der Wirtschaft sowie die Gewerkschaften zum Corona-Krisengipfel ins Kanzleramt geladen. Die Kanzlerin und das halbe Kabinett waren anwesend, ebenso Vertreter der Kreditwirtschaft. Die Stimmung an diesem Freitagabend in Berlin war außerordentlich kooperativ und vertrauensvoll.  Man kann ja von der großen Koalition halten was man will - auch ich habe ihre Arbeit oft kritisiert - aber in der Krise steht die Regierungsmannschaft zusammen und arbeitet Hand in Hand. Allen war klar:  Es musste unbedingt verhindert werden, dass Betriebe in die Insolvenz gehen und Menschen ihre Arbeit verlieren. Wir alle, die dort anwesend waren, haben eine solche Krisensituation noch nie erlebt. Selbst die Kanzlerin gestand ein, dass sie in der letzten Phase ihrer Amtszeit nie mit so etwas gerechnet hätte.

 

Maßnahmenpaket darf nicht an der Umsetzung scheitern

Die Rettungspakete des Landes NRW sowie des Bundes sind die richtige Antwort auf die Krise. Die NRW-Soforthilfe in Form eines einmaligen, nicht rückzahlbaren Zuschusses für Kleinbetriebe und Soloselbständige startet am heutigen Freitag. Wir rechnen mit einem Ansturm auf die Anmeldeportale, obwohl die Soforthilfen bis zum 31.05.2020 beantragt werden können. Trotzdem gilt: Schnelle und unbürokratische Hilfe ist das Gebot der Stunde für die Handwerksbetriebe. Unsere gesamte Kammer arbeitet mit Hochdruck daran, Ihnen zur Seite zu stehen, wo Sie die Anträge finden, und was Sie bei der Antragstellung beachten müssen. Die Kölner Unternehmen können laut Oberbürgermeisterin Reker eine Absenkung der Gewerbesteuervorauszahlung beantragen. Zudem kann ein Antrag auf Stundung von Steuerzahlungen, die die Stadt erhebt, gestellt werden. Es gibt weiterhin die Möglichkeit, die Stundungszinsen zu erlassen.

 

Bürokratie erschwert Rettungspakete für Mittelstand

Die gute Nachricht vorweg: Mehr als die Hälfte der an unserer Kammerumfrage beteiligten Betriebe wird aufgrund ihrer Überzeugung als Familienunternehmen kein Personal abbauen! Die schlechte: Der klassische Mittelstand läuft Gefahr – trotz des historischen Rettungsprogramms von Bund und Land - in eine bürokratische Antrags-Lücke zu geraten. Das Geld ist da, die Förderprogramme auch, aber bei der Antragsstellung fällt der Mittelstand durchs Raster. Da stimmt die Passgenauigkeit nicht.  Kurzarbeitergeld und Darlehen sind noch mit erheblichem formalistischem Aufwand verbunden. Ich höre oft die Kritik der Unternehmen, dass die Genehmigungsverfahren viel zu lange dauern. Die KfW-Darlehen laufen über die Hausbanken, die entweder überlastet sind und teilweise noch ihre üblichen Kreditbedingungen anlegen. Es ist jetzt nicht die Zeit, um nach ausgefeilten Businessplänen zu fragen oder Bonitätsprüfungen zu fordern. Das geht in einer solchen schwierigen Phase überhaupt nicht, denn damit ist eine schnelle und unkomplizierte Liquidität für die Betriebe nicht gewährleistet. Die Hausbanken müssen zügig die KfW-Darlehen bewilligen, weil ansonsten das Rettungsprogramm ins Leere läuft und die notleidenden Betriebe - und vor allem unser klassischer Mittelstand - unweigerlich in die Insolvenz gehen.

Ich fordere aber auch von der Politik, dass schnellstmöglich die Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge beendet wird. Damit müssten alle Arbeitgeber die Sozialbeiträge für ihre Mitarbeiter nicht mehr im laufenden, sondern erst im Folgemonat abführen. Hilfreich wäre es auch, gerade für das lohnintensive Handwerk, wenn die Sozialbeiträge für ausgefallene Arbeitsstunden voll erstattet werden.



Wie erleben Sie die Corona-Krise und wie können wir helfen? Schreiben Sie mir unter wollseifer-blog@hwk-koeln.de. Auch unsere Kammer steht Ihnen weiterhin für Ihre Fragen und für Informationen zur Seite: Hotline: 0221 2022-0. Auf www.hwk-koeln.de/corona haben wir alle wichtigen Informationen rund um Corona und das Handwerk für Sie zusammengestellt.

Liebe Mitgliedsbetriebe, diese Krise ist für uns alle eine nie dagewesene Bewährungsprobe. Ich bin davon überzeugt, dass wir sie vereint bestehen können. Das Handwerk wird auch diese extreme Krise meistern.

Bitte bleiben Sie gesund!

Ihr
Hans Peter Wollseifer

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