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Woche der Ausbildung, Vol. II

Diese Woche: Gemeinsam mit der Agentur für Arbeit, IHK Köln und Stadt Köln sorgen wir für individuelle Beratung per Hotline in Sachen Ausbildung.

Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer, Agentur für Arbeit und Stadt Köln starten zweite "Woche der Ausbildung"

Gemeinsame Aktion im Rahmen der Landesinitiative "Kein Abschluss ohne Anschluss - Übergang Schule-Beruf" (KAoA) in Köln

Was tun nach dem Schulabschluss? Durch die Corona-Krise fallen Auslandsjahr, Work & Travel oder andere Aktivitäten flach. Auf der anderen Seite halten die Kölner Unternehmen trotz der Corona-Krise an der Berufsausbildung fest. Die Stellenbörsen der Arbeitsagentur und der Kammern sind prall gefüllt mit attraktiven Ausbildungsangeboten. Das ist eine Alternative mit besten Zukunftschancen.

Die Wirtschaftskammern, die Arbeitsagentur Köln und die Stadt Köln informieren daher im Rahmen der Landesinitiative "Kein Abschluss ohne Anschluss" noch einmal in dem Format "Woche der Ausbildung" über die Chancen und Möglichkeiten für junge Menschen, die sich für eine Berufsausbildung interessieren.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker: "Die Betriebe in Köln bilden weiter aus. Sie können am besten abschätzen, wie stark sie nach dieser Corona-Pandemie wieder am Markt vertreten sein werden. Junge Kölnerinnen und Kölner sollten die sich jetzt bietenden Chancen nutzen und die zahlreichen Möglichkeiten in den unterschiedlichsten Berufsfeldern beherzt angehen. Auch bei der Stadt Köln, als eine der größten Ausbilderinnen in NRW, gibt es noch freie Stellen. Infomieren Sie sich über die Ausbildungshotlines und die professionelle Beratung der Agentur für Arbeit und der Stadt. Die Kölner Wirtschaft, der Einzelhandel und das Handwerk sind gut aufgestellt."

Johannes Klapper, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Köln: "Es hat uns gefreut, dass unsere Beratungsangebote bei der letzten Aktionswoche gut angenommen worden sind. Natürlich ist unsere Berufsberatung auch weiterhin für die Jugendlichen da. Ich kann nur an die Schülerinnen und Schüler und auch deren Eltern, appellieren: Melden Sie sich bei uns und lassen Sie sich beraten. Wir haben noch 2.750 Ausbildungsstellen im Angebot. Da ist für jeden etwas dabei“, so Johannes Klapper, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Köln. „Vor allem sind aber auch die aufgerufen, die noch keinen genauen Plan für die Zukunft haben und eventuell nach Überbrückungsmöglichkeiten suchen, sich bei uns zu melden. Auch dabei können wir beraten und helfen."

Garrelt Duin, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln: "Wochen der Unwägbarkeiten liegen hinter vielen Schülerinnen und Schülern. Nun geht es in die intensive Bewerbungsphase: Junge Menschen, die jetzt von der Schule abgehen, können in der dualen Ausbildung eine verlässliche Perspektive – und gleichzeitig den idealen Einstieg in die persönliche berufliche Laufbahn finden. Gerade das Handwerk bietet mit seiner Fülle an unterschiedlichen Ausbildungsberufen eine Bandbreite an Auswahlmöglichkeiten an, mit denen man sich selbst verwirklichen kann – ganz gleich, welche Art des Schulabschlusses man erreicht hat. Da ist für jedes Talent das Richtige dabei! Zukünftige Fach- und Führungskräfte werden dringend gebraucht; das Handwerk bildet aus und bietet Chancen. Unsere Lehrstellenbörse im Internet zeigt noch viele freie Ausbildungsplätze an: Besonders gefragt sind momentan Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Friseur, Elektroniker, Kaufmann für Büromanagement, Maler und Lackierer sowie Kraftfahrzeugmechatroniker."

Christopher Meier, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK Köln: "Unsere Ausbildungsberufe sind die perfekte Basis für eine selbstbestimmte und sichere Zukunft. Aufstiegsmöglichkeiten, sinnvolle Aufgaben in tollen Teams und sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt bieten die zahlreichen Ausbildungsberufe von Kaufleuten über IT und vielen anderen Bereichen. Wir haben nach wie vor mehr Ausbildungsplätze als Bewerber/-innen im Bezirk der IHK Köln. In den Unternehmen ganz praktisch und mit viel Elan mitzuhelfen, dass wir möglichst gut aus der Krise herauskommen, ist eine extrem spannende Aufgabe für junge Leute. Wir hoffen, dass sich viele junge Menschen bei uns melden und mit uns gemeinsam gezielt nach einem passenden Beruf und Betrieb suchen. Unsere Berater/-innen haben dazu noch viele Tipps für Bewerbungen auf Lager!"

Ömer Saglam, Beruflicher Bildungslotse der Handwerkskammer zu Köln
Handwerkskammer zu Köln
Ömer Saglam, Beruflicher Bildungslotse der Handwerkskammer zu Köln

In dieser Woche sind unsere Ausbildungsberater übrigens auch wieder zu Besuch in Schulen, um dort über die Möglichkeiten der dualen Ausbildung zu informieren: So war der Berufliche Bildungslotse Ömer Saglam beispielsweise mit Kollegen der Industrie- und Handelskammer Köln zu Gast bei der Integrierten Gesamtschule Innenstadt (igis) Köln.

Simone Winter, Lehrerin an der igis Köln
Handwerkskammer zu Köln
Simone Winter, Lehrerin an der igis Köln

Wir haben die Gelegenheit genutzt, ein kurzes Interview mit der Lehrerin Simone Winter zu führen, die sich an der igis Köln für die Berufsorientierung engagiert.

Wir erleben mit der Corona-Krise gerade eine besondere Zeit – auch was die Berufsorientierung der Schülerinnen und Schüler angeht. Gibt es etwas, das jetzt signifikant anders ist als in normalen Zeiten?

Simone Winter: Es gibt natürlich wahnsinnige Einschränkungen bei berufsorientierenden Maßnahmen, dass zum Beispiel BFE-Tage, also Berufsfelderkundungen in Klasse 8, abgesagt werden mussten. Die Kinder hatten sich die Plätze organisiert. Wir hatten das Alles nachgehalten; es gibt dort Dokumentationsmethoden, das heißt, sie schreiben einen Bericht, darüber wird reflektiert, es wird später in den Unterricht eingebunden. Da wir jetzt ein rotierendes System haben mit ganz wenigen Stunden, gar keinen flächendeckenden Unterricht, hat sich das also verändert. BFE-Tage, die abgesagt wurden, mussten dann digital nachgeholt werden – natürlich meistens ohne Betrieb, sondern auf Internetseiten wie Planet Beruf und Berufe.tv. Diese klassischen Seiten, auf denen dann Videos über Berufe zur Verfügung gestellt werden. Wir arbeiten mit Kooperationspartnern zusammen, wie zum Beispiel dem TÜV Rheinland, mit denen auch vieles stattfindet. Zum Beispiel mit dem TÜV hat ein Projekt im Bereich Mechatronik stattgefunden. Per Zoom-Konferenz haben die Schülerinnen und Schüler dort mit Azubis Interviews geführt. Das ist ganz toll und das liegt immer an engagierten Kollegen, die da aktiv sind. Ich treibe solche Kooperationen voran und bin immer ganz dankbar, wenn die Kollegen das aufgreifen; in ihrem Technik-Unterricht, im Hauswirtschaftsunterricht und Wirtschaftsunterricht einfließen lassen.

Beim TÜV haben Sie einen sehr handwerksaffinen Ausbildungsberuf angesprochen, gibt es auch konkrete Kooperationen direkt mit Handwerksunternehmen?

Mit einem Handwerksunternehmen haben wir noch keine Kooperation. Wir wären daran aber natürlich sehr interessiert. Wir haben hier in der Schule unten eine Werkstatt und auch einen Schreinermeister, der da in einem multiprofessionellen Team arbeitet, was toll ist und vor allem auch Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf nah kommt. Zum Beispiel steht hier ein Sonnenstuhl auf dem Gelände, den ein Schüler mit unserem Schreiner erarbeitet hat, was wir total beeindruckend finden. Wir sind da, glaube ich, auf einem ganz guten Weg, mit unserer Schülerfirma. Wir sind eine Schule im Aufbau. Wir sind jetzt im fünften Jahr, weiter sind wir natürlich noch nicht, dass das alles ausgebaut ist. Aber wir sind natürlich sehr interessiert an Kooperationen.

Wenn Sie so ein Praxisbeispiel schildern, resultiert dann auch der Wunsch daraus, eine handwerkliche Ausbildung zu absolvieren? Auf der anderen Seite bieten solche Angebote ja immer auch eine Möglichkeit herauszufinden, was man beruflich gerade nicht möchte.

Das sag ich Schülern ganz oft: du kannst kein negatives Praktikum machen. Jede negative Erfahrung bringt dich in diesem Orientierungsprozess weiter. Jeder Umweg jetzt erspart dir vielleicht einen späteren Umweg, der noch weiter wäre, der eine weitere Schleife nach sich zieht. Aber bei Jakob, dem Schüler, der diese Sonnenbank gebaut hat, handelt es sich um einen ganz handwerksaffinen Schüler, der da ganz viel Talent mitbringt. Er ist schulisch teilweise eher demotiviert, hat es schwerer, sich im Unterricht einzufinden; aber bei diesem Projekt entwickelt er auch mathematisches Interesse und sagt: „Klar, ich verstehe, hier muss ich die Maße jetzt berechnen.“ Und das ist super. Der hat da absolutes Interesse und ich bin mir sicher, dass dieser Schüler bestimmt in einen handwerklichen Bereich geht.

Trotzdem sagen Sie, dass das Interesse vieler Schülerinnen und Schüler an einer dualen Ausbildung Ihrer Erfahrung nach derzeit nicht besonders hoch ist. Was meinen Sie, woran liegt das?

Ich glaube, dass die duale Ausbildung mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Wir Lehrer versuchen, das jedoch immer wieder im Wirtschaftsunterricht zu thematisieren. Als ich noch Schülerin war, war das noch nicht so, aber heute ist das in Schulbüchern eine Doppelseite, auf der es darum geht: was ist eigentlich duale Ausbildung und warum ist das weltweit etwas Besonderes, dass wir dieses System in Deutschland haben? Egal, wie sehr man auch versucht, den Schülern nahe zu bringen, dass die duale Ausbildung was Gutes ist, dass man mit dem Meisterbrief einen qualifizierten beruflichen Titel erreichen kann, der angesehen ist, mit dem man Geld verdienen kann und sich ein gutes Standing erarbeiten kann – das wird von Vielen nicht so wahrgenommen. Stattdessen gelten Abitur und Studium als erstrebenswert. Egal, wie man hier gerade notentechnisch steht; es bleibt das Ziel. Die Schülerinnen und Schüler nehmen das einfach nicht so gut an, dass es eine Alternative gibt. Außerdem denke ich, dass die Schülerinnen und Schüler in diesem Alter, in dieser Generation teilweise einfach noch nicht so reif sind. Sie trauen sich das vielleicht noch nicht zu. Vielleicht schreckt sie auch ab, dann wirklich in einem Betrieb zu arbeiten. Sie stellen sich Schule bequemer vor, obwohl sie teilweise schulmüde sind. Dabei zeigen ihnen solche Beratungsmaßnahmen: „Schau mal, hier gibt es eine Option für dich, rauszukommen. Das sind zwei Jahre deines Lebens.“ Die haben dann häufig das Gefühl, sie entscheiden für den Rest ihres Lebens. Ich glaube, wir müssen da hinkommen, Schülern ein ganz anderes Gefühl für den Arbeitsmarkt und generell zur Arbeit zu geben. Denn die neue Generation lebt von kurzfristigeren Projekten. Nach einer Ausbildung kann man, wenn man dann die Kompetenz und das Interesse mitbringt, mit weiteren Qualifizierungen und Weiterbildungsmaßnahmen aufstocken.

Was geben Sie abschließend den Schülerinnen und Schülern für den Einstieg in die Berufswelt mit auf den Weg?

Ich starte meine Präsentation (vor den Eltern) immer mit dem Satz: „Man fragt Kinder immer, was willst du mal werden?“ Und ich sage dann: „Du bist schon wer! In dir ist schon ganz viel, was du nur herausfinden musst.“ Es geht darum, eigene Qualitäten, Potenziale und Interessen herauszukristallisieren. Auf diesem Weg muss man sich dann aber auch bewusst sein, dass man noch wahnsinnig jung ist, sich entwickelt und vielleicht Dinge zunächst falsch einschätzt: Ich wollte selbst, bis ich 17 war, Journalistin werden. Bis mir irgendwann klar wurde, dass dieser sichere Beruf im Lehramt und die Arbeit mit Kindern mich glücklicher machen würde. Es ist wichtig, dass man auf diesem Weg flexibel und offen bleibt. Ich sage auch oft, dass es sein kann, dass ein Praktikum erstmal auf einen Umweg führt und man dann denkt, das ist doch gar nicht so meins. Vielleicht kommen mir manche Arbeitsplatzbedingungen gar nicht so entgegen oder entsprechen meiner Persönlichkeit nicht. Aber vielleicht gibt es mal in zwei Jahren ein unerwartetes Gespräch mit einer Nachbarin beim Grillen, das vielleicht der Augenöffner ist. Das gebe ich auch Kollegen ganz oft mit auf den Weg, die mich fragen: Oh Gott, wie soll ich jetzt auch noch Berufsorientierung stemmen? Wenn ich den Schülern erzähle, wie sehr mir die Gespräche mit meinem eigenen Vater, der selbst Lehrer war und mich auch vor den ermüdenden Aspekten des Lehrerseins gewarnt hat, bei der eigenen Berufsfindung geholfen haben, dann bringt man den Schülern schon eine ganze Menge bei.

HOTLINES:

Woche der Ausbildung
15. bis 19. Juni2020,
täglich von 14 bis 16 Uhr

Handwerkskammer zu Köln:
0221/2022-144
(Berufe im Handwerk, freie Ausbildungsplätze und Beratung für Eltern und Schülerinnen und Schüler.)

IHK Köln:
0221/1640-6650
(Berufe im kaufmännischen und gewerblich-technischen Bereich, Ausbildungsberatung, Elternberatung und freie Ausbildungsplätze, Einstiegsqualifizierung.)

Arbeitsagentur Köln:
0221/9429-1555
(Berufsberatung für Schülerinnen und Schüler, Beratung für Eltern, freie Plätze.)

Stadt Köln - Bildungsberatung im Amt für Schulentwicklung: 0221/221-29282
(informiert und berät bei Fragen zum Übergang Schule und Beruf.)