Was man über die Prüfung wissen sollte

Die Handwerkskammer - bzw. die Innungen in ihrem Auftrag- führt  Zwischen-, Gesellen- und Abschlussprüfungen in den handwerklichen und handwerksähnlichen sowie in den kaufmännischen Ausbildungsberufen durch. Insgesamt werden im Kammerbezirk jährlich ca. 4000 Gesellenprüfungen und ebenso viele Zwischenprüfungen abgenommen.

Die vollständigen Vorschriften des Prüfungswesens finden Sie in der Gesellenprüfungsordnung .

Einige wichtige Regelungen haben wir im Folgenden für Sie zusammengestellt:

Jede und jeder Auszubildende muss

  • mindestens eine Zwischenprüfung ablegen
  • am Ende der Ausbildungszeit eine Gesellen- bzw. Abschlussprüfung ablegen, deren Teilnahme nicht verpflichtend ist

In vielen Ausbildungsberufen gibt es mittlerweile die so genannte „gestreckte Gesellen- bzw. Abschlussprüfung”.  Die Abschlussprüfung besteht dann aus den zeitlich auseinanderfallenden Teilen 1 und 2. Teil 1 der Abschlussprüfung findet in der Regel zur Mitte des zweiten Ausbildungsjahres statt. Teil 2 zum Ende der Berufsausbildung.  Die Ermittlung des Gesamtergebnisses beruht auf Teil 1 und Teil 2.



Vorschriften über die Gesellen-/Abschlussprüfung

Die Prüfungsinhalte sind in der jeweiligen Ausbildungsordnung verbindlich geregelt. Die allgemeinen Vorschriften über die Durchführung der Prüfung finden sich in der Gesellenprüfungsordnung der Handwerkskammer (GPO). In der GPO ist z. B. geregelt:

Zulassungsvoraussetzungen für die Prüfung (§ 8 GPO)
Verfahren bei Täuschungshandlungen (§ 22 GPO)
Rücktritt von der Prüfung (§ 23 GPO)
Wiederholungsprüfung (§ 29 GPO)

 

Anmeldung zur Prüfung

Der Antrag auf Zulassung zur Prüfung ist durch die Auszubildenden schriftlich nach den von der Handwerkskammer bestimmten Fristen und Formularen zu stellen. Über die Anmeldung ist der/die Ausbildende zu unterrichten (§ 12 GPO).

Der Anmeldung sind beizufügen:

  • Kopie des Ausbildungsvertrages
  • Bescheinigung der Teilnahme an der Zwischenprüfung/Teil 1 der Prüfung
  • Berichtsheft
  • Letztes Berufsschulzeugnis

Die Anmeldefrist endet

  • für die Winterprüfung jeweils am 10. September
  • für die Sommerprüfung jeweils am 01. März


Vorzeitige Zulassung zur Prüfung

Gem. § 37 Abs. 1 HwO kann der/die Auszubildende bereits 6 Monate vor seinem/ihrem  regulären Prüfungstermin zur Prüfung zugelassen werden, wenn seine/ihre Leistungen dies rechtfertigen. Das ist der Fall, wenn er im Betrieb und in den Berufsschulfächern des berufsbezogenen Bereichs jeweils im Durchschnitt mindestens gute Leistungen (mind. 2,49) nachweist. Die vorzeitige Zulassung muss bei der die Prüfung durchführenden Stelle (Handwerkskammer bzw. Innung) unter Vorlage einer Beurteilung des Betriebes, des letzten Berufsschulzeugnisses sowie den üblichen Anmeldeunterlagen (s.o.) beantragt werden. Mit Bestehen der vorzeitigen Prüfung endet das Ausbildungsverhältnis.



Prüfungskosten

Die Prüfungen sind für die Auszubildenden kostenfrei (§ 31 Abs. 4 HwO). Die Prüfungskosten werden dem Ausbildungsbetrieb durch Gebührenbescheid auferlegt. Die Höhe der Gebühr richtet sich – gleich, ob die Prüfung von der Innung oder der Kammer abgenommen wird – nach der Gebührenordnung der Handwerkskammer.

Sie beträgt zurzeit für

  • die Zwischenprüfung: max. 300,- Euro zzgl. Materialkosten
  • die Gesellen-/Abschlussprüfung: max. 360,- Euro zzgl. Materialkosten

Die ggf. anfallenden Fahrt- und Übernachtungskosten zum Prüfungsort muss der Ausbildungsbetrieb nicht zahlen.



Zurverfügungstellung von Werkzeug und Material für die Prüfung

Soweit Werkzeuge und Werkstoffe nicht für die Prüfung von der zuständigen Stelle (Handwerkskammer bzw. Innung) zur Verfügung gestellt werden, muss der Ausbildungsbetrieb diese dem/der Auszubildenden kostenlos zur Verfügung stellen, soweit sie zum Ablegen von Zwischen- und Abschlussprüfungen erforderlich sind. Auch wenn die Prüfung erst nach Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses stattfindet (§ 14 Abs. 1 Nr. 3 BBiG).



Freistellung für Prüfungsteilnahme

Der Ausbildungsbetrieb muss den/die Auszubildenden für die Teilnahme an der Zwischen- und Gesellen-/Abschlussprüfung freistellen (§ 15 BBiG). Die Zeit der Freistellung umfasst auch Wegzeiten und Pausen.

Jugendliche Auszubildende unter 18 Jahren müssen zusätzlich auch für den Arbeitstag freigestellt werden, der der schriftlichen Gesellen-/Abschlussprüfung unmittelbar vorausgeht (§ 10 JArbSchG). Findet die schriftliche Prüfung an mehreren Tagen statt, ist nur der Arbeitstag unmittelbar vor dem ersten Prüfungstermin freizustellen.

Beispiel:

Prüfung findet am Dienstag statt. Der/die Jugendliche ist also am Montag und Dienstag freizustellen. Ist die Prüfung dagegen am Montag, so ist nur am Montag freizustellen, da der Arbeitstag davor (Freitag) nicht unmittelbar vorangeht.

Für die Zeit der Freistellung ist die Ausbildungsvergütung fortzuzahlen (§ 19 BBiG).



Verlängerung der Ausbildung bei Nichtbestehen der Prüfung

Besteht der/die Auszubildende die Gesellen-/Abschlussprüfung nicht – wobei grundsätzlich unerheblich ist, warum die Prüfung nicht bestanden wurde - so verlängert sich das Ausbildungsverhältnis bis zum nächstmöglichen Prüfungstermin (§ 21 Abs. 3 BBiG).

Eine Verlängerung tritt nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG Urteil vom 30.09.1998 – 5 AZR 58/98) auch dann ein, wenn der Prüfling krankheitsbedingt nicht an der Prüfung teilnehmen kann.

Hierfür genügt es, dass der/die Auszubildende spätestens 3 Wochen nach Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses die Verlängerung vom Ausbildungsbetrieb verlangt. Eine Zustimmung des Betriebes ist nicht erforderlich, die Verlängerung wird ggf. auch gegen den Willen des Betriebes automatisch wirksam. Die Verlängerung ist der Kammer unverzüglich schriftlich mitzuteilen (Mitteilungsformular siehe Formulare/Downloads).

Der/die Auszubildende hat für den Verlängerungszeitraum Anspruch auf Ausbildungsvergütung in der zuletzt gewährten Höhe.

Wird die erste Wiederholungsprüfung bestanden, endet das Ausbildungsverhältnis.

Besteht der/die Auszubildende die erste Wiederholungsprüfung nicht und stellt er/sie (abermals) ein Verlängerungsverlangen, verlängert sich das Berufsausbildungsverhältnis bis zur zweiten Wiederholungsprüfung, wenn diese noch innerhalb der Höchstfrist von einem Jahr (§ 21 Abs. 3 letzter Satzteil BBiG) abgelegt wird. Die Beendigungswirkung tritt dann unabhängig davon ein, ob die zweite Wiederholungsprüfung bestanden oder nicht bestanden wird (BAG Urteil vom 15. März 2000 – 5 AZR 622/98).



Einsicht in die Prüfungsunterlagen

Der/die Auszubildende (nicht der Ausbildungsbetrieb) hat das Recht, binnen einen Monats nach Zugang der Mitteilung über das Bestehen/Nichtbestehen der Prüfung seine/ihre Prüfungsunterlagen einzusehen (§ 26 GPO).



Widerspruch gegen Entscheidungen des Prüfungsausschusses

Gegen Entscheidungen des Prüfungsausschusses (z. B. Nichtzulassung zur Prüfung, Nichtbestehen der Prüfung) kann der/die Auszubildende binnen einen Monats ab Zugang der Entscheidung Widerspruch bei der die Prüfung durchführenden Innung oder bei der Handwerkskammer einlegen. Die Innung bzw. die Handwerkskammer überprüft dann die Entscheidung. Weist die Innung oder Kammer den Widerspruch nach Überprüfung zurück, kann der/die Auszubildende binnen einen Monats ab Zugang des Widerspruchbescheides Klage vor dem Verwaltungsgericht Köln



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