Die Krone der Kölner Jungfrau besteht traditionell aus Messing, hat sieben Zinken und ist mit roten und weißen Strasssteinen besetzt.
Goldschmiedehandwerk24 Karat Kreativität
Goldschmiedemeister Ingo Telkmann aus Köln trägt den Karneval im Herzen und fertigt seit einigen Jahren die Krone für die Jungfrau des Dreigestirns. Wir haben den vielseitig Begabten in seinem Atelier getroffen.
Text: Daniela Rissinger
Seit 21 Jahren hat die Kreativität ihren offiziellen Erstwohnsitz in der Landgrafenstraße 36 in Köln-Lindenthal – in Gestalt von Ingo Telkmann. Dem Kölner Dom hat der Goldschmiedemeister innerhalb von drei Jahren einen maßstabsgetreuen Zwilling aus Bronze gebaut. Aus einer Initiative des Vereins "Domsitzung e. V.", entstand ein Tastmodell für Sehbehinderte, das seit September 2024 vor dem Westportal des Kölner Wahrzeichens steht und Ausgangspunkt vieler Domführungen ist.
Zudem hat Telkmann seit 2020 die ehrenvolle Aufgabe, den Kopfschmuck der Jungfrau im Kölner Karneval zu fertigen. Dabei schreibt das Protokoll des Kölner Dreigestirns das Aussehen der sogenannten Mauerkrone genau vor: Sie besteht aus Messing, ist mit einem Anlaufschutz überzogen, hat immer sieben Zinken und ist mit 28 roten und 21 weißen Strasssteinen besetzt. In ihrem Inneren ist sie mit einem roten Samtstoff und einem schnürbaren Inlet aus Rindsleder ausgekleidet. Dieser Arbeitsschritt wird von einem Kostüm- und Uniformhaus in Korschenbroich übernommen. Die einzige Variable ist in jeder Session der unterschiedliche Kopfumfang ihrer Trägerinnen. So lagern im Fundus des Obermeisters der Juwelier-, Gold- und Silberschmiedeinnung Köln unterschiedliche Pappschablonen, die er teilweise von seinem Vorgänger übernommen hat. Bei der amtierenden Jungfrau Aenne konnte er auf die Vorlagen der Sessionen 2010/11 und 2018/19 zurückgreifen. Die Krone wurde von Mitte Juli bis Ende Oktober in seinem Atelier geformt, bearbeitet und anprobiert und bei der Prinzenproklamation am 9. Januar im Gürzenich von "Ihrer Lieblichkeit" erstmals offiziell getragen.
Am wichtigsten ist der Sitz der Krone auf der Perücke, wenn Mutter Colonia in ihrem rot-weißen Ornat ausgelassen tanzend über die Bühnen der Stadt fegt. "In all den Jahren ist die Krone noch nie kaputt gegangen, wenn das aber der Fall wäre, müsste ich auf Abruf bereit stehen, das duldet dann keinen Aufschub", erklärt Telkmann. Beim Kinderdreigestirn ist die Krone in der Größe verstellbar und muss nicht jedes Jahr neu hergestellt werden. Nach Ablauf der Session geht die Krone in den Besitz der jeweiligen Jungfrau über, "ich weiß beispielsweise, dass sie bei Hendrik Ermen (Jungfrau 2025) im Regal steht."
Die Krone zu fertigen "ist eine große Ehre, auf die ich sehr stolz bin. Jedes Jahr habe ich den Anspruch, an der Passform noch ein bisschen mehr zu feilen", berichtet Karnevalist Telkmann, der zwar nicht mit ner Pappnas jeboore wurde, aber über die Jahre in diese Kölsche Tradition hineingewachsen ist: "Der Karneval hat seine feste Rolle im liturgischen Jahreskreis. Vor der Fastenzeit wird nochmal über die Stränge geschlagen, und die Narren nutzen ihr Recht, den Mächtigen auf den Mund zu hauen. Mit Humor kann man Missstände am besten kritisieren. Deshalb haben viele mächtige Personen auch Angst vor Humor. In Zeiten, in denen es eng wird, weil die Weltlage angespannt ist, braucht es den Karneval, der für Gemeinschaft und Zusammenhalt steht."
Telkmann, der auch Präsident und 1. Vorsitzender des Vereins "Fest in Gold e.V." ist, hat 1982 selbst bei dem gleichnamigen Wettbewerb mitgemacht, bei dem der Goldschmiedenachwuchs Karnevalsorden anfertigt, die an Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft und Sport verliehen werden. "Das Fest in Gold ist 1948 unter dem Namen 'Ring der Junggoldschmiede' entstanden, verbunden mit der Idee, in dieser schwierigen Zeit etwas Positives zu machen. Mit den Orden wurden damals die Redner und Musiker bezahlt. Über die Jahre ist der Verein immer weiter gewachsen, im Karnevalsmuseum Köln, in der Kreishandwerkerhaft Köln und bei der Kreissparkasse in Köln sind einige Orden beispielsweise dauerhaft ausgestellt.
Das Niveau und Talent der Teilnehmenden wächst immer weiter. In all den Jahren gab es noch keinen Orden doppelt, und wir haben unbewusst Kultur und Zeitgeschichte geschrieben, denn viele Orden thematisieren das aktuelle Zeitgeschehen in Köln und der Welt. Die Siegerinnen und Sieger wurden für ihr handwerkliches Engagement zeitweise mit Studienfahrten belohnt, aber in Zeiten, in denen die jungen Menschen zunehmend mobiler werden, wurde diese Idee obsolet. Mittlerweile loben wir unterschiedliche Geld- und Sachpreise aus."
Jeder Mensch hat einen Orden verdient
Bei der Festveranstaltung, die traditionell am Freitag vor Weiberfastnacht in der Handwerkskammer zu Köln stattfindet, erhalten alle Gäste einen Bronzeorden. Das Motiv stammt in diesem Jahr von Tausendsassa Telkmann. "Wer von uns Mitgliedern eine Idee hat, wirft diese in die Runde und wir stimmen ab." Insgesamt werden 400 Stück in der Handwerkskammer verteilt. In diesem Jahr verteilen wir einen 'Verdienstorden' an alle, denn jeder Mensch hat einen Orden verdient." Neben seinem Engagement im Kölner Karneval ist Telkmann Schmuckdesigner. "Bei Schmuck, und dabei ist der materielle Wert erstmal egal, geht es immer um die Person, die ihn trägt. Wenn ich Schmuck erbe, möchte ich, dass der Schmuck zu mir passt. Das ist eine große Vertrauensgeschichte, wenn meine Kunden zu mir kommen und ich den Schmuck nach deren Wünschen umarbeite. Das kann keine Künstliche Intelligenz, das geht nur von Mensch zu Mensch. Bei einem Auftrag kam ein junger Mann zu mir, leidenschaftlicher Rennradfahrer. Er hatte den Wunsch, dass seine benutzte Rennradfelge in den Verlobungsring eingearbeitet wird – unter der Zugabe von Gold und Silber. Bei einem anderen Auftrag war es Kundenwunsch, dass ein Bergkristall aus den Alpen Teil des Verlobungsrings wird. Mehrere Telefonate später hat mir ein Mineraloge einen Bergkristall aus den Gasteiger Alpen geschickt. Mit einem Schneidrädchen habe ich eine kleine Spitze des Bergkristalls abnehmen und in den Ring einarbeiten können. Die Verlobte kommt aus den Alpen."
Dinge umzuwidmen und ihnen eine neue Funktion zuzuschreiben, ist die Leidenschaft von Telkmann, der ein eigenes Exponat in der Dauerausstellung des Museums für Angewandte Kunst Köln (MAKK) hat: Ein Collier aus Holz-Wäscheklammern, das den Titel 'Ins Unreine gesprochen – eine ästhetische Umstülpung' trägt.
Von besonderem emotionalen Wert ist für den 63-Jährigen sein Gesellenstück, das er noch immer im eigenen Tresor verwahrt: ein aus organischen Formen bestehender Schlüsselanhänger aus Ebenholz, Granulation und zwei in Gold gefassten Turmalinen im Bart des Schlüssels. Im Schlüsselschaft hat der Rheinländer ein Siegel mit seinen Initialen "IT" eingearbeitet. "Geduld ist in unserem Gewerk unverzichtbar, besonders zu Beginn der Ausbildung. Die ersten drei Monate braucht man einen langen Atem. Wenn man beispielsweise tagelang ein Quadrat in 20x20 Millimeter ausgesägt hat, das irgendwann geschafft hat, und man das Gleiche mit 10x10mm machen soll. Zu Beginn ist es wichtig, vor allem die Grundlagen Sägen, Feilen und Löten zu beherrschen. Gerade am Anfang möchte man ja eigentlich gerne mehr machen."
Er selbst ist mit 18 Jahren über ein Praktikum zum Goldschmiede-Handwerk gekommen. "Mein damaliger Werklehrer hat mein Talent, detailverliebt zu arbeiten, erkannt und mich gefördert." Ab April teilt er seine Leidenschaft fürs Handwerk und sein Werkbrett mit seiner Tochter, die ihr Studium der Kindheitspädagogik mit Kunsttherapie verbinden und mit einer Ausbildung den entsprechenden Grundstein legen möchte. Bei diesem väterlichen Vorbild gilt es als sicher, dass die Kreativität bald einen Zweitwohnsitz anmelden wird.
Deutsches Handwerksblatt
Dieser Artikel stammt aus dem Kammerreport im Deutschen Handwerksblatt (DHB), das einmal im Monat als modernes Magazin erscheint. Es wird von der Verlagsanstalt Handwerk herausgegeben und ist das offizielle Organ der Handwerkskammer, in der auch die jeweilige Regionalausgabe enthalten ist. Das Abonnement ist für Mitgliedsbetriebe kostenfrei.
Jetzt für das ePaper anmelden!
Die Krone der Jungfrau des Kölner Dreigestirns 2026
Goldschmiedemeister Ingo Telkmann hat die Krone der Jungfrau des Kölner Dreigestirns entworfen