Hans Peter Wollseifer
Rudolf Wichert
Hans Peter Wollseifer

Blog von Hans Peter Wollseifer (2)

Der Unternehmer, Kammer- und ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer bloggt seit Kurzem auf der Internetseite der Kölner Kammer über aktuelle Entwicklungen im Handwerk. Besonders viele Reaktionen gab es dabei auf das Dauerbrennerthema Lehrstellen. Grund genug für Wollseifer, auf dieses Thema im neuen Blogeintrag zuerst einzugehen.

Liebe Mitgliedsbetriebe,

herzlichen Dank für die zahlreiche Resonanz auf meinen ersten Blog-Eintrag. Gefreut habe ich mich aber auch über das Lob im erfolgreichen Kampf um den Handwerkerparkausweis. Viele andere Vorschläge nehme ich als Anregung für die Zukunft mit.

Dauerbrenner Lehrstellen

Besonders das Thema Ausbildung traf wohl den Nerv vieler Betriebe. Das ist etwas, was uns noch lange beschäftigen wird und daran ist nicht nur der vielbeschworene demografische Wandel schuld. Es geht um die Ausbildungsfähigkeit der Schulabgänger. Ich bin der Meinung, dass die Ursachen dafür im Elternhaus und in der Schule zu suchen sind. Das Elternhaus können Sie als Betrieb und wir als Kammer nicht ändern. Aber bei der Schulpolitik, da können wir ansetzen. Im Oktober kommt Schulministerin Sylvia Löhrmann zu unserem Politischen Forum. Wir sind sehr gespannt auf ihre Vorschläge ausreichend neue Lehrkräfte einzustellen. Lehrkräfte für die Förderung von Jugendlichen mit elementaren Defiziten. Wir haben unsere Hilfe angeboten. Zusammen mit der FC Stiftung haben wir ein Nachhilfeprojekt ins Leben gerufen. Dort bekommen schwache Schüler eine Chance, dort werden sie fit für die Ausbildung gemacht. Denn eines geht nicht: Unser Ausbildungsniveau wird nicht gesenkt. Handwerk ist und bleibt ein Garant für qualitativ hochwertige Arbeit.

Migranten mit Potenzial

Wir von der Kammer versuchen neue Wege zu gehen um das Lehrstellenproblem zu beheben. Zum Beispiel Potenziale bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu suchen. Gerade hier beobachten wir, dass viele Eltern noch ein antiquiertes Bild des Handwerks aus ihrem Heimatland haben. Zuwandererfamilien kennen aus ihrem Herkunftsland nur eine schulische Ausbildung. Die betriebliche Berufsausbildung ist für sie fremd.

Wir wollen gezielt Familien mit Migrationshintergrund über die vielfältigen Möglichkeiten informieren, die eine Ausbildung im Handwerk bietet. In weiten Teilen ist zum Beispiel noch unbekannt, dass man nach einer Ausbildung und dem Abschluss einer Meisterprüfung auch den allgemeinen Hochschulzugang erwirbt. Also auch ohne Abitur an einer Universität studieren kann.
Die Kölner Handwerkskammer veranstaltet seit einigen Jahren mehrsprachige Ausbildungsbörsen. Nun hat sie außerdem den Beirat "Integration durch Ausbildung im Handwerk" gegründet - zur besseren Vernetzung des Handwerks mit Migrantenorganisationen in der Region. Um Jugendliche ausländischer Herkunft für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen, brauchen wir die Zusammenarbeit mit starken Partnern.

Mein Vorgänger Otto Kenzler sagte: der Meister der Zukunft ist Türke. Ich ergänze: der Meister der Zukunft, ist einer oder eine mit Migrationshintergrund. Jeder 2. Jugendliche in Köln gehört zu dieser wichtigen Zielgruppe. Und warum nicht mehr Frauen ins Handwerk? 21 Prozent der Auszubildenden sind Frauen. Da ist noch viel Luft nach oben. http://www.hwk-koeln.de/32,0,821.html

Mein Aufreger des Monats: Wie Köln den Mittelstand ausbremst.

Der Beschluss des Ratsausschusses „ Allgemeine Verwaltung und Rechtsfragen“ vom 9.12.2013 treibt mir immer noch die Zornesröte ins Gesicht. Darin verzichtet die Stadt bei Vergabeverfahren auf beschränkte Ausschreibungen. Im Klartext: Es gibt nur noch freihändige Vergabe, sowie bundes- und europaweite Ausschreibungen. Die beschränkte Ausschreibung war bisher ein gutes Instrument zur Stärkung der regionalen Wirtschaft. Unsere Handwerkskammer zu Köln sieht die beschränkte Ausschreibung als geeignetes Mittel, das Handwerk der Region zu fördern, ohne dabei den Wettbewerb außer Kraft zu setzen. Damit wird Qualität aus der Heimat nachhaltig gesichert.
Jetzt macht die Stadt Köln also Schluss mit der beschränkten Ausschreibung. Die Aufträge können nun bundesweit vergeben werden - statt an Unternehmen in der Region. Tür und Tor für Billiganbieter werden geöffnet.

Verehrte Stadt Köln, wer zahlt denn in die Haushaltskasse ein, durch ihre Gewerbesteuer? Unsere Betriebe! Wer stellt denn die Ausbildungs- und Arbeitsplätze? Unsere Betriebe! Sollte nicht eine Stadt wie Köln, die größte in NRW, ihre eigene Wirtschaft fördern und stärken? Da lob ich mir doch die Stadt Leverkusen. Dort gibt es die beschränkte Ausschreibung, dort will die Politik lokale Handwerksbetriebe stärken. Das nenne ich mittelstandsfreundliches Wirtschaften.

Wir haben NRW-Wirtschaftsminister Duin über den Vorgang informiert und ihn als Minister für das Handwerk um Unterstützung gebeten. Da das Land NRW die Schwellenwerte bei beschränkten Ausschreibungen auf 1 Million EUR erhöht hat, erwarten wir von der Stadt Köln zumindest ein Entgegenkommen: bis einem Auftragswert von 500.000 EUR muss die beschränkte Ausschreibung bestehen bleiben. Für unser Handwerk, für unsere Stadt!

Dank an vorbildliche Ausbildungsbetriebe

Was einzelne Unternehmen aus eigener Initiative tun können, um Nachwuchs zu gewinnen, zeigen die diesjährigen Preisträger des Wettbewerbs um den Top-Ausbildungsbetrieb. Zusammen mit NRW Arbeitsminister Schneider ehrten wir drei Spitzenausbildungsbetriebe. Mit ihrem Engagement nehmen sie nicht nur unternehmerische, sondern auch wichtige gesellschaftliche Verantwortung wahr. Sie sind Vorbilder in Sachen Ausbildung. Dafür danke ich sehr. http://www.hwk-koeln.de/32,0,830.html

Und nun sind Sie wieder dran. Ich bin gespannt auf Ihre Anregungen im Handwerk, was läuft gut, was schlecht, was könnte besser sein?  wollseifer-blog@hwk-koeln.de

Herzliche Grüße
Ihr Hans Peter Wollseifer