Hans Peter Wollseifer
Rudolf Wichert

Blog von Hans Peter Wollseifer (31)

Lesen Sie den aktuellen Wollseifer-Blog: hier erfahren Sie, welche Themen in der Politik vorbereitet und mit uns als einer der vier wichtigsten Wirtschaftsverbände diskutiert werden.

Liebe Mitgliedsbetriebe,

Sie haben es vielleicht der Presse entnehmen können: Wir schlagen bei der nächsten Vollversammlung  Garrelt Duin als neuen Hauptgeschäftsführer für die Handwerkskammer zu Köln vor. Genau, den Namen haben Sie schon mal gehört. Duin war Wirtschaftsminister in NRW bis 2017.

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Mehrstufiger transparenter Auswahlprozess

Insgesamt haben wir rund 100 Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet auf die Stellenausschreibung  erhalten. Nach einem mehrstufigen und transparenten Verfahren unter Beteiligung aller zuständigen Gremien standen am Ende drei hochqualifizierte Kandidaten in der engeren Auswahl.  Es war ein Kopf an Kopf Rennen bei dem Duin unserer Meinung nach am besten abschnitt.  Und glauben Sie mir, gerade bei ihm haben wir doppelt genau hingeschaut. Kann ein Ex-Minister auch die viertgrößte Handwerkskammer Deutschlands führen? Er kann! Duin verfügt über hohe Sachkenntnis, was Verwaltungs- und betriebswirtschaftliche Abläufe angeht. Zudem bin ich sicher, er wird die Mitarbeiter unserer Kammer mitnehmen und das Handwerk nach außen gut vertreten,  indem er unseren Betrieben Stimme und Gesicht gibt. Das ist ihm bereits  als erster und bislang einziger Handwerksminister Deutschlands gelungen. In dieser Funktion verfolgte er stets eine mittelstandsorientierte Wirtschaftspolitik, und das war in der rot-grünen Koalition nicht immer ein leichter Weg. Sein Parteibuch spielt für uns jetzt keine Rolle. Im Handwerk geht uns allein um Handwerkspolitik. Wir arbeiten auf politischer Ebene mit jeder demokratischen Partei zusammen oder wir kritisieren alles und alle, wenn nötig.



Unmut über zu viel Bürokratie wächst

Ständig müssen unsere Betriebe neue Gesetze und Vorschriften umsetzen, sei es beim Abfallrecht, im Arbeitsrecht, bei der Vergabe öffentlicher Aufträge oder beim Datenschutz. Wenn zehn oder mehr Mitarbeiter im Betrieb mit einem Tablet oder Smartphone digital Daten verarbeiten, müssen deutsche Betriebe einen Datenschutzbeauftragten haben. Das ist einzigartig in Europa! Ich warne bereits jetzt vor dem europäischen Urteil zur Arbeitszeiterfassung mit noch mehr Dokumentationspflichten. Da bringt auch die von Bundeswirtschaftsminister Altmaier vorgeschlagene Verkürzung der Mindestlohn- Aufzeichnungspflicht von zehn auf acht Jahre wenig Entlastung. Das ist doch ein Witz, was die Bundesregierung uns da als großen Plan zum Bürokratieabbau präsentiert. Wenn Erleichterungen, dann richtig. Die Aufbewahrungsfristen müssen halbiert werden. Wie wollen wir angesichts dieser Bürokratiemonster junge Menschen ermutigen, in die Selbstständigkeit zu gehen? Wer heutzutage ein Unternehmen gründen will, muss Formulare mit bis zu 600 Detailfragen beantworten. Ich bin der Meinung, wir übertreiben es an vielen Stellen mit den Vorschriften und der Gängelei. Dafür müssen wir bei der Politik weiter Überzeugungsarbeit leisten. Deshalb haben wir auch jetzt mit dem Bundeswirtschaftsministerium, DIHK und anderen Wirtschaftsvertretern eine Gründungsoffensive gestartet.



Ab 2020 Mindestausbildungsvergütung für Auszubildende

Auch das Bundesbildungsministerium ist in Sachen Berufsausbildung aktiv geworden und möchte das Berufsbildungsgesetz novellieren. So wird es jetzt unter anderem erstmals eine Mindestausbildungsvergütung geben. Sie liegt bei 515 Euro im 1. Lehrjahr ab 2020. Bis 2023 soll sie auf 620 Euro steigen.  Das ist aber wieder so eine Verpflichtung, die wir nicht brauchen. Die Festlegung von Ausbildungsvergütungen sollte den Tarifpartnern überlassen werden. In vielen Bereichen liegen die tariflichen Ausbildungsvergütungen bereits jetzt wesentlich höher. Aber Gewerke und Regionen lassen sich nicht alle über einen Kamm scheren. Ich sehe einfach die Gefahr, dass manche Betriebe nicht mehr ausbilden können. Auf der Strecke bleiben dann die weniger leistungsstarken Jugendlichen, die am Ende ohne Lehrstelle dastehen. Mit der Novelle des Berufsbildungsgesetzes sollte eigentlich die berufliche Bildung gestärkt werden. Aber gut gemeint ist manchmal eben nicht gut gemacht.



Niveaulose Werbung

Schlecht gemacht ist jedenfalls der Slogan mit dem die  Bundeswehr nach Fachkräften sucht:  „Gas, Wasser, Schießen Diese Bundeswehrkampagne empfinde ich als Geringschätzung gegenüber dem Handwerk. Der Werbespruch ist in meinen Augen - mit Verlaub - niveaulos. Dass gerade die Bundeswehr, die schon genügend Fachkräfte aus dem Handwerk bekommt, uns jetzt mit einer derart offensiven Abwerbekampagne das Leben schwer machen will, ist der Gipfel. Wir sind auf unsere Azubis selbst angewiesen, sonst können wir unsere Kunden nicht versorgen. Ich habe Noch-Verteidigungsministerin von der Leyen dazu einen Brief geschrieben, denn derart aggressive Abwerbekampagnen oder Headhunter, die bereits auf Schulhöfen auf unsere Azubis zugehen, können wir nicht akzeptieren.



Mehr Wertschätzung und Anerkennung für Ausbildungsbetriebe

Wir brauchen gerade von der Politik viel mehr Anerkennung für die ausbildenden Betriebe. Diese engagieren sich mit hohem zeitlichen Aufwand für junge Menschen, übernehmen eine hohe soziale und gesellschaftspolitische Verantwortung. Das wird nach meinem Eindruck von Vielen für selbstverständlich genommen. Ist es aber nicht. Tatsche ist, dass 28 Prozent aller Lehrlinge bei uns im Handwerk ausgebildet werden und das über den eigenen Bedarf hinaus. Das lassen sich die Betriebe im Durchschnitt rund 5.500 Euro je Ausbildungsplatz im Jahr kosten. Wenn dann aber die Auszubildenden sogar über Headhunter abgeworben werden, dann sollten wir schon darüber nachdenken, wie die Betriebe unterstützt werden könnten. Wie wäre es mit einer finanziellen Wertschätzung, indem ausbildende Betriebe entlastet werden?



Weg mit den Sozialabgaben für Azubis

Mein Vorschlag: Betriebe von Sozialabgaben befreien – und die Lehrlinge damit auch. Solche Entlastungen wären eine konkrete Anerkennung der Ausbildungsleistung, sie könnten eine wertschätzende Signalwirkung haben. Derzeit ist es so, dass Studenten bis zum 25. Lebensjahr in der gesetzlichen Krankenversicherung über ihre Eltern mitversichert sind, genauso in der Pflegeversicherung.  Bei Azubis ist das anders. Ein Beispiel aus meinem Betrieb: Einer meiner Lehrlinge verdient im zweiten Lehrjahr 685 Euro brutto. Davon gehen ab: Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Pflegeversicherung. 546 Euro bleiben ihm dann netto. Wir müssen die jungen Leute von Sozialabgaben entlasten. Konkret schlagen wir vor, Azubis bei der Kranken-, Pflege- und Unfallversicherung wie Studierende zu behandeln.  Im Ergebnis hätte der Azubi dann mehr Geld in der Tasche, der ausbildende Betrieb würde entlastet, und der Staat würde zeigen, was ihm die berufliche Ausbildung wert ist. Wenn der Staat ein solches Signal senden würde, könnte das dem Handwerk nachhaltig nützen und Ausbildung sicher auch attraktiver machen.



Ihre Meinung zu diesen Themen interessiert mich sehr.  Schreiben Sie mir gerne unter
wollseifer-blog@hwk-koeln.de

Warum der Meister auch weiter Meister bleibt, sowie den Stand zur steuerlichen Abschreibung bei der energetischen Gebäudesanierung erläutere ich in meinem nächsten Blog, der nach den Sommerferien erscheint.

Ihnen wünsche ich nun einen schönen Urlaub und kommen Sie gesund und gut erholt zurück.

Herzlichst
Ihr Hans Peter Wollseifer