Hans Peter Wollseifer
Rudolf Wichert
Hans Peter Wollseifer

Blog von Hans Peter Wollseifer (6)

Auch 2015 schreibe ich in meinem Blog über die Themen, die mich persönlich am stärksten beschäftigen: Angefangen vom Fachkräfte-Mangel, über die Ausbildungs-Misere bis hin zum Mindestlohn-Monster. Es gibt aber auch gute Nachrichten und Initiativen, über die ich mich sehr freue: z.B: Neue Fachkräfte und Auszubildende durch Zuwanderer. Und Erfolg: warum jetzt hoffentlich Schluss ist mit dem Stau auf der Leverkusener Brücke.

Liebe Mitgliedsbetriebe,

in der Rückschau war 2014 ein gutes Jahr fürs Handwerk. Zufriedenstellende Auftragslage, 2 Prozent mehr Umsatz. Viele könnten und wollen auch 2015 mehr machen -- wenn, ja wenn wirtschaftliches Wachstum nicht immer auf politische Hindernisse stoßen würde.

Fachkräfte-Mangel und Ausbildungs-Misere

Da ist zum einen die mittlerweile verschärfte Situation des Fachkräftemangels. Die älteren verabschieden sich mit 63 in die Rente, beim Nachwuchs mangelt es leider immer öfter an der Ausbildungsreife. 20.000 Stellen konnten im letzten Jahr nicht besetzt werden. 2015 wird die Situation nicht anders sein. Tendenz sogar steigend. Warum? Eine Erfahrung vieler Unternehmer zeigt, dass Jugendliche häufig den Anforderungen in der Ausbildung nicht gewachsen sind. Vor allem kleinere Firmen verzichten dann lieber auf Lehrlinge. Diese Sorge der Betriebe kennen wir aus vielen Gesprächen. Deshalb haben wir die Initiative betriebliche Ausbildung hat Vorfahrt mit ins Leben gerufen – dazu gehört zum Beispiel eine geförderte Nachhilfe zu den Inhalten der Berufsschule. Meiner Meinung nach müssen wir genau an diesem bildungspolitischen Punkt arbeiten. Dafür sorgen, dass alle jungen Menschen die gleichen Startchancen haben. Damit sie eine Ausbildung und später einen gut bezahlten Job finden. Und es geht in erster Linie nicht darum, die Lohnhöhe durch die Politik vor- oder festzuschreiben. Tarifpolitik ist Sache der Tarifpartner.

Mindestlohn: Bürokratie-Monster statt Bürokratie-Abbau

Im Handwerk werden bereits Tariflöhne gezahlt, die weitaus höher sind als der neue gesetzliche Mindestlohn von 8,50 EUR. Aber spätestens jetzt machen sich Frust und Ärger breit. Der gesetzliche Mindestlohn entpuppt sich als Bürokratie-Monster! Seinetwegen herrscht eine große Rechtsunsicherheit in den Betrieben. Dazu kommen absurde Melde- und Aufzeichnungsmodalitäten, die Arbeitgeber vor einen erheblichen bürokratischen Aufwand stellen. So sind alle Betriebe verpflichtet, die Arbeitszeiten der Mitarbeiter aufzuzeichnen, auch von denen, die als Praktikanten oder Minijobber tätig sind. Arbeitgeber müssen nun bis zu einem Monatseinkommen von 2958 Euro den Beginn, die Dauer und das Ende der Arbeitszeit dokumentieren und für zwei Jahre nachweisen. Bei dieser Grenze geht die Politik davon aus, dass jemand mehr als 348 Stunden im Monat zu je 8,50 Euro arbeitet – was zum Beispiel 29 Tage zu je zwölf Stunden wären. Eine aberwitzige Grenze!
Aber es geht noch weiter: Diese Aufzeichnung muss spätestens nach sieben Tagen erfolgen. Dabei müssen auch die gesetzlich feststehenden Ruhepausen von mindestens 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von 6, und von 45 Minuten bei 9 Stunden Tätigkeit minutiös dokumentiert und namentlich abgezeichnet werden. Verstehen Sie, warum ich von einem Monster spreche? Ich habe große Zweifel, wie das neue Gesetz funktionieren soll.
Da muss schnell eine Änderung her: Wir fordern einen Abbau der Bürokratie. Erstens durch eine Befreiung von Dokumentationspflichten ab einem Bruttomonatsentgelt von 2200 Euro. Zweitens: die Aufzeichnungspflicht für diese Gruppe lediglich auf die Dauer der Arbeitszeit zu beschränken. Alles andere ist teures Gift für die Betriebe. Es darf nicht so weit kommen, dass sich der Handwerksmeister mehr um die Arbeitszeiterfassung kümmern muss, als um die Akquise und Durchführung von Aufträgen.

Mit Zuwanderung gegen Fachkräftemangel. Ja -- aber!

Weil sie Ausbildungsplätze nicht besetzen können, würden viele Handwerksbetriebe auch junge Flüchtlinge als Lehrlinge einstellen. Ich finde, das wäre ein wichtiger Beitrag zur Willkommenskultur für Zuwanderer. Ein großartiges Engagement des Handwerks, weil es gelebte Integration ist. Und tatsächlich: Unter den Flüchtlingen gibt es sehr viele mit guter Schulbildung, zum Beispiel aus dem Irak und Syrien. Ebenso viele mit praktischem Geschick. Hier liegt meines Erachtens wertvolles ungenutztes Potential. Aber, wenn wir einen jungen Flüchtling ausbilden, muss auch gesichert sein, dass er über die gesamte Lehrzeit bleiben darf. Das leuchtet wohl jedem ein. Hier ist jetzt die Politik gefordert. Unsere Betriebe brauchen die nötigen Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Ein erster Schritt: Die jungen Leute müssen rasch Deutschkurse besuchen. Nur so können sie in Betrieben und Berufsschule mithalten. Unser Vorschlag stieß auf großes Lob in der Politik und breite Akzeptanz in der Gesellschaft: Handwerker. Die tun was!

Wenn Sie als Handwerksbetrieb auch Interesse haben, einen Kriegsflüchtling auszubilden, dann melden Sie sich doch einfach. Unsere Kölner Kammer hat bereits gute Erfahrungen mit irischen und spanischen Auszubildenden gemacht. Wir werden deshalb bald ein neues Projekt speziell für Flüchtlinge im Kammerbezirk Köln vorstellen. So -- unsere Karten sind auf dem Tisch, nun müssen auch andere entscheidende Akteure mitspielen.

Entspannung auf der Leverkusener Brücke

Die Verkehrssituation rund um Köln war ein großes Ärgernis in 2014. Ständig standen die Fahrzeuge unserer Betriebe im Stau, ständig mahnten wir als Kammer den dadurch entstandenen wirtschaftlichen Schaden für diese Region an. Nun endlich einer erster Lichtblick: Zusammen mit anderen konnte die Handwerkskammer Köln in der letzten Verkehrskonferenz erreichen, dass der Verkehr an einem Knotenpunkt wieder besser fließen kann: Auf der Leverkusener Rheinbrücke wird im Januar in beiden Fahrtrichtungen ein weiterer Fahrstreifen für Pkw und Lieferfahrzeuge bis 3,5 Tonnen freigegeben. Zusätzlich wird das Auffahren auf die A1 aus dem Raum Niehl und von der A59 aus wesentlich erleichtert. Das ist doch mal eine gute Nachricht, mit der wir ins neue Jahr starten, oder?

Wie sehen Sie die Aussichten für 2015? Dazu würde mich Ihre Meinung interessieren? Schreiben Sie mir unter  wollseifer-blog@hwk-koeln.de

Freue mich von Ihnen zu lesen.

Herzlichst Ihr
Hans Peter Wollseifer