Fachkräfte-Initiative der Handwerkskammer

Fachkräfte-Initiative der Handwerkskammer: Unternehmen müssen sich auf den demografischen Wandel vorbereiten

Seminare im Fortbildungszentrum der Handwerkskammer vermitteln Anregungen, wie Chefs gute Mitarbeiter an den Betrieb binden und neue gewinnen können

„Wir bauen unsere Beratungs- und Qualifizierungsangebote aus, die den Handwerksbetrieb dafür fit machen, sich als attraktiver Arbeitgeber aufzustellen. Betriebsinhaber, die Initiativen in der Personalführung ergreifen, haben beim Wettbewerb um knappe Fachkräfte einen Startvorteil“, betont Peter Panzer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Denn in immer mehr Handwerkszweigen wird sich der Fachkräftemangel verschärfen. Der für die meisten Handwerksberufe klassische Weg, Nachwuchs zu rekrutieren, ist die Ausbildung im eigenen Betrieb. Doch die Zahl der Auszubildenden geht zurück, in den Handwerksunternehmen der Region Köln-Bonn sank die Zahl der Lehrlinge von 15.036 im Jahr 2010 auf 12.278 im Jahr 2015. „Nach unserer Schätzung gibt es derzeit 730 freie Ausbildungsplätze in den Mitgliedsbetrieben der Handwerkskammer“, so Panzer.

Nicht nur das Handwerk, sondern die Wirtschaft insgesamt ist von den Auswirkungen der demografischen Entwicklung betroffen. Nach Berechnungen des Prognos-Instituts wird sich in Nordrhein-Westfalen die Fachkräftelücke innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppeln, von 187 Tausend im Jahr 2015 auf 446 Tausend Personen im Jahr 2025. Außerdem werden die Belegschaften Jahr für Jahr altern. Daher müssen sich die Unternehmen darauf vorbereiten, die steigende Zahl älterer Mitarbeiter richtig einzusetzen. Altersgerechte Arbeitsgestaltung und Tipps, wie sich die Leistungsfähigkeit älterer Mitarbeiter erhalten und Fehlzeiten vorbeugen lassen, stehen im Mittelpunkt des von der Handwerkskammer erstmals im Oktober angebotenen Kompaktseminars zur Personalführung im demografischen Wandel. „In acht Unterrichtsstunden wird aufgezeigt, wie das Unternehmen das Potential seiner älteren Mitarbeiter nutzen und Fachkräfte an den Betrieb binden kann“, erläutert Michael Brücken, Koordinator der neuen Fachkräfte-Initiative der Handwerkskammer.

Entsprechend dem demografischen Trend gewinnt Gesundheitsförderung an Bedeutung. In Zusammenarbeit mit der IKK classic findet im Herbst im Fortbildungszentrum der Handwerkskammer die Schulung „Den Rücken stärken“ statt. Besonders hektisch geht es auf Baustellen zu, daher bietet die Handwerkskammer ein Seminar zum Stressmanagement für Baustellenführungskräfte an. Bereits jetzt ist fast ein Drittel der Mitarbeiter in Baubetrieben älter als 50 Jahre; Fachkräfte mit sehr viel Berufserfahrung können auch mit steigendem Alter dem Unternehmen erhalten bleiben, wenn sie disponierende Aufgaben wie Baustellenleitung übernehmen.

„Gutes Personal ist der Schlüssel des Erfolges“, diesen Titel hat die Handwerkskammer für ihre neue Broschüre gewählt, die auf 24 Seiten die Beratungs- und Qualifizierungsangebote vorstellt, die den Unternehmer in allen Fragen der Personalführung und Personalgewinnung unterstützen wollen. So findet im Oktober und November im Fortbildungszentrum der Kammer eine Reihe von Tages- und Halbtagesseminaren statt, zu den Themen „Motivation und Mitarbeiterbindung“, zum Führen von Vorstellungsgesprächen, zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter.

„Wie finde ich neue Mitarbeiter?“, dieses Tagesseminar am 31. Oktober richtet sich vor allem an Handwerksbetriebe aus den Branchen, die bereits jetzt den Fachkräftemangel zu spüren bekommen. In der „Fachkräfteengpassanalyse“, die die Bundesagentur für Arbeit vor wenigen Wochen vorgelegt hat, haben die Arbeitsmarktexperten die durchschnittlichen Vakanzzeiten für einige Industrie-, Handwerks- und Dienstleistungsberufe ermittelt. Je länger eine Stelle unbesetzt bleibt, um so stärker ist ein Wirtschaftszweig vom Mangel an qualifizierten Bewerbern betroffen. Die längste Vakanz von immerhin 190 Tagen muss die Hörgeräteakustik-Branche hinnehmen. In der Elektrotechnik bleiben gemeldete Stellen im Durchschnitt 122 Tage vakant, im Sanitär- und Heizungsbauerhandwerk sind es 142 Tage.

Das deckt sich mit den Erfahrungen bei der Handwerkskammer zu Köln, die den Absolventen ihrer Meisterschulen Hilfestellung bei der Vermittlung in ein Beschäftigungsverhältnis anbieten möchte. „Doch dafür gibt es derzeit keinen Bedarf“, teilt Brücken mit. Denn zum Beispiel in den Meisterschulen zu gebäudetechnischen Berufen (Elektrotechnik, Sanitär-Heizung-Klima usw.) hat jeder bereits vor der Entgegennahme seines Meisterbriefs seine Einmündung in Beschäftigung, sei es als angestellte Fachkraft oder als Führungskraft im elterlichen Unternehmen oder als Existenzgründer, bewerkstelligt.

Klein- und Mittelbetriebe können sich keine eigene Personalabteilung leisten. Sie sind daher auf Know-how von außen angewiesen. „In einer unserer Veranstaltungen werden wir dem Unternehmer aufzeigen, wie er zum Beispiel durch Leistungsanreize und flexible Arbeitszeiten geeignete Personalmaßnahmen einführen kann“, teilt Panzer mit. Zudem werde man die Führungskräfte dazu schulen, für den eigenen Betrieb die Altersstruktur der Belegschaft zu analysieren und die notwendigen Schritte für Personalmarketing einzuleiten. Ansonsten sei zu befürchten, dass sich der Fachkräftemangel als Wachstumsbremse für einen Teil der mittelständischen Wirtschaft erweisen werde.

Für den Besuch der Seminare der Handwerkskammer wird eine Teilnahmegebühr erhoben. Hingegen sind die Beratungsleistungen der Unternehmensberater der Handwerkskammer für Mitgliedsbetriebe und Existenzgründer kostenfrei.

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