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Arne Schröder, Handwerkskammer zu Köln

Fest in Gold: Ehrung für stille Helden

Zu helfen ist selbstverständlich, finden viele Menschen. Danke sagen aber auch, findet das Handwerk. Für ihren unermüdlichen Einsatz während der Corona-Pandemie sowie nach der Flut- und Hochwasserkatastrophe im vergangenen Jahr erhalten jetzt zwei besonders hilfsbereite Menschen - stellvertretend für viele andere helfende Hände - echte "Orden" des Handwerks: Einzigartige Unikatorden, die der Goldschmiedenachwuchs im traditionellen Karnevalswettbewerb "Fest in Gold 2022" angefertigt hat. Unikatorden erhielten im Beisein von Kreishandwerksmeister Nicolai Lucks und Ingo Telkmann, Präsident Fest in Gold e.V., auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker und das Kölner Dreigestirn.

"Wie oft haben wir angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie oder den Folgen der Hochwasserkatastrophe im vergangenen Juli schon gedacht, dieser spezielle Mensch hätte eigentlich einen Orden verdient? Dabei sind es meistens die stillen Helferinnen und Helfer im Hintergrund, die Herausragendes leisten. Deshalb nutzen wir die Gelegenheit, um - stellvertretend für die vielen Heldinnen und Helden der vergangenen Monate - zwei von ihnen mit Unikatorden unseres Gold- und Silberschmiedenachwuchses auszuzeichnen, die im Rahmen des diesjährigen traditionellen Handwerkswettbewerbs `Fest in Gold´ entstanden sind", sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident der Handwerkskammer zu Köln.

Einer von ihnen ist Elektromeister Christian Stopp, der sich eigentlich bei der Kreishandwerkerschaft Bonn/Rhein-Sieg als Ausbildungsmeister im HBZ Siegburg um den beruflichen Nachwuchs in seinem Metier kümmert. Regelmäßig zieht es ihn seit Juli 2021 ins Ahrtal, um dort ehrenamtlich mit anzupacken und die Schäden von Flut und Hochwasser zu beseitigen: Zuerst ging es ihm persönlich um seinen betroffenen Cousin, schließlich half er aber auch der betagten Nachbarin. Mehr und mehr Hilfesuchende kamen hinzu, denn schnell wurde deutlich, dass seine handwerklichen Fähigkeiten als Elektromeister vor Ort dringend benötigt werden.

Christian Stopp: "Ohne Strom läuft nichts. Ich wollte einfach nur helfen und dabei eigentlich gar nicht im Vordergrund stehen. Man muss das ganze Ausmaß vor Ort gesehen haben, um es zu verstehen. Ich freu mich sehr über diese Ehrung, hab mich aber natürlich auch gefragt: Warum ich? Es gibt so viele ehrenamtliche Helfer, die es genauso verdient hätten. Für die nehme ich diese Ehrung gerne stellvertretend an - das ist für alle!"

Stopp sorgte vor Ort für viel Bewegung bei den Hilfsmaßnahmen: Denn bei der Kreishandwerkerschaft, die ihn für sein Engagement teilweise freistellte und Kollegen sogar Urlaubstage gespendet haben, damit er über seinen Urlaub hinaus helfen konnte, ist er für die überbetriebliche Ausbildung von Auszubildenden und Gesellen zuständig. Schnell war die WhatsApp-Gruppe „Elektrikahr“ gegründet, mit der deren Einsätze als freiwillige Helfer koordiniert wurden. Die enge Vernetzung mit der Elektroseelsorge Walportzheim und der Ahrche e.V. sorgte dafür, dass Betroffenen, die zum Beispiel keinen Stromanschluss mehr hatten, schnell geholfen werden konnte. Selbst über Facebook wandten sich Freiwillige und Hilfesuchende direkt an Stopp, der jetzt für sein Engagement mit einem Unikatorden "Kölsches Räumkommando" geehrt wurde, den Theresa Metzen, Manon Weiden und Iuliia Kachulina vom Kölner Ausbildungsbetrieb Die Schmuckschneiderin im Rahmen des Wettbewerbs "Fest in Gold" angefertigt hatten.

"Dat Schmuckstöck" für Intensivpflegekraft Annette Segtrop

Einen weiteren Unikatorden erhält Annette Segtrop, Intensivpflegekraft am Universitätsklinikum Köln. Seit über 40 Jahren arbeitet sie bereits in der Pflege. In den zurückliegenden vier Jahren als Intensivpflegekraft auf der Herzchirurgischen Intensivstation 1.2 im Herzzentrum der Uniklinik Köln. Hier werden seit Beginn der Pandemie diejenigen Patientinnen und Patienten versorgt, die neben der infektiologischen Betreuung auf eine Therapie mit einer künstlichen Lunge angewiesen sind, da das eigene Organ den Gasaustausch nicht mehr gewährleisten kann (sogenannte ECMO-Therapie). Mit ihrem unermüdlichen Einsatz hat sie vielen erkrankten Menschen in dieser außergewöhnlich belastenden Situation maßgeblich geholfen.

Annette Segtrop: "Ich bedanke mich stellvertretend für alle Kollegeninnen und Kollegen aus der Pflege, für die Verleihung des Unikatordens durch die Handwerkskammer Köln. Diesen Dank möchte ich mit der Forderung verbinden, die Arbeitsbedingungen in der Pflege, sowohl finanziell als auch personell spürbar zu verbessern. Nur so kann meiner Meinung nach sichergestellt werden, dass auch in der Zukunft gerade junge Menschen einen Arbeitsplatz in der Pflege anstreben."

Annette Segtrop verfügt über einen großen beruflichen Erfahrungsschatz: Die Berufsausbildung zur Krankenschwester hat sie 1985 absolviert. Im Kölner Raum hat sie in Häusern von konfessionellen Trägern, in privaten Krankenhäusern und in Kliniken öffentlicher Trägerschaft gearbeitet. Im Rahmen ihrer beruflichen Laufbahn hat sie die Ausbildung zur Praxisanleiterin und die Weiterbildung zur Fachpflegekraft für Intensivpflege und Anästhesie absolviert. Für ihren pflegerischen Einsatz während der anhaltenden Pandemie wird Annette Segtrop mit dem Unikatorden "Dat Schmuckstöck" geehrt, den die Goldschmiedegesellin Stefanie Schuderla im Rahmen des diesjährigen Ordenswettbewerbs angefertigt hatte.

Wettbewerb "Fest in Gold"

Der Ordenswettbewerb des "Fest in Gold e.V." ruft jedes Jahr den Gold- und Silberschmiedenachwuchs dazu auf, Unikatorden zu einem karnevalistischen Thema zu fertigen und damit das eigene Können unter Beweis zu stellen. Traditionellerweise wurden die dabei entstandenen Einzelstücke bislang im Rahmen eines Empfangs an bekannte Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderer Weise um das Handwerk verdient gemacht haben. In diesem Jahr wird diese Ehrung stattdessen zwei Menschen zuteil, die mit ihrem persönlichen Einsatz hinter den Kulissen einen großen Dienst für die Gesellschaft geleistet haben. Mit dieser Geste möchte das Handwerk stellvertretend den vielen Menschen danken, die sich selbstlos für andere einsetzen und dazu inspirieren, es ihnen gleichzutun. Weitere Unikatorden erhalten die Oberbürgermeisterin Henriette Reker für ihr engagiertes Auftreten im Zuge der Pandemiebewältigung sowie das Kölner Dreigestirn, das für Frohsinn und Ablenkung in herausfordernden Zeiten sorgt.



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