Zimmerer-Azubi stapelt Baumaterial im Lager
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Zimmerer-Azubi stapelt Baumaterial im Lager

Gestiegene Materialpreise im Bau und Ausbau sind ein "dickes Brett"

Holz, Metall, Baustoffe: Das Bauhandwerk leidet im Zuge der Coronakrise unter hohen Preissteigerungen bei Materialien und Rohstoffen. Grund sind Lieferketten-Unterbrechungen und Produktionsausfälle. Auch AusbildungsCampus der Handwerkskammer zu Köln betroffen.

Die Handwerkskammer zu Köln erhält seit mehreren Wochen fast täglich Hilferufe ihrer Mitgliedsbetriebe - vorwiegend aus den Bau- und Ausbaugewerken. Die Betriebe wenden sich hilfesuchend an die Kammer, da derzeit sämtliche Rohstoffe extrem schwer beschafft werden können und Preise für Vorprodukte wie Holz, Metalle, Dämmwolle, Farben und Silikone exorbitant ansteigen: "Damit werden nun tragischerweise indirekt diejenigen Handwerksbereiche von der Coronakrise heruntergezogen, die bislang einen Stabilitätsanker in dieser wirtschaftlich schwierigen Phase dargestellt haben", sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident der Handwerkskammer zu Köln.

Wollseifer steht dazu im engen Austausch mit Fachverbänden, örtlichen Kreishandwerkerschaften, Innungen und führt Gespräche mit Handwerksbetrieben. Er hält dahingehend fest: "Die Lage ist extrem angespannt. Viele Handwerkerinnen und Handwerker können nur noch tagesaktuelle Angebote kalkulieren. Das ist für ein Unternehmen nicht nur mit zeitaufwendiger Recherche, sondern gesamtwirtschaftlich gesehen mit einem hohen Risiko verbunden, das viele Handwerksbetriebe in der momentanen Situation nur schwer stemmen können."

Ursache für den Materialengpass bei Baustoffen ist offenbar eine hohe Nachfrage aus China und in den USA, so Wollseifer: "Die produzierende Industrie schafft es derzeit nicht, die entsprechende Nachfrage zu bedienen. Die erste pandemiebedingte Lockdown-Phase des vergangenen Jahres hängt allen nach! Wir müssen alle aufeinander Rücksicht nehmen!"

Wollseifer appelliert damit vor allem an Produzenten und Großhändler, die derzeitige Lage nicht für einen generellen Preisanstieg in ihren Sortimenten auszunutzen und bittet Kundinnen und Kunden um Verständnis: "Viele Handwerkerinnen und Handwerker kommen derzeit in Leistungsverträgen nicht um eine Preisgleitklausel herum. Dieses unternehmerische Handeln ist eine Notlösung und wird von unseren Mitgliedsbetrieben nicht ausgenutzt. Im Gegenteil: Die gestiegenen Materialpreise sind ein dickes Brett, an dem unsere Bau- und Ausbaugewerke lange bohren müssen."

Auch der eigene AusbildungsCampus der Handwerkskammer zu Köln verzeichnet spürbare Materialengpässe: Verglichen mit der Preissituation im Herbst 2020 sind im Bereich Holz Preissteigerungen um bis zu 50 Prozent, bei Metall Preisaufschläge von mehr als 200 Prozent zu verzeichnen - Tendenz steigend. Die Kosten für die Beschaffung von Steinen und Baustoffen sind ebenfalls spürbar gestiegen. Soweit machbar, werden Steine aus Kostengründen in der Aus- und Fortbildung mehrfach verwendet - in der aktuellen Situation noch häufiger als ohnehin üblich. Da die Lieferanten der Handwerkskammer signalisiert haben, dass sie ihre Preise nur noch für maximal zwei Tage stabil halten könnten, mussten Bestellungen notgedrungen vorgezogen werden, um die Aus- und Fortbildung in diesen Handwerksberufen zu sichern. Unsere Lieferanten schätzen den Markt aktuell so ein, dass im Sommer die Nachfrage nach Holz und Metall nicht mehr bedient werden kann.

Betriebe, die von hohen Preisschwankungen oder einem Materialengpass betroffen sind und Hilfe bei der Vertragsgestaltung benötigen, können sich jederzeit an die Betriebsberatung der Handwerkammer zu Köln wenden: Telefon 0221 2022-346, E-Mail  betriebsberatung@hwk-koeln.de. Innungen und Kreishandwerkerschaften bieten darüber hinaus Online-Seminare zur Thematik an.