Thomas Radermacher, Präsident Handwerkskammer zu Köln (rechts), und Sebastian Beuchel, Abteilungsleiter Standortpolitik, Europa- und Landespolitik, stellen die Konjunkturumfrage der Handwerkskammer zu Köln vor.
KonjunkturumfrageHandwerk im Kammerbezirk Köln behauptet sich in schwierigem Marktumfeld – hohe Kosten und Infrastruktur bremsen das Wachstum
Laut Konjunkturumfrage der Handwerkskammer zu Köln sind Nachfrage und Umsätze bei den Betrieben weiterhin rückläufig – jedoch weniger stark als im Vorjahr. Die Betriebsnachfolge wird zur zentralen Herausforderung im Handwerk.
Rund 1.000 Betriebe haben sich vom 14. bis 30. September 2026 an der Herbst-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer (HWK) zu Köln beteiligt. HWK-Präsident Thomas Radermacher stellte den Konjunkturbericht sowie die Sonderumfrage zum Thema „Betriebsnachfolge im Handwerk“ am Dienstag, 27. Oktober 2026, vor. Die Bewertung der aktuellen Geschäftslage fällt überwiegend befriedigend aus. In der aktuellen Umfrage bewerten 35 Prozent der befragten Betriebe ihre Geschäftslage als gut, 46 Prozent als befriedigend und 19 Prozent als schlecht. Im Vorjahresvergleich hat sich die Lage damit etwas verschlechtert. Der Geschäftsklimaindex, der die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen zusammenfasst, liegt mit 104 Punkten drei Punkte unter dem Vorjahreswert.
Thomas Radermacher, Präsident der Handwerkskammer zu Köln: „Das Handwerk in unserer Region beweist eine hohe Stabilität und unterstreicht seine Rolle als krisenfester Arbeitgeber. Angesichts zunehmender Herausforderungen ist der bleibende Optimismus im Handwerk bemerkenswert. Denn neben hohen Gewerbe- und Grundsteuern sowie Energie- und Lohnnebenkosten belasten auch Standortfaktoren wie die schwierige Verkehrsinfrastruktur den Alltag vieler Handwerksbetriebe erheblich.“
Umsatz und Nachfrage: Saldo verbessert, aber weiterhin negativ
Der Anteil der Betriebe mit sinkendem Umsatz liegt bei 35 Prozent und ist damit geringer als im Vorjahr (42 Prozent). 24 Prozent melden hingegen steigende Umsätze. Beim Auftragseingang geben 36 Prozent der Betriebe einen Rückgang an, 22 Prozent einen Anstieg. Die Salden bleiben damit negativ, haben sich gegenüber dem Vorjahr jedoch leicht verbessert. Die durchschnittliche Auftragsreichweite sinkt auf 5,5 Wochen, im Vorjahr lag sie bei 6,1 Wochen.
Stabile Lageentwicklung in den Regionen des Kammerbezirks, Bonn als Negativausreißer
In fast allen Kreisen und kreisfreien Städten des Kammerbezirks Köln liegt das Geschäftsklima auf oder über der Marke von 100 Punkten. Dies signalisiert weiterhin eine überwiegend positive Grundstimmung im regionalen Handwerk. Klarer Ausreißer ist Bonn: Dort ist das Geschäftsklima – maßgeblich beeinflusst durch die Sperrung der Bonner Nordbrücke und weitreichende infrastrukturelle Einschränkungen – auf 95 Punkte gefallen.
Ausblick: Kein kurzfristiger Aufschwung in Sicht
Wachstumsimpulse sind weiterhin nicht erkennbar und lassen auf eine anhaltende Stagnation auf dem aktuellen Niveau schließen. Lediglich 17 Prozent der befragten Betriebe rechnen im kommenden Halbjahr mit einer verbesserten Geschäftslage, 58 Prozent erwarten eine unveränderte Lage und 24 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. HWK-Präsident Radermacher betont die Bedeutung der Verkehrsinfrastruktur als zentrale Standortfaktor: „Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage sowie unserer Brückenumfrage zeigen deutlich, welche enorme Belastung der Totalausfall der Bonner Nordbrücke für die Betriebe in der Region bedeutet. Gleichzeitig sehen wir beispielsweise an der Wiehltalbrücke oder dem Kölner Eifeltor, dass viele Brücken in der Region ein massives Standortrisiko darstellen. Damit sich ein Fall wie in Bonn nicht wiederholt, müssen die Instandhaltung und der Neubau strategisch wichtiger Brücken bei Bund, Land und Kommunen oberste Priorität haben.“
Im September hatten u.a. die Handwerkskammer zu Köln, die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg und die Kreishandwerkerschaft Bonn·Rhein-Sieg eine Umfrage zu den Folgen der Sperrung der Nordbrücke durchgeführt.
Sonderumfrage „Nachfolge im Handwerk“: Übergabewelle wird zur zentralen Herausforderung
Im Zuge der Konjunkturumfrage hat die HWK Köln die teilnehmenden Betriebe in einer Sonderumfrage zum Thema „Nachfolge im Handwerk“ befragt. Die demografische Entwicklung und das Thema Betriebsnachfolge bestimmen die Zukunft der Betriebe in der Region: Alternde Belegschaften, niedrige Geburtenraten und eine höhere Lebenserwartung führen zu weniger Erwerbstätigen, mehr Rentnerinnen und Rentnern und einem wachsenden Fachkräftemangel. Das Handwerk ist davon besonders betroffen: Von den Betriebsinhabern, die an der Sonderumfrage teilgenommen haben, sind 60 Prozent 55 Jahre alt oder älter. Jeder sechste Betrieb (16 Prozent) sucht in den kommenden fünf Jahren eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger.
HWK-Präsident Radermacher: „Das Handwerk in unserer Region steht damit vor der größten Übergabewelle seiner Geschichte. Wenn Übernahmen ausbleiben, drohen kommunale und regionale Versorgungslücken – von Bau- und Ausbauleistungen bis zu Dienstleistungen des täglichen Bedarfs. Die gute Nachricht ist, dass knapp zwei Drittel der Betriebe ihre Chancen auf eine erfolgreiche Übergabe als hoch oder eher hoch einschätzen. Diese Zuversicht ist ein starkes Signal und verpflichtet uns, die Betriebe bei der Übergabe konkret zu unterstützen. Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen stimmen, damit die Selbstständigkeit im Handwerk attraktiv bleibt. Hierzu zählen der Abbau von bürokratischen Hürden sowie attraktive Standortbedingungen wie verfügbare Flächen und eine Kultur in den Kommunen, die Handwerksunternehmer begrüßt und unterstützt.“
Die Kaufmännische Unternehmensberatung der HWK Köln berät intensiv zur Übergabe. Dass das Interesse hoch ist, zeigt die Resonanz auf eine Infoveranstaltung „Unternehmensnachfolge im Handwerk“ in der Kammer am 15. Oktober, zu der rund 90 Gäste kamen.
Die Handwerkskammer zu Köln
Die Handwerkskammer (HWK) zu Köln ist die Interessenvertretung des Handwerks in der Region Köln/Bonn und macht sich für die Belange von knapp 33.500 Mitgliedsbetrieben stark. Der Bezirk der HWK umfasst neben Köln, Bonn und Leverkusen auch den Oberbergischen und den Rheinisch-Bergischen Kreis, den Rhein-Erft- und den Rhein-Sieg-Kreis. Im Kammerbezirk werden derzeit über 12.000 Menschen in einem Handwerksberuf ausgebildet. Schwerpunkte der Kammerarbeit sind unter anderem die Unternehmens- und Rechtsberatung, die Unterstützung bei der dualen Berufsausbildung, Meister- und Weiterbildungslehrgänge sowie Meister- und Gesellenprüfungen.
Pressesprecher & Leitung
Stabsstelle Kommunikation, Marketing & Events
Tel. +49 221 2022-244