Stau
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Handwerk kritisiert Expressbusspur auf Aachener Straße

Die Handwerkskammer lehnt weiterhin die seitens der Stadt Köln vorgesehene Expressbusspur auf der Aachener Straße und die damit verbundene Fahrbahn-Einziehung ab. Nach Ansicht der Kammer führt sie, vor allem in der Rushhour, zu verstärktem Stau und Stop-and-go-Verkehr. Auch auf Ausweichrouten wäre dann mit dichterem Verkehr und höheren Schadstoffkonzentrationen zu rechnen.

Pförtnerampel kontraproduktiv

Die Handwerkskammer zu Köln hatte schon unmittelbar nach der Offenlegung des Entwurfs der zweiten Fortschreibung des Luftreinhalteplans Köln deutlich gemacht, dass sie die seitens der Stadt Köln vorgesehene Expressbusspur und die damit in Verbindung stehende Fahrbahneinziehung beim motorisierten Individualverkehr als kontraproduktiv erachtet und deshalb ablehnt. Eine Fahrbahneinziehung, vor allem wenn sie in die Rushhour morgens und abends fällt, führt nach Ansicht der Handwerkskammer zu verstärktem Stau und damit zu mehr Stop-and-go-Verkehr. Hans Peter Wollseifer, Präsident der Handwerkskammer: "Es gilt mittlerweile als erwiesen, dass Stop-and-go-Verkehr zu deutlich mehr Emissionen und damit auch zur Erhöhung der Stickstoffdioxidwerte führt. Zudem wird das an anderer Stelle, nämlich auf Ausweichrouten wie der Dürener Straße, Gleueler Straße oder der ebenfalls stark belasteten Luxemburger Straße und kleinräumig sogar auf Schleichwegen, also untergeordneten Straßen, wie dem Kölner Weg und der Junkersdorfer Straße zu dichterem Verkehr und höheren Schadstoffkonzentrationen führen."

Auch die Pförtnerung des Verkehrs, wie sie die Stadt mit einer entsprechenden Ampelschaltung vorsieht und mit der man 500 Fahrzeuge pro Stunde an der Einfahrt hindern will, wird gemessen an der temporären Halbierung der Verkehrskapazität der Aachener Straße de facto nur zur Verlängerung der Spitzenlastzeiten führen, so die Einschätzung der Handwerkskammer. Ausweichverkehre und längere Staus sind gerade auch deshalb zu erwarten, weil die Parkplatzsituation auf dem Park & Ride-Parkplatz in Weiden jetzt schon sehr angespannt ist und die Pendler keine Möglichkeit mehr haben, ihr Auto dort abzustellen, um auf Bahn oder Bus umzusteigen. 

Die Stadt mache hier den zweiten vor dem ersten Schritt, kritisiert die Handwerkskammer. Zunächst müssten adäquate Rahmenbedingungen geschaffen werden, um die Verlagerung des Individualverkehrs auf Bus und Bahn zu erreichen. Da reiche es nicht, den ÖPNV zu verdichten und schneller zu machen. Jetzt schon in Spitzenzeiten den Verkehrsraum für den Individualverkehr einzuschränken und erst im Jahr 2022 mehr Park & Ride Parkplätze zur Verfügung zu stellen, sei unverantwortlich.

Genauso hält es die Handwerkskammer für unverantwortlich, die Maßnahmen nicht mit den Umlandkommunen zu erörtern. "Aus dem Rhein-Erft-Kreis kommen auch viele Mitarbeiter unserer in der Innenstadt ansässigen Handwerksunternehmen", betont Wollseifer. Der Spitzenvertreter der Handwerkskammer sieht die Mitgliedsbetriebe der Kammer deshalb in zweifacher Hinsicht betroffen. "Nicht nur dass die Mitarbeiter aus dem linksrheinischen Umland schlechter zu Ihren Arbeitsstellen in Köln gelangen, auch die Handwerksunternehmen, die in der Region Köln/Bonn in Summe jetzt schon jährlich dreistellige Millionenbeträge durch Staus auf der Straße verlieren, werden mit Ihren Werkstattwagen durch die Pförtnerampel ausgebremst. Die Regelung, die Lieferzeiten auf die Zeiträume außerhalb der ´Pförtnerzeiten´ zu legen, würde für das Handwerk eine nicht hinnehmbare Arbeitszeiteinschränkung in dem lokal betroffenen Bereich bedeuten. Darunter werden nicht nur die Handwerksunternehmen zu leiden haben, das werden vor allem die auf der Aachener Straße ansässigen Unternehmen und die Bürger in den an die Aachener Straße angrenzenden Stadtteilen zu spüren bekommen", prognostiziert Wollseifer.

Ähnlich sieht das der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Rhein-Erft, Heribert Ropertz: "Wir wissen, dass viele unserer Mitgliedsbetriebe morgens in der Regel in der Zeit von 7 bis 9 Uhr aus dem Rhein-Erft-Kreis über die Aachener Straße nach Köln einpendeln, um zum Kunden zu gelangen. Abends nehmen sie meist auch in der Rushhour die gleiche Route zurück. Mit einer temporären Fahrbahneinziehung würden sich die Fahrtzeiten deutlich erhöhen. Und wenn unsere Betriebe nur noch in der Zeit von 9 bis 15 Uhr auf der Aachener Straße arbeiten könnten, würde das massive Mehrkosten bedeuten. Sie müssten dann wahrscheinlich die Arbeit auf mehrere Tage verteilen und die Baustelle öfter anfahren." 

Völlig unberücksichtigt gelassen habe die Stadt auch die Tatsache, dass die Aachener Straße die von Westen kommende Haupteinfallstraße ist. Zudem gebe es auf dem nordwestlichen Teil des Kölner Autobahnrings an der Leverkusener Brücke noch mindestens bis Ende 2020 und am Autobahnkreuz Köln-Nord sogar noch danach erhebliche baustellenbedingte Verkehrsbehinderungen. Somit sei hier eine wichtige Verbindung als Ausweichroute derzeit nicht ausreichend funktionsfähig. Die Handwerkskammer zu Köln und die Kreishandwerkerschaft Rhein-Erft empfehlen der Stadt deshalb dringend, ihre Pläne zu überdenken.

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