Michael Schnitzler

JubiläumHandwerkskammer zu Köln und Handwerkskammer Lyon feiern 70-jährige Partnerschaft

Gelebte europäische Freundschaft: Die Handwerkskammer zu Köln und die Handwerkskammer Lyon feiern ihre 70-jährige Partnerschaft


Seit 1956 haben weit über 1.500 Auszubildende, Gesellinnen und Gesellen aus Köln oder Lyon das jeweilige Nachbarland besucht und wertvolle handwerkliche wie persönliche Erfahrungen gesammelt.

Die Handwerkskammer (HWK) zu Köln und die Handwerkskammer Lyon feiern das 70-jährige Bestehen ihrer Partnerschaft: Von Donnerstag bis Sonntag (7. bis 10. Mai 2026) besucht eine achtköpfige Delegation der Chambre de Métiers et de l’Artisanat (CMA) du Rhône aus Lyon die Domstadt, um das Jubiläum zu begehen. Den Auftakt bildete am Donnerstagabend ein Stehempfang in der Handwerkskammer, an dem auch Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester teilnahm. Bis Sonntag sind neben Gesprächen zu verschiedenen Themen und einer Arbeitssitzung der beiden Kammer-Vorstände unter anderem ein Besuch der Lux Werft und Schifffahrt GmbH, ein Besuch des ehemaligen Regierungsviertels in Bonn sowie eine Führung im Kölner Zoo geplant.

Die 1956 ins Leben gerufene Partnerschaft zwischen Köln und Lyon ist die älteste deutsch-französische Verbindung zweier Handwerkskammern überhaupt. Schon 1957 besuchten die ersten französischen Handwerksgesellen Köln, im Jahr darauf gab es den Gegenbesuch in Lyon. Seitdem haben im Rahmen der Partnerschaft weit über 1.500 Auszubildende sowie junge Gesellinnen und Gesellen das jeweilige Nachbarland besucht, neue berufliche Erfahrungen gesammelt und persönliche Kontakte geknüpft.

Oberbürgermeister Torsten Burmester würdigte die Köln-Lyoner Partnerschaft: "In Köln verbinden uns langjährige Freundschaften mit unseren französischen Partnerinnen und Partnern – in ganz unterschiedlichen Bereichen. Die 70-jährige Partnerschaft der Handwerkskammern Köln und Lyon ist dafür ein Beispiel. Sie zeigt eindrücklich: Handwerk verbindet über Grenzen hinweg und gehört zur europäischen Identität. Das Handwerk ist bis heute zentral für unseren Wohlstand."

HWK-Präsident Thomas Radermacher betonte die Bedeutung der Kammerpartnerschaft für die europäische Verbundenheit: "Die gelebte länderübergreifende Freundschaft der Handwerkskammern Köln und Lyon hat dazu beigetragen, Vorurteile abzubauen und Brücken zwischen Menschen zu bauen – lange, bevor staatliche Vereinbarungen wie der 1963 unterzeichnete Élysée-Vertrags Europa politisch festigten. Was 1956 mit ersten Kontakten begann, hat sich im Laufe der Jahre zu einer gewachsenen, vertrauensvollen Partnerschaft entwickelt, die vielen anderen Kammern als Vorbild diente. Weltweit erleben wir derzeit viele Krisen und Unsicherheiten. Umso wichtiger ist es der Handwerkskammer zu Köln und mir ganz persönlich, den deutsch-französischen Austausch auch in Zukunft weiter zu stärken und den europäischen Gedanken erlebbar zu machen."

Die Delegation der Handwerkskammer Lyon wird bei ihrem Besuch in Köln von Präsident Christophe Bernollin und Geschäftsführerin Roselise Peillon angeführt. Bernollin hob ebenfalls die besonderen Umstände in den Anfängen der Partnerschaft hervor: "Mitte der 1950er-Jahre, kaum 10 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, musste man wahrhaft visionär sein, um eine Annäherung zwischen einer französischen und einer deutschen Institution zu initiieren. Genau diesen Mut bewiesen unsere damaligen Präsidenten Bernhard Günther und Paul Circaud, Wegbereiter der deutsch-französischen Freundschaft, indem sie 1956 die Partnerschaft zwischen unseren beiden Handwerkskammern ins Leben riefen und so zur Annährung unserer Völker beitrugen." Die erste Partnerschaft zwischen einer französischen und einer deutschen Handwerkskammer "ist für uns ein Grund zum Stolz und vor allem ein wertvolles Gut, das es zu bewahren gilt", so Bernollin: "Lassen Sie uns weiterhin daran arbeiten, Handwerkern, Auszubildenden und Ausbildern aus unseren beiden Städten Begegnungen zu ermöglichen und ihnen eine bereichernde berufliche, menschliche und kulturelle Erfahrung zu bieten, die nachhaltig in Erinnerung bleibt."

Über die sieben Jahrzehnte hinweg wurde die Partnerschaft zwischen den beiden Kammern stetig ausgebaut und durch Treffen institutionalisiert: Es gab und gibt unter anderem gegenseitige Besuche der Vorstände und Geschäftsführungen, gemeinsam begangene Jubiläen und zahlreiche fachliche Projekte. Unter anderem setzten sich die beiden Handwerkskammern dafür ein, Handwerksberufe aufzuwerten, die europäische Mobilität von Auszubildenden zu fördern, Ausbilder weiter zu qualifizieren und die Rolle der Frauen im Handwerk zu stärken. Eine zentrale Säule der Partnerschaft bildet seit jeher die Austauschprogramme.

HWK-Geschäftsführer Dr. Erik Werdel: "Die gegenseitigen Besuche junger Handwerkerinnen und Handwerker verdeutlichen den unschätzbaren Wert der Partnerschaft zwischen der HWK Köln und der CMA Rhône aus Lyon. Auszubildende oder junge Gesellinnen und Gesellen aus Köln und Lyon erleben bei Besuchen im jeweiligen Nachbarland etwas, das weder Lehrpläne noch Vorträge ersetzen können: internationale Begegnungen im Handwerk. Die Teilnehmenden arbeiten in den Werkstätten mit, vertiefen ihr handwerkliches Wissen und ihre Sprachkenntnisse. Die Begegnungen mit anderen Teilnehmenden, Ausbilderinnen und Ausbildern und Gastfamilien führen nicht selten zu bleibenden Freundschaften. Durch ihre langjährige Partnerschaft ermöglichen die Handwerkskammern Köln und Lyon vielen jungen Menschen im Handwerk wertvolle Auslandserfahrungen."

Die Handwerkskammern Köln und Lyon wollen die bewährten Austauschformate auch in Zukunft weiterhin pflegen und künftige Generationen für internationale Erfahrungen und den Austausch gewinnen. Zugleich sollen neue künftig neue Themen wie digitale Werkstattkonzepte, Nachhaltigkeit und berufliche Mobilität aufgegriffen werden.

Die Feier des 70-jährigen Bestehens der Partnerschaft zwischen der Handwerkskammer zu Köln und der Handwerkskammer Lyon wird durch den Deutsch-Französischen Bürgerfonds gefördert. Dieser berät, vernetzt und finanziert Projekte, die die deutsch-französische Freundschaft und Europa in der Breite der Bevölkerung erlebbar machen. Er fördert eine Vielzahl an Formaten und Themen, ist niedrigschwellig und steht allen Akteuren der Zivilgesellschaft offen. Der Bürgerfonds geht auf den im Jahr 2019 zwischen Deutschland und Frankreich geschlossenen Vertrag von Aachen zurück und wurde im April 2020 errichtet. Er wird vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) umgesetzt und wird zu gleichen Teilen von der Bundesregierung und der französischen Regierung finanziert.



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