Arne Schröder

IntegrationHWK Köln zeichnet Elektrohaus Bernhard Günther mit Integrationspreis Handwerk NRW aus

Alle zwei Jahre werden besondere Integrationsleistungen im Handwerk mit dem Integrationspreis Handwerk NRW gewürdigt. Die Handwerkskammer zu Köln zeichnet in diesem Jahr das Elektrohaus Bernhard Günther aus. Für den Betrieb ist Integration längst gelebter Alltag.

Anlässlich des "Deutschen Diversity-Tags" (19. Mai 2026) ehren die sieben Handwerkskammern in Nordrhein-Westfalen und der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) zum fünften Mal ausgesuchte Betriebe für die Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Unterstützerin des Integrationspreises Handwerk NRW ist Verena Schäffer, Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen. Im Bezirk der Handwerkskammer (HWK) zu Köln geht der diesjährige Preis an das Elektrohaus Bernhard Günther in Köln. HWK-Präsident Thomas Radermacher und HWK-Hauptgeschäftsführer Dr. Erik Werdel überreichten den Geschäftsführern Laura und Martin Günther am Freitag (22. Mai 2026) die Auszeichnung.  

Der Betrieb beschäftigt aktuell 30 Mitarbeitende, von denen 11 einen internationalen Hintergrund haben, darunter 4 Auszubildende. Die Liste der Herkunftsländer ist beeindruckend: Albanien, Eritrea, Italien, Indien, Irak, Marokko, Pakistan, Syrien, Türkei und Ukraine. Der Betrieb bildet seit den 1960er-Jahren aus – schon immer auch junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. "Wir brauchen geeignete Auszubildende und Mitarbeitende", sagt Laura Günther: "Und wenn diese geflüchtet oder zugewandert sind, stellen wir uns eben der Herausforderung und integrieren sie." Wenn Laura Günther erzählt, wird aber deutlich, dass es ihr und ihrem Bruder auch um die gesamtgesellschaftliche Perspektive geht: "Die Welt war bei uns schon immer bunt – und das soll sie auch bleiben. Für unsere Firma sind alle Menschen gleich. Wir geben jedem eine Chance, der wie wir Lust auf Elektrotechnik hat. Unsere Gesellschaft benötigt mehr Fachkräfte – und es leben genügend Menschen in Deutschland. Sie müssen nur integriert werden. Wir erleben bei unseren Mitarbeitenden immer wieder aufs Neue, dass eine sinnstiftende Tätigkeit die beste Integration ermöglicht."

HWK-Präsident Thomas Radermacher: "Ob in Bäckereien, auf Baustellen oder in Werkstätten: Auszubildende und Fachkräfte mit Zuwanderungsgeschichte sind ein fester und wichtiger Bestandteil des Handwerks. Viele unserer Betriebe geben ihnen eine Chance, sichern so ihren Fachkräftebedarf und tragen zugleich zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei. Das Elektrohaus Bernhard Günther zeigt auf beeindruckende Weise, was gesellschaftliche Verantwortung im Handwerk bedeutet. Für den Betrieb ist Integration seit vielen Jahren selbstverständlich, ohne, dass immer groß darüber geredet wird. Herzlichen Dank für dieses außergewöhnliche Engagement, das wir mit dem Integrationspreis Handwerk NRW würdigen."

Gerade in den vergangenen zehn Jahren hat das Elektrohaus Bernhard Günther viele junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte eingestellt. Die beiden Geschäftsführer und andere Mitarbeitende helfen bei bürokratischen Hürden, die ein Neustart in Deutschland mit sich bringt, und bieten Unterstützung bei Wohnungssuche und Ämterangelegenheiten. Nur einige von vielen Beispielen: Bereket Asefa aus Eritrea drohte zu Beginn seiner Ausbildung die Wohnungslosigkeit. Laura Günther setzte alle Hebel in Bewegung und brachte ihn beim Kolping-Jugendwohnen unter. Für den Auszubildenden Hussein Waka aus Pakistan organisierte der Betrieb insbesondere Sprachkurse, um ihn in der Schule zu unterstützen. Auch Bassel Hamam aus Syrien kam als Auszubildender in den Betrieb – wurde aber von seiner Chefin "ausgebremst". Hamams Frau hatte gerade ein Kind bekommen. Laura Günther machte dem verdutzten Hamam klar, dass er sich erst einmal in Ruhe um seine Frau und sein Kind kümmern und seine Auszbildung drei Wochen später starten könne. Inzwischen hat Bassel Hamam seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und arbeitet weiterhin als Monteur im Betrieb.

HWK-Hauptgeschäftsführer Dr. Erik Werdel: "Das Elektrohaus Bernhard Günther beweist, dass Integration und Fachkräftesicherung im Handwerk Hand in Hand gehen. Junge Menschen mit Einwanderungs- oder Fluchtgeschichte benötigen im Arbeits- und Berufsschulalltag häufig besondere Unterstützung. Das stellt gerade kleine und mittlere Betriebe vor große Herausforderungen. Umso bemerkenswerter ist es, wie das Team des Elektrohauses Bernhard Günther diese Aufgabe mit viel Mitmenschlichkeit, Vertrauen und Geduld annimmt. Dieses Beispiel zeigt, wie Integration im Alltag gelingen kann, wenn Betriebe offen sind, Verantwortung übernehmen und ihren Auszubildenden und Mitarbeitenden echte Perspektiven bieten."

NRW-Integrationsministerin Verena Schäffer gratuliert den von den sieben Handwerkskammern ausgezeichneten Betrieben ebenfalls und dankt für deren besonderes Engagement: "Mit seinen über fünf Millionen Beschäftigten steht das Handwerk für eine außerordentliche Wertschätzung von Vielfalt und eine gelebte erfolgreiche Integration. Für dieses Engagement möchte ich Ihnen ganz herzlich danken. Die Betriebe, die geehrt werden, verkörpern diesen Geist auf eine besondere Art und Weise. Sie geben Menschen mit ganz unterschiedlichen Biografien, die zu uns gekommen sind, eine berufliche Perspektive. Sie vermitteln handwerkliches Wissen. Sie begleiten Menschen tagtäglich in ihren Lernprozessen und motivieren sie, sich weiterzuentwickeln."

Neben einer Urkunde für den Integrationspreis überreichte HWK-Präsident Thomas Radermacher den Geschäftsführern Laura und Martin Günther auch eine Urkunde anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Elektrohauses Günther. In Würdigung der Verdienste und Leistungen des Betriebs um das Handwerk händigte Radermacher zugleich die Goldene Münze der Handwerkskammer zu Köln aus. Das Elektrohaus Bernhard Günther konnte am 1. Mai 2026 auf sein 125-jähriges Bestehen zurückblicken. Namensgeber ist der frühere Präsident der HWK Köln, Bernhard Günther. 



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