Frühjahrstagung der VollversammlungHWK-Präsident Thomas Radermacher: "Wir stehen in den kommenden Jahren vor einem regelrechten Verkehrsinfarkt"
Bei der Frühjahrs-Vollversammlung der Handwerkskammer zu Köln waren die gesperrte Nordbrücke in Bonn und sanierungsbedürftige Straßen in Köln ein großes Thema. Über aktuelle Entwicklungen in Köln informierte als Gastredner Wirtschaftsdezernent Andree Haack.
Seit einem Jahr ist Thomas Radermacher Präsident der Handwerkskammer (HWK) zu Köln. Bei der Frühjahrs-Vollversammlung der HWK am Donnerstag (11. Juni) zog er eine Bilanz seiner bisherigen Amtszeit. Er berichtete der Vollversammlung über zentrale Themen und Schwerpunkte seiner Arbeit, ging auf die wirtschaftliche Lage des Handwerks ein und forderte einen stärkeren Fokus der Politik auf die entscheidenden Zukunftsfragen des Landes. Der Vollversammlung als höchstem Organ der HWK Köln gehören 54 ehrenamtliche Mitglieder an – 36 selbstständige Handwerkerinnen und Handwerker sowie 18 Mitglieder für die Arbeitnehmerseite.
Als Gastredner bei der Vollversammlung begrüßte die Handwerkskammer Andree Haack, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Digitales und Regionales der Stadt Köln. Er stellte aktuelle Entwicklungen und Vorhaben der Stadt Köln vor und erläuterte deren Bedeutung für das regionale Handwerk. Haack: "Mit dem gemeinsamen Masterplan Handwerk haben Stadt Köln, Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaft klar verabredet: Wir gehen die Herausforderungen gemeinsam an. Der kontinuierliche Austausch mit dem Handwerk – etwa über die geplante Clearingstelle oder das Treffen der Kölner Wirtschaftsverbände – ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein echter Standortfaktor. Er hilft, Probleme frühzeitig zu erkennen, Vergabe- und Bauprozesse zu beschleunigen und praxisnahe Lösungen für die Betriebe zu finden."
"Die Vollsperrung der Bonner Nordbrücke ist ein Schock für die Region"
HWK-Präsident Thomas Radermacher ging auf Schwerpunkte seiner Arbeit im vergangenen Jahr ein, zu der unter anderem viele Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung gehörten: "Dabei ging es immer wieder darum, die Anliegen des Handwerks vor Ort sichtbar zu machen, Verständnis für Herausforderungen zu schaffen und die Interessen unserer Betriebe mit Nachdruck zu vertreten."
Eine der aktuell größten Herausforderungen ist die vielerorts marode Verkehrsinfrastruktur. Radermacher: "Die Vollsperrung der Bonner Nordbrücke ist ein Schock für die Region. Die Sperrung sorgt für das befürchtete Verkehrschaos und immense Kosten. Bund und Autobahn GmbH sowie alle anderen Beteiligten müssen nun schnellstmöglich den Bau einer Ersatzbrücke vorantreiben. Eine Fertigstellung erst in den 2030er-Jahren wäre unzumutbar. Eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur ist keine Frage des Komforts, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit für das Handwerk und viele andere Branchen. Unsere Betriebe sind auf Mobilität angewiesen, um ihre Baustellen und Kunden zu erreichen. Auch die Diskussion um die Mülheimer Brücke in Köln zeigt exemplarisch, vor welchen Herausforderungen wir stehen. Eine dauerhafte Sperrung von Fahrspuren für den motorisierten Verkehr muss unbedingt verhindert werden. Sollten weitere Brücken in der Region ausfallen, stehen wir in den kommenden Jahren vor einem ein regelrechten Verkehrsinfarkt."
In Richtung der Bundesregierung mahnte Radermacher, diese müsse sich endlich um die Finanzierung der Pflege- und Krankenversicherung, die Sicherung unseres Rentensystems, Bürokratieabbau und wettbewerbsfähige Energiepreise kümmern sowie bessere Rahmenbedingungen für Investitionen schaffen. Radermacher: "Das Handwerk ist eine Zukunftsbranche. Kaum ein anderer Wirtschaftsbereich steht so sehr für Innovation, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mit den richtigen politischen Rahmenbedingungen können unsere Betriebe einen noch größeren Beitrag zum Wohlstand unseres Landes leisten."
Freiwilliges Handwerksjahr als Chance für junge Menschen – und für Betriebe
HWK-Hauptgeschäftsführer Dr. Erik Werdel legte im Rahmen der Vollversammlung den neuen Geschäftsbericht der Handwerkskammer für 2025 vor. Er ging auf zentralen Entwicklungen des vergangenen Geschäftsjahres ein und gab einen Ausblick auf die künftigen Aufgaben der Kammer. Werdel berichtete der Vollversammlung über den aktuellen Stand des Projekts "Campus der Zukunft": Die HWK will ihre Bildungsstandorte in Ossendorf für die Zukunft aufstellen und plant dafür mit Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe.
Werdel informierte zudem über das freiwillige Handwerksjahr, das es in den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD geschafft hat. Nach Willen der Handwerkskammern soll es als Teil des Bundesfreiwilligendienstes gesetzlich verankert werden. Werdel verwies auf die Erfahrungen mit dem Pilotprojekt "Freiwilliges HandwerksjahrPlus" der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld: Teilnehmende können ein Jahr lang das Handwerk ausprobieren und bis zu vier Praktika machen. Werdel: "Das Freiwillige Handwerksjahr ist eine echte Chance für junge Menschen, die nach der Schule noch nicht genau wissen, welcher Beruf zu ihnen passt. Sie können verschiedene Gewerke praktisch kennenlernen, eigene Stärken entdecken und früh ein Gefühl dafür entwickeln, wie vielfältig und sinnstiftend das Handwerk ist. Gleichzeitig profitieren unsere Betriebe, weil sie junge Talente direkt erleben, für sich gewinnen und damit wichtigen Nachwuchs sichern können."
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