Flüchtlingsprojekt der Handwerkskammer zu Köln 5
Handwerkskammer zu Köln

Integrationsprojekt: Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge in Ausbildung vermittelt

Integrationsprojekt der Handwerkskammer: Mehr als die Hälfte der jungen Flüchtlinge konnten in Ausbildung vermittelt werden

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fördert die handwerkliche Qualifizierung der Flüchtlinge

"Willkommenslotse" berät ab 1. Juli Handwerksbetriebe in der Region Köln-Bonn bei der Integration junger Flüchtlinge

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"Handwerksunternehmen suchen Fachkräfte, Stellen für Hilfsarbeiter wird es immer weniger geben. Daher engagieren wir uns für die berufliche Qualifizierung junger Flüchtlinge". Das betonte Hans Peter Wollseifer, Präsident der Handwerkskammer zu Köln, als der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Hans-Joachim Fuchtel, das Bildungszentrum Butzweilerhof der Kölner Kammer besichtigte. Dort werden seit Herbst des vergangenen Jahres 16 junge Flüchtlinge auf eine Ausbildung im Handwerk vorbereitet; neun Teilnehmer des vom BMZ geförderten Integrationsprojektes konnten bereits auf einen Ausbildungsplatz in einem Handwerksbetrieb in der Kölner Region vermittelt werden.

"Das deutsche Handwerk übernimmt Verantwortung", sagte Fuchtel bei seinem Besuch in Köln. "Die Qualifizierungsinitiative zeigt, dass Entwicklungspolitik und deutsches Handwerk bei großen Gesellschaftsthemen eng zusammenarbeiten. Mit der gemeinsamen Initiative qualifizieren wir heute Flüchtlinge, damit sie morgen ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten und übermorgen beim Wiederaufbau ihrer Heimat helfen können."

Die Teilnehmer des Integrationsprojekts der Handwerkskammer sind zwischen 18 und 27 Jahren alt und stammen überwiegend aus Syrien und Eritrea, einige sind aus dem Irak, Kongo, Afghanistan, Burkina Faso und Guinea nach Deutschland geflohen. Die Berufsvorbereitungsmaßnahme der Handwerkskammer ist auf zehn Monate angelegt, sie besteht jeweils zur Hälfte aus Deutschunterricht (mit besonderer Berücksichtigung handwerklicher Fachbegriffe) und aus fachpraktischen Modulen zur Vermittlung handwerklicher Grundlagen in mehreren Bau- und Metallgewerken. Das macht es möglich, dass die jungen Flüchtlinge eine fundierte Entscheidung für eine ihren Neigungen und Interessen entsprechende Berufsausbildung treffen. So werden einige von ihnen in diesem Herbst mit der Ausbildung zum Maler und Lackierer, Elektroniker und Kraftfahrzeugmechatroniker beginnen. Die fünf Projektteilnehmer, für die derzeit die Vermittlung auf einen Ausbildungsplatz noch läuft, wollen unter anderem Tischler oder Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik werden. Bei zwei Projektteilnehmern verzögert sich der Einstieg in die Berufsausbildung, weil sie zuerst noch den Hauptschulabschluss nachholen wollen.

Beim Rundgang durch die Metall- und Tischlerlehrwerkstätten des Bildungszentrums Butzweilerhof kam Staatssekretär Fuchtel auch ins Gespräch mit einigen Teilnehmern des Integrationsprojektes. Die Ausbilder der Handwerkskammer lobten, dass bei den jungen Flüchtlingen im Vergleich zu anderen Qualifizierungsmaßnahmen die Arbeitstugenden auffallend gut ausgeprägt sind. Das äußert sich in allgemein hoher Lern- und Leistungsbereitschaft, sehr regelmäßiger Teilnahme, einem hohen Grad an selbständigem Lernen, guten Umgangsformen und hoher Kooperation.

Handwerkspräsident Wollseifer begrüßte das von der Bundesregierung geplante Integrationsgesetz, das könne den Zugang von Flüchtlingen und Asylbewerbern zu Ausbildung und Beschäftigung erleichtern. "Handwerksunternehmen brauchen die Gewissheit, dass Flüchtlinge für ihre drei- oder dreieinhalbjährige Ausbildung einen gesicherten Aufenthaltsstatus haben und danach noch für mindestens zwei Jahre im Unternehmen mitarbeiten können". Damit von dem neuen Integrationsgesetz positive Signale an die Unternehmen ausgehen, die zur Ausbildung junger Flüchtlinge bereit sind, sollte die Schaffung bürokratischer Hürden vermieden werden. So kritisieren die Handwerksorganisationen die Androhung hoher Bußgelder für die fahrlässig verspätete Meldung eines Ausbildungsabbruchs.

Nach Überzeugung des Hauptgeschäftsführers der Handwerkskammer zu Köln, Dr. Ortwin Weltrich, trägt die Qualifizierung junger Flüchtlinge dazu bei, dem mittel- und langfristig drohenden Fachkräftemangel in den Bau- und Metallbranchen des Handwerks entgegen zu wirken. In den vergangenen Jahren haben sich "die Handwerksunternehmen in unserer Region bereits erfolgreich für die Ausbildung von Jugendlichen aus Zuwandererfamilien engagiert, daher bin ich zuversichtlich, dass es gute Chancen gibt, auch junge Flüchtlinge ins Handwerk zu integrieren", so Weltrich. Allerdings brauchen Klein- und Mittelbetriebe hierbei Unterstützung, wenn es zum Beispiel um die Klärung des Aufenthaltsstatus oder um die Vermittlung von Deutschkenntnissen geht. Für alle Fragen rund um die berufliche Integration und die Ausbildung junger Flüchtlinge steht den Handwerksbetrieben ab 1. Juli der "Willkommenslotse" der Handwerkskammer zur Verfügung, diese Stelle konnte aus Fördermitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft neu eingerichtet werden.

Rainer Gutmann

Redaktion
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