köln, strasse, frühling, kirche, himmel, deutz, auto, alt, stadt, architektur, haus, bauwerk, europa, anreisen, städtisch, allee, jahrgang, eng
SimonsArt-PhotoVideo - stock.adobe.com

Kammer sieht Kölner "Masterplan Parken" mit Besorgnis

Autofreie Zonen und Parkplatzrückbau gefährden die Versorgung der Einwohner in der Innenstadt mit handwerklichen Dienstleistungen. Das Handwerk sieht den Antrag des Ratsbündnisses von Bündnis90/Die Grünen, CDU und Volt deshalb kritisch.

Die Rahmenbedingungen unter denen Handwerksbetriebe in der Stadt Köln Dienstleistungen erbringen, gestalten sich immer problematischer. Vor wenigen Jahren konnte das Handwerk noch geltende Einfahrtbeschränkungen auf der Grundlage von Luftreinhalteplänen durch die Neuanschaffung und Nachrüstung der Werkstattwagen kompensieren. Doch nun plant das Kölner Ratsbündnis, bestehend aus Bündnis 90/Die Grünen, CDU und Volt, neue Hürden.

Einfahrtbeschränkung, autofreie Zonen und Parkplatzrückbau bis auf "Null" sollen die Stadt attraktiver und klimafreundlicher machen. Dabei wird völlig außer Acht gelassen, wie das Handwerk noch Kundenstandorte erreichen kann. Der Testversuch an der Deutzer Freiheit, bei dem für die Dauer eines Jahres Straßen für den Autoverkehr abgebunden und Parkplätze im großen Stil testweise zurückgebaut werden, oder der Antrag des Ratsbündnisses, die Parkplätze auf der Severin-, Aposteln- und Maastrichter Straße sowie zwischen Zülpicher Platz und Universitätsstraße komplett zu streichen, zeugt von Unverständnis handwerklicher Belange.

Garrelt Duin, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln: "Wir haben nichts gegen die Entwicklung eines Masterplans Parken, ganz im Gegenteil: Wir begrüßen eine Bestandsaufnahme ausdrücklich, ebenso die Einführung einer digitalen Parkraumbewirtschaftung. Die bereits konkreten Überlegungen zum ersatzlosen Abbau von Parkplätzen in der City zeugen allerdings von Aktionismus. Niemand kennt die Anforderungen unserer Handwerksbetriebe bzgl. der Erreichbarkeit von Kundenstandorten besser als wir. Mit uns hat aber bisher keiner der antragsstellenden Parteien gesprochen."

Die Handwerkskammer zu Köln beobachtet die Verkehrspolitik in den beiden Großstädten des Kammerbezirks, Köln und Bonn, weiter mit großer Besorgnis. Hierzu Garrelt Duin: "Werkstattwagen der Handwerksunternehmen sind nicht einfache Transportmittel, sie sind mobile Werkstätten mit festinstallierten Maschinen und Werkzeugen sowie mobile Materiallager. Die Fahrzeuge unserer Betriebe sind der verlängerte Arm der Monteure vor Ort. Aufgrund ihrer Größe und Aufbauten können sie nicht in Parkhäusern und Quartiersgaragen abgestellt werden. Der massive Rückbau von Parkplätzen konterkariert auch die Idee des Handwerkerparkausweises, den Handwerksunternehmen bei der Stadt gegen Gebühren erwerben und mit dem sie in eingeschränkten Halteverbotszonen und Anwohnerparkplätzen parken können. Wo keine Parkplätze mehr sind, kann auch kein Parkausweis helfen. Die vorgesehenen Ladezonen sind für das Abstellen der Werkwagen des Handwerks ungeeignet."

Die Handwerkskammer befürchtet, dass die geplanten verkehrsbeschränkenden Maßnahmen dazu führen könnten, dass Handwerksbetriebe diese Standorte zukünftig gar nicht mehr anfahren oder nur mit Verspätung, größerem Aufwand und mittels gebührenpflichtigen Sondergenehmigungen Kunden bedienen können. Damit würde die Versorgungssicherheit der Einwohner der Quartiere gefährdet.

"Wir erwarten, dass wir als Handwerkskammer eingebunden werden, bevor im Rat solche aus Sicht des Handwerks disruptiven Eingriffe in den Straßenverkehr beschlossen werden", so Garrelt Duin. Er hält fest: "Wir sprechen uns gegen einen generellen Parkplatzabbau und undurchdachte Konzepte autofreier Zonen aus, wirken aber gerne bei der Erarbeitung eines Masterplans Parken mit, der die nutzerspezifischen Belange des Handwerks berücksichtigt. Dann können wir auch die Auswirkungen solcher Maßnahmen auf die innerstädtischen Standorte unserer stationären Betriebe wie Friseure, Kosmetiker, Augenoptiker und Hörgeräteakustiker und deren Erreichbarkeit für Kunden und Lieferanten mit den Vertretern der Stadtverwaltung erörtern."