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Konjunktur-Umfrage zeigt, wie schwer die Corona-Krise das regionale Handwerk trifft

Garrelt Duin: “Der Kampf gegen die Auswirkungen der Corona-Krise kann nur im Schulterschluss aller gewonnen werden.”

Die aktuelle Konjunktur-Umfrage der Handwerkskammer zu Köln zeigt die Lage im regionalen Handwerk während der Corona-Krise: Während die Lebensmittelhandwerke neben den Bauhaupt- und Ausbauhandwerken bislang vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen sind, verzeichnen Kfz-Gewerbe, Gesundheitshandwerk und das Handwerk für den privaten Bedarf massive Umsatzeinbrüche.

Die Umfrage zeigt, wie unterschiedlich die Handwerksgruppen von der Corona-Krise und dem damit verbundenen ersten Shutdown betroffen sind: 46,5 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen ihre wirtschaftliche Situation als gut, 37,5 Prozent als befriedigend, 16 Prozent als schlecht. Dieses Ergebnis wird jedoch im Wesentlichen von den Bauhandwerken getragen. Beim Blick in die einzelnen Gewerke wird deutlich, dass vor allem die Kfz-Handwerke und die Handwerke für den privaten Bedarf (z.B. Friseur- und Textilreinigungsunternehmen, Fotograf*innen, Schuhmacher*innen, Kosmetiker*innen) sehr viel schlechter durch die Corona-Krise kommen. Auch die Handwerke für den gewerblichen Bedarf und die Gesundheitshandwerke sehen ihre Geschäftslage eingetrübt. Sie blicken pessimistisch in die Zukunft. Knapp 70 Prozent der befragten Unternehmen melden gesunkene Umsatzzahlen. Hiervon sind alle Gesundheitshandwerke (Augenoptiker-, Hörakustiker-, Orthopädieschuhmacher-, Orthopädietechnik-Mechaniker- und Zahntechnik-Betriebe) nahezu gleich betroffen.

Dennoch bleibt die Lage - über alle Gewerke betrachtet - im Hinblick auf die Beschäftigung noch stabil: Der Anteil an Unternehmen, die über eine gesunkene Beschäftigtenzahl berichten (19,1 Prozent), liegt nur wenig über dem, der einen Beschäftigungszuwachs (17,3 Prozent) verzeichnet hat. Das unterstreicht einerseits, dass Arbeitsplätze im Handwerk krisensicher sind und belegt zum anderen den Fachkräftemangel, den das Handwerk seit einigen Jahren spürt. Gleichwohl ist die Zahl der gemeldeten offenen Stellen stark rückläufig; sie liegt nur noch bei 0,4 pro Betrieb (2019: 1,2).

Garrelt Duin, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln: "Die Corona-Krise offenbart einmal mehr, wie widerstandsfähig der handwerkliche Arbeitsmarkt ist. Unsere Unternehmerinnen und Unternehmer zeigen trotz aller Widrigkeiten Mut, halten an ihrer Belegschaft fest und bleiben - trotz teilweise starker Umsatzeinbrüche - positiv gestimmt. Gerade deshalb brauchen wir weiterhin eine starke politische Hand und transparente Regelungen. Wir brauchen gut besetzte, funktionierende Behörden und Ämter und wir brauchen eine unkomplizierte Hilfestellung seitens der Kreditwirtschaft. Der Kampf gegen die Auswirkungen der Krise kann nur im Schulterschluss aller gewonnen werden."

Der Shutdown im Frühjahr 2020 hat durch eine rückläufige Nachfrage in den am stärksten betroffenen Gewerkegruppen zu empfindlichen Umsatzeinbrüchen geführt. Volle Auftragsbücher melden nur noch die Bau- und Ausbauhandwerke. Die Auftragsreichweite ist im Handwerk von 7,8 Wochen (2019) auf 6,4 Wochen geschrumpft. Auch diese Zahl wird maßgeblich vom Bauhauptgewerbe positiv beeinflusst: Hier liegt die Auftragsreichweite noch bei 10,4 Wochen (2019: 11,6).

Verhaltene Erwartungen

Etwas mehr als 60 Prozent der befragten Unternehmen erwarten eine unveränderte Geschäftslage in den nächsten sechs Monaten. Je knapp ein Fünftel rechnet mit einer Verbesserung bzw. einer Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage. Drei Viertel wollen die Mitarbeiterzahl konstant halten, rund 15 Prozent rechnen mit einer Personalaufstockung, während 9,8 Prozent von einem Personalabbau ausgehen. Etwas mehr als die Hälfte prognostizieren stabile Umsätze, 36 Prozent gehen davon aus, dass sie zurückgehen werden. Ähnlich wird die Entwicklung der Nachfrage eingeschätzt. Bis auf das Nahrungsmittel- und das Gesundheitshandwerk sowie das Ausbaugewerbe erwarten die anderen Branchen tendenziell eher eine Verschlechterung der Nachfrageentwicklung.

"Unsere Betriebe brauchen, neben der politischen Transparenz, auf kommunaler Ebene vor allem Planungssicherheit. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen muss die Leistungsfähigkeit der Kommunalverwaltungen besser werden, zum Beispiel bei den Kfz-Zulassungsstellen und den Bauämtern. Auch wenn die aktuelle Stimmungslage im Bauhandwerk noch insgesamt gut ist, müssen gerade jetzt mehr kommunale Maßnahmen im Hoch- und Tiefbau ausgeschrieben und vergeben werden", fordert Garrelt Duin und ergänzt: "Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit erwarten Kundinnen und Kunden von unseren Mitgliedsbetrieben. Gleiches erwarte ich von politisch Verantwortlichen. In den kommenden Monaten muss die unbürokratische Unterstützung von Handwerkerinnen und Handwerkern ganz oben auf ihrer To-do-Liste stehen."

Regionale Unterschiede

Im Kammervergleich berichten vor allem Mitgliedsbetriebe im Rhein-Erft-Kreis von einer „schlechten“ Geschäftslage (22,8 Prozent). Besonders robust zeigt sich dagegen die Konjunktur im Bonner Handwerk: Fast 90 Prozent der befragten Unternehmen berichtet von einer "guten" bis "befriedigenden" Wirtschaftslage.

Lesen Sie hier mehr zur aktuellen Geschäftslage von Handwerksunternehmen in den Städten Köln und Leverkusen, im Oberbergischen Kreis, im Rhein-Erft-Kreis, im Rheinisch-Bergischen Kreis und im Rhein-Sieg-Kreis. Auch die Zahlen für den Rhein-Erft-Kreis und die Stadt Bonn sind dort exakt aufgeschlüsselt.

Über die Konjunkturumfrage der HWK Köln

Der Konjunkturbericht Herbst 2020 der Handwerkskammer zu Köln zeigt einen Überblick über die aktuelle wirtschaftliche Lage der Mitgliedsbetriebe - und gibt eine Einschätzung über die Erwartungen der Unternehmen.  An der Herbstumfrage haben insgesamt 888 Unternehmerinnen und Unternehmer aus 41 Handwerksberufen im Kammerbezirk (Köln, Bonn, Leverkusen, Rhein-Erft-Kreis, Oberbergischer Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis und Rhein-Sieg-Kreis) teilgenommen.

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