Konjunkturumfrage: Über Hälfte der Betriebe im Handwerk vergibt Bestnote

Seit 38 Jahren gibt es die Konjunkturumfrage der Handwerkskammer, erstmals vergibt in diesem Herbst mehr als die Hälfte der Betriebe die Bestnote

Hochkonjunktur im Bau- und Ausbaugewerbe, der konjunkturelle Aufschwung erfasst fast alle Handwerksberufe

Weltrich: Verkehrssituation in der Region wird zum größten Konjunkturrisiko

Ist die Geschäftslage des Unternehmens gut oder befriedigend oder schlecht? Seit 38 Jahren, seitdem es die Konjunkturumfrage der Handwerkskammer zu Köln gibt, ist das die Einstiegsfrage auf dem Fragebogen. Erstmals vergibt mehr als die Hälfte der befragten Handwerksunternehmen die Bestnote: Der Anteil der Betriebe mit guter Geschäftslage ist von 49 Prozent im Herbst 2015 nochmals gestiegen, auf derzeit 55 Prozent. In der aktuellen Umfrage, für die die Handwerkskammer die Antworten von 580 Unternehmen auswerten konnte, stufen 36 Prozent (Herbst 2015: 42 Prozent) die Geschäftslage des Betriebs als befriedigend ein. Schlecht ist sie für neun Prozent der befragten Unternehmen, das ist im Vergleich zum Herbst des vergangenen Jahres, als acht Prozent von einer schlechten Wirtschaftslage sprachen, fast unverändert.

Im ersten Halbjahr dieses Jahres hat sich der konjunkturelle Aufschwung im Handwerk der Region Köln-Bonn fortgesetzt. Nach den Berechnungen des Statistischen Landesamtes Nordrhein-Westfalen steigerten die Handwerksunternehmen im ersten Quartal von 2016 ihren Umsatz um 2,6 Prozent, im zweiten Quartal sogar um 5,9 Prozent (jeweils im Vergleich zum Vorjahresquartal). "Aufgrund des sehr erfreulichen Wirtschaftsverlaufs im ersten Halbjahr und unserer exzellenten Umfrageergebnisse können wir die Umsatzprognose für das laufende Jahr noch oben korrigieren, ein Umsatzplus von drei Prozent ist durchaus zu schaffen", erläutert Dr. Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.

Der aufwärts gerichtete Konjunkturtrend "wird sich bis ins nächste Jahr fortsetzen", zeigt sich Weltrich zuversichtlich. Denn in vielen Handwerksunternehmen seien die Auftragsbücher gut gefüllt. Das Bauhauptgewerbe teilt in der Umfrage der Kammer mit, dass der derzeitige Auftragsbestand eine Auslastung der betrieblichen Kapazitäten für die nächsten neun Wochen gewährleistet.

Beim Blick in die Zukunft sind die Handwerksunternehmer optimistisch gestimmt. So erwarten zwei Drittel in den nächsten Monaten eine gleichbleibende Entwicklung, 26 Prozent rechnen mit einer nochmaligen Verbesserung der Geschäftslage des Betriebs, nur sieben Prozent befürchten eine Verschlechterung. Bei einem überaus erfreulichen Konjunkturverlauf könnte sich die Frage nach einer eventuellen Überhitzung, die dann die Verkaufspreise nach oben treiben würde, stellen. Allerdings lassen die Ergebnisse der Herbstumfrage der Handwerkskammer eine solche Entwicklung nicht befürchten. Denn der Anteil der Unternehmen, die ihre Verkaufspreise erhöht haben, ist innerhalb eines Jahres unverändert geblieben (Herbst 2015: 23 Prozent, Herbst 2016: 22 Prozent). Hingegen ist der Anteil der Betriebe, die unveränderte Preise melden, etwas gestiegen, von 63 Prozent im Herbst 2015 auf inzwischen 69 Prozent. Das ist ein starkes Indiz für hohe Preisstabilität.

Neben dieser guten Nachricht für die Kunden des Handwerks hält die neue Umfrage der Handwerkskammer auch eine gute Nachricht für den Arbeitsmarkt bereit. Denn die Nachfrage nach Arbeitskräften hat sich seit dem Frühjahr belebt. 24 Prozent der Handwerksunternehmen in der Region Köln-Bonn hatten im Herbst mehr Mitarbeiter als noch im Frühjahr, in nur 11 Prozent der Betriebe war die Zahl der Beschäftigten rückläufig. 65 Prozent der Befragten teilen mit, dass der Umfang der Belegschaft seit dem Frühjahr unverändert geblieben ist.

Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft wird inzwischen, anders als in früheren Konjunkturphasen, auch von der Ausweitung des privaten Konsums getragen. Dass der Endverbraucher ausgabefreudiger wird, spürt auch ein großer Teil der Handwerksbranchen. So hat sich im Vergleich zum Herbst des vergangenen Jahres die Stimmung im Kraftfahrzeuggewerbe aufgehellt, inzwischen sprechen 47 Prozent der Kfz-Betriebe von einer guten Geschäftslage, vor einem Jahr waren es erst 29 Prozent. Diese Branche profitiert davon, dass die Zahl der neu zugelassenen Pkws in den ersten drei Quartalen von 2016 um fast sechs Prozent gestiegen ist.

Im Lebensmittelgewerbe und bei den Handwerksberufen für den privaten Bedarf (Friseur, Kosmetiker, Schuhmacher, Maßschneider usw.) fällt die Bewertung des aktuellen Wirtschaftsverlaufs nicht ganz so exzellent wie im Durchschnitt des Handwerks aus. Dennoch stuft auch hier mehr als jeder dritte Betrieb die Geschäftslage als gut ein, die Hälfte der Unternehmen vergibt die Note befriedigend, nur in 13 Prozent dieser ausschließlich auf den Endverbraucher ausgerichteten Unternehmen verlaufen die Geschäfte derzeit schlecht.

An der Spitze des in der Umfrage der Handwerkskammer ermittelten konjunkturellen Aufwärtstrends stehen die Unternehmen, die zum Bau- und Ausbauhandwerk gehören. 78 Prozent der Maler- und Lackiererfirmen und 63 Prozent der Installateure und Heizungsbauer stufen die derzeitige Geschäftslage als gut ein. Diese Spitzenbewertung vergeben ebenfalls 59 Prozent der Dachdeckerbetriebe, 59 Prozent der Elektrofirmen und 57 Prozent der befragten Tischlereien. Die hohe Auslastung der Kapazitäten bei vielen Bau- und Ausbaubetrieben kann auch zur Folge haben, dass sich hin und wieder die Umsetzung eines Sanierungs- oder Neubauvorhabens verzögert. Der Aufschwung im Wohnungsbau wird sich auch in den kommenden Monaten fortsetzen. Ein Indikator hierfür ist der hohe Anstieg bei den von den Kommunen erteilten Baugenehmigungen: Im ersten Halbjahr 2016 wurden in Nordrhein-Westfalen Baugenehmigungen für insgesamt 31.400 Wohnungen erteilt, das ist ein Zuwachs von 42 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015. Der Anstieg im Regierungsbezirk Köln macht sogar 50 Prozent aus, noch höher fällt der Zuwachs in Bonn und in Köln aus.

Trotz dieser erfreulichen Zahlen gibt es auch erhebliche Sorgen in der Baubranche. So haben sich seit dem Beginn dieses Monats die Anforderungen an die Entsorgung von Polystyrol-Dämmstoffen (beispielsweise von Styropor) so verschärft, dass die Abwicklung von Sanierungsaufträgen ins Stocken zu geraten droht. Nur noch wenige Abfallverbrennungsanlagen nehmen diese Dämmstoffe an, der Entsorgungsnotstand führt zu Preissteigerungen, die für die Unternehmen nicht mehr kalkulierbar sind. "Die Handwerkskammer hat den NRW-Umweltminister aufgefordert, die seit dem Monatsanfang geltende Neuregelung bei der Entsorgung von Polystyrol-Dämmstoffen wieder zurückzunehmen", teilt Weltrich mit.

Nach seiner Einschätzung wird auch die geplante Novellierung der Landesbauordnung zur Verteuerung beim Bau von Wohnungen führen. Kritisch sehen die Handwerksorganisationen zum Beispiel die Absicht, beim Bau eines Hauses mit mehr als sechs Wohnungen den Bauherrn zu verpflichten, mindestens eine Wohnung vorzusehen, die uneingeschränkt für Rollstuhlfahrer nutzbar ist. Vorschriften für immer höhere Baustandards, etwa die zwingende Errichtung eines Aufzugs, treiben  die Kosten für den Neubau von Wohnungen nach oben, was sich als Bremse für den dringend gebrauchten Aufschwung am Wohnungsmarkt erweisen könnte. "Statt der Anbringung von Bremsklötzen brauchen wir eine Beschleunigung bei der Erteilung von Baugenehmigungen", so Weltrich.

Nach seiner Überzeugung könnten ebenfalls die Verkehrsengpässe in der Region Köln-Bonn die Perspektiven für die hiesigen Unternehmen eintrüben. Die Schrankenanlagen an der Leverkusener Rheinbrücke führen immer wieder zu langen Staus. "Hier ist eine intelligentere Verkehrsführung notwendig. Auch in Bonn werden durch nicht abgestimmte Baumaßnahmen vom Landesbetrieb Straßen NRW - wie am vergangenen Montag - zehn Kilometer lange Staus erzeugt." Die Verärgerung bei den Handwerksunternehmen der Region sei sehr hoch. Weltrich appellierte daher an die Kommunen und an das Land, endlich die Verabredungen zur Stauvermeidung einzuhalten und die Vorschläge der Handwerkskammer umzusetzen.

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Rainer Gutmann

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