Ergebnisse unserer Umfragen unter Handwerksbetrieben im KammerbezirkSonderumfragen der Handwerkskammer zu Köln
Wie steht das Handwerk in der Region da – und wo drückt der Schuh?
Mit unseren Sonderumfragen holen wir regelmäßig eine aktuelle Einschätzung aus den Betrieben ein. So erhalten wir ein klares Bild davon, wie Entscheidungen in Politik und Verwaltung vor Ort ankommen und welche Rahmenbedingungen das Handwerk wirklich braucht.
Ihre Rückmeldungen fließen direkt in unsere handwerkspolitische Arbeit ein – gegenüber Kommunen, Land und Bund. Jede Umfrage beleuchtet einen Schwerpunkt, etwa die Situation in den Städten und Gemeinden, betriebliche Rahmenbedingungen oder konkrete Herausforderungen im Alltag der Betriebe.
Archiv bereits erfolgter Umfragen:
Der demographische Wandel macht auch vor dem Handwerk nicht halt. Eine Selbstauskunft von 996 befragten Betriebsinhabern zeigt ein eklatantes Ungleichgewicht in der Altersstruktur. 60 Prozent von ihnen sind 55 Jahre oder älter. Allein in der Gruppe der 60- bis 64-Jährigen finden sich fast 25 Prozent aller Inhaber wieder. In den kommenden Jahren stehen demnach sehr viele Betriebe zur Übergabe an, es fehlt jedoch an Nachwuchs. Lediglich 13 Prozent der Betriebe werden von Personen geführt, die unter 40 Jahre alt sind. Zwar ist die Zahl erfolgreich absolvierter Meisterprüfungen in den vergangenen Jahren stabil, sodass auch in den zulassungspflichtigen Gewerken viele zur Übernahme befähigte Handwerkerinnen und Handwerker nachkommen. Dennoch fehlt es aufgrund des demographischen Wandels in diesen und in allen Gewerken an übernahmewilligen Nachfolgern.
Die Verfügbarkeit geeigneter, gewerblich nutzbarer Standorte ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Handwerksbetriebe sich entwickeln, erweitern oder neu ansiedeln können. Den Kommunen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu – sowohl bei der Bereitstellung neuer Flächen als auch bei der Sicherung bestehender Standorte. Um ein belastbares Bild dieser Situation zu gewinnen, hat die Handwerkskammer zu Köln die kommunalen Wirtschaftsförderungen ihres Bezirks befragt: Wie stellt sich die Flächensituation vor Ort und in der Region dar, wie hat sie sich in den letzten Jahren entwickelt, und welche Ansätze werden zu ihrer Weiterentwicklung verfolgt?
Im September haben 1.160 Betriebe aus Bundesstadt Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis an einer gemeinsamen Umfrage der Handwerkskammer zu Köln, der Kreishandwerkerschaft Bonn Rhein-Sieg, der IHK Bonn/Rhein-Sieg sowie der Wirtschaftsförderung Bonn und der Wirtschaftsförderung des Rhein-Sieg-Kreises teilgenommen. Dabei zeigt sich über alle Branchen hinweg eine deutliche wirtschaftliche Einschränkung. Rund 92 Prozent der 1.160 teilnehmenden Betriebe geben an, von der Sperrung betroffen zu sein.
Die Entwicklung der Energiekosten stellt Handwerksbetriebe in den letzten Jahren vor erhebliche Herausforderungen. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine seit 2022 und die aktuellen geopolitischen Spannungen im Nahen Osten sorgen für anhaltende Unsicherheiten an den internationalen Energiemärkten. Dauerhaft höhere Preise und starke Preisschwankungen wirken sich unmittelbar auf betriebliche Entscheidungen aus – von der Preisgestaltung bis hin zu Investitionsplanungen. Um einen aktuellen Einblick in die Energiekostenbelastung von Handwerksbetrieben und deren Maßnahmen zur Kostensenkung zu erhalten, hat die Handwerkskammer zu Köln im 1. Quartal 2026 eine Sonderumfrage unter gut 1.150 Betrieben durchgeführt.
Durch die demografische Entwicklung, den Trend zu höheren Schulabschlüssen sowie die gestiegene Studierneigung gestaltete sich die Suche nach Auszubildenden in den letzten Jahren in vielen Handwerken als schwierig. Die anhaltend unsichere wirtschaftliche Perspektive trägt zu einer Verschärfung struktureller Herausforderungen bei. Gleichzeitig steigt der Bedarf an handwerklichen Leistungen – nicht zuletzt vor dem Hintergrund ambitionierter Ziele in der Energie- und Wärmewende. Vor diesem Hintergrund steigt die Notwendigkeit, Rahmenbedingungen zur Förderung einer starken Ausbildungslandschaft zu setzen – gemeinschaftlich durch Betriebe, Auszubildende und institutionelle Akteure. Um einen Einblick in die Ausbildungsmotivation von Handwerksbetrieben und aktuelle Hemmnisse zu erhalten, hat die Handwerkskammer zu Köln eine Sonderumfrage zur Ausbildungssituation im 1. Quartal 2026 unter gut 1.050 Betrieben durchgeführt.
Ziel der Befragung ist es, einen Einblick in die aktuelle Entwicklung der Nachhaltigkeitsberichterstattung mit Auswirkungen auf das Handwerk zu erlangen. Dabei soll erhoben werden, in welchem Umfang Betriebe zur Offenlegung von Nachhaltigkeitsnachweisen angehalten werden, welche Stakeholder die Aufforderungen aussprechen und welcher Aufwand damit einhergeht. Zudem soll ein Überblick erlangt werden, in welchem Umfang die teilnehmenden Betriebe Nachhaltigkeitsinvestitionen – unabhängig von Berichtspflichten – tätigen. Die Betriebe wurden im Zeitraum vom 17. bis 30. September 2025 befragt. Insgesamt beteiligten sich knapp tausend Betriebe.
Verkehrliche Erreichbarkeit, dienstleistungsorientierte und wirtschaftsfreundliche Ämter, keine Steigerung von Steuer- und Abgabenbelastungen sowie mittelstandsfreundliche öffentliche Ausschreibungen: Diese Themenbereiche sind zentrale Standortfaktoren für die wirtschaftliche Entwicklung der Handwerksbetriebe. Eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur ist essenziell für pünktliche Lieferungen, Erreichbarkeit von Kunden und Mobilität der Mitarbeitenden. Eine bürokratiearme und nutzerfreundliche Verwaltung kann durch effiziente Abläufe und gute Erreichbarkeit zur Entlastung der Betriebe beitragen. Auch die kommunale Steuer- und Abgabenpolitik sowie der Zugang zu öffentlichen Aufträgen beeinflussen die Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks unmittelbar.