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Aktuelle Situation auf dem Kölner Ausbildungsmarkt 2020/2021

Die Industrie- und Handelskammer zu Köln, die Handwerkskammer zu Köln und die Agentur für Arbeit Köln stellen zur Hälfte des Beratungsjahres die Situation am Ausbildungsmarkt dar. Gemeinsam appellieren Arbeitsagentur und Kammern an die Jugendlichen, ihre Chancen auf Ausbildung jetzt zu nutzen.

Agentur für Arbeit Köln:
3.288 gemeldete Bewerberinnen und Bewerber
324 oder 9,4 Prozent weniger als im Vorjahr

3.966 gemeldete Ausbildungsstellen
818 Stellen oder 17,1 Prozent weniger als im Vorjahr

Aktuell:
2.032 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber
2.242 aktuell unbesetzte Ausbildungsstellen

Zahlreiche Online-Angebote für Ausbildungsbewerberinnen und Ausbildungsbewerber
Tipp: Videoberatung als Übungsfeld für Vorstellungsgespräche nutzen

Industrie- und Handelskammer zu Köln:
Halbzeitbilanz am Ausbildungsmarkt im IHK-Bezirk leidet unter dem Eindruck der Corona-Krise 

Duale Ausbildung ist auch in Pandemiezeiten möglich
Aktuelle weniger eingetragene Ausbildungsverhältnisse

Handwerkskammer zu Köln:
Handwerk bietet krisensichere Jobs
Innovative Recruitingformate

Alle Zahlen: Stichtag 30. September 2020, Berichtsjahr vom 1. Oktober 2019 bis 30. September 2020

 



Agentur für Arbeit Köln

Bei der Agentur für Arbeit meldeten sich im ersten halben Jahr Laufe des Beratungsjahres erneut weniger Bewerber als im Vorjahr. Auch die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen nahm ab.

3.288 gemeldete Bewerberinnen und Bewerber bedeuten 342 Personen oder 9,4 Prozent weniger als im letzten Jahr. Die Anzahl der eingeworbenen Ausbildungsstellen nahm mit 3.966 Stellen um 818 Stellen oder 17,1 Prozent ab. Damit kamen auf jede Ausbildungsstelle rechnerisch 1,21 Bewerber.

Aktuell sind 2.032 Bewerber noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Das sind 107 Bewerber oder 5,0 Prozent weniger als im März 2020. Hinzu kommen noch 266 Bewerber, die auch einen Ausbildungsplatz suchen, aber auch schon eine Alternative (weiterer Schulbesuch, Studium, Freiwilligendienst…)  haben, falls es nicht klappen sollte.

Dem gegenüber stehen aktuell noch 2.242 unbesetzte Ausbildungsstellen. Das sind 826 oder 26,9 Prozent weniger als vor einem Jahr. Für die unversorgten Bewerber ergab sich somit eine rein rechnerische Verteilung von 1,1 Stellen pro Bewerber.

38,4 Prozent der Bewerber haben einen mittleren Bildungsabschluss. 39,7 Prozent der als Bewerber gemeldeten Jugendlichen hat die Fachhochschul- oder die Allgemeine Hochschulreife in der Tasche und ein gutes Viertel (26,5 Prozent) der Bewerber verfügt über einen Hauptschulabschluss.

Besonders gefragt bei den Bewerbern waren die Ausbildungsplätze für Kaufleute - Büromanagement (272 Bewerber), medizinische Fachangestellte (218), Verkäufer (174), Kaufleute im Einzelhandel (185) und Kfz.-mechatroniker (155 Bewerber).  

Gemeldete Stellen gab es für Verkäufer (245), Kaufleute im Einzelhandel (226 Stellen), Kaufleute - Büromanagement (182 Stellen), medizinische Fachangestellte (153) und Bankkaufleute (119 Stellen).

"Weniger Bewerber und weniger Stellen ist seit einigen Jahren der Trend auf dem Ausbildungsmarkt. Doch die aktuelle Pandemiesituation ist in diesem Jahr auch auf dem Ausbildungsmarkt spürbar. Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind vorhanden, wenn auch etwas schlechtere als in den vergangenen Jahren. Rein rechnerisch stehen 100 Ausbildungsbewerbern aktuell 110 freien Stellen gegenüber. In den letzten beiden Jahren lag die Quote im März bei 100 Bewerbern zu 143 Stellen. Wichtig ist: Es gibt auch jetzt viele Betriebe, die junge Menschen zu neuen Fachkräften ausbilden wollen. Jugendliche sollten daher alle Hilfen und Kontakte in Anspruch nehmen, die die Partner am Ausbildungsmarkt zur Verfügung stellen", fasst Johannes Klapper, Vorsitzender der Agentur für Arbeit Köln, die Situation auf dem Kölner Ausbildungsmarkt zusammen.

"In der konkreten Beratung stellen wir fest, dass, dass sich die Berufswünsche der Jugendlichen bislang nicht aufgrund der Pandemie verändert haben. Selbst Ausbildungen in Hotels, Gastronomie und der Veranstaltungsbranche werden weiter nachgefragt. Bei den gemeldeten Ausbildungsstellen verzeichnen wir aktuell beispielsweise in der Gastronomie und im Veranstaltungsmanagement Rückgänge", so Klapper. 

Das letzte Jahr brachte mit sich, dass Berufsorientierungen in Schulen, Praktika und Ausbildungsmessen nicht wie gewohnt stattfinden können, sich aber viele Alternativen entwickelt haben. Die Arbeitsagentur und alle andern Partner am Ausbildungsmarkt bieten verstärkt virtuelle Format an. Das geht von Video-Beratung oder Youtube-Chats über Podcasts (über www.soundcloud.com/job-talks) und virtuellen Ausbildungsmessen bis hin zu Online-Vorträgen und dem Erkundungstool "Check-U", das bei der Suche nach dem passenden Ausbildungsberuf hilft.

Johannes Klapper erläutert, dass die Online Formate über den eigentlichen Inhalt hinaus Bedeutung für die Jugendlichen haben: "Da unter den Pandemiebedingungen vermehrt Vorstellungs- und Kennenlerngespräche mit Arbeitgebern online oder telefonisch stattfinden, sind die Videoberatung und Chatangebote der Arbeitsagentur ein ideales Übungsfeld, um Erfahrungen zu sammeln und Sicherheit im Umgang mit diesen Medien zu bekommen. Darüber hinaus bieten die Experten unseres Bewerberservices neben dem gewohnten Check der Bewerbungsmappen, auch reine Übungsvorstellungsgespräch online an, bei denen Jugendliche spielerisch die neuerdings gefragten Skills trainieren können."

Bewerberinnen und Bewerber, die Interesse an einem Videochat haben, können sich telefonisch (montags bis freitags in der Zeit von 14:00 bis 16:00 Uhr unter der Rufnummer: 0221-9429-1555) oder per Mail bei der Berufsberatung anmelden. (Koeln.Berufsberatung.171@arbeitsagentur.de).

Ganz aktuell sind noch in nahezu allen Bereichen freie Ausbildungsplätze zu besetzen: Kaufleute im Einzelhandel (142), Verkäufer (103), Kaufleute - Büromanagement (95), Kaufleute - Versicherung (80), medizinische Fachangestellte (74), Handelsfachwirte (62), Verwaltungsfachangestellte (60), Fachkraft - Lagerlogistik (59), Kaufleute - Groß/Außenhandel (58), Fachinformatiker - Systemintegration (57), u.a.

Bewerberinnen und Bewerber, die bislang keinen Kontakt zur Berufsberatung haben, können jetzt noch Termine in der Berufsberatung vereinbaren. Freie Ausbildungsstellen nimmt der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur und des Jobcenters unter der kostenfreien Arbeitgeber-Service-Rufnummer

0800 4 5555 20 oder unter Koeln.Arbeitgeber@arbeitsagentur.de entgegen.

 

Industrie- und Handelskammer zu Köln

Die Corona-Krise bringt den Ausbildungsmarkt von mehreren Seiten in die Bredouille: Die Pandemie hat die Angebotspalette der Ausbildungsberufe verändert, die Unternehmen suchen aber weiterhin Azubis. Gleichzeitig verunsichert die aktuelle Situation die junge Generation und verengt ihren Blick auf die Zukunftschancen einer dualen Berufsausbildung. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Zahlen der IHK Köln zum Ausbildungshalbjahr wider. Bislang wurden im Bezirk der IHK Köln 1.134 neue Ausbildungsverträge in den insgesamt fast 200 Berufen in Industrie, Handel und Dienstleistung vereinbart, 19,9 Prozent oder 282 Verträge weniger als zum Vorjahresstichtag. Das zeigen die aktuellen Zahlen der IHK Köln zum Ausbildungshalbjahr. "Damit wächst das Risiko, dass uns nach dem Ende der Lockdown-Maßnahmen, wenn der Betrieb wieder hochgefahren werden kann, die Fachkräfte fehlen", fürchtet Christopher Meier, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK Köln. Meier appelliert deshalb an Jugendliche und ihre Eltern, die vielfältigen digitalen Angebote zur Berufsorientierung wahrzunehmen und sich mit den Themen Ausbildung und Bewerbung zu beschäftigen. Denn: "Es gibt noch zahlreiche interessante freie Ausbildungsstellen. Bei vielen Betrieben kommen bislang keine oder fast keine Bewerbungen an."

Köln: 628 neue Ausbildungsverträge in Industrie-, Handels- und Dienstleistungsberufen vereinbart

Von den bislang registrierten 1.134 neuen Ausbildungsverträgen für das Ausbildungsjahr 2021/2022 wurden 628 in der Stadt Köln abgeschlossen, 77 Verträge oder 10,9 Prozent weniger gegenüber dem Vorjahresstichtag. Rückgänge gab es auch im Rhein-Erft-Kreis (170 neue Ausbildungsverhältnisse nach 240 zum Vorjahresstichtag, minus 29,2 Prozent), im Oberbergischen Kreis (190 Verträge - minus 70 Verträge oder minus 26,9 Prozent) und im Rheinisch-Bergischen Kreis (76 Ausbildungsverhältnisse - minus 19 Verträge oder minus 20 Prozent). In Leverkusen sank die Zahl der neu vereinbarten Ausbildungsverhältnisse von 116 auf 70, das entspricht einem Minus von 39,7 Prozent. Insgesamt waren im IHK-Bezirk kaufmännische Berufe (minus 170 Verträge) von dem Rückgang stärker betroffen als industriell-technische (minus 112 Verträge).

"Duale Ausbildung ist auch in der Pandemie gut machbar"

IHK-Geschäftsführer Meier warnt angesichts der Zahlen vor falschen Schlussfolgerungen: "Duale Ausbildung ist auch in der Pandemie gut machbar. Die Unternehmen halten, wenn es irgend möglich ist, an vorhandenen Ausbildungsangeboten fest. Auch bei bestehenden Ausbildungsverträgen gibt es keine 'Kündigungswelle'." Das Angebot an neuen Ausbildungsplätzen sei nur in Branchen zurückgefahren worden, in denen der Wirtschaftsbetrieb aufgrund von Lockdown-Maßnahmen kaum oder gar nicht möglich ist. "Auf der anderen Seite gibt es Wirtschaftsbereiche, in denen reichlich attraktive Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen, zum Beispiel in Transport, Logistik oder IT", so Meier.

Das bestätigte Anfang März auch eine Blitzumfrage der IHK Köln bei knapp 1.200 Ausbildungsbetrieben in Köln und der Region: Mehr als die Hälfte der Unternehmen bieten genauso viele Ausbildungsplätze an wie vor der Pandemie. Fünf Prozent bilden mehr Azubis aus als vor der Corona-Krise. Zehn Prozent mussten ihr Angebot etwas verringern, bilden aber weiter aus. "Im Vergleich dazu fällt der Rückgang mit einem Anteil von acht Prozent bei Betrieben, die wegen der Pandemie aus der Ausbildung ausgestiegen sind, immer noch glimpflich aus."

Das Problem: Viele Unternehmen - vor allem kleinere und mittelgroße - werden von angehenden Azubis einfach sehr viel weniger wahrgenommen. Sie gehen bei Bewerbungen häufig leer aus. "Unser Rat an die Betriebe: Prüfen Sie, wie und ob Sie Praktika anbieten können, um Kontakt zu potenziellen Bewerbern zu bekommen." Zudem sollten auch KMU dafür sorgen, dass sie "im Netz mit einer kleinen 'Karriereseite' sichtbar sind."

Unternehmen und auch Schülerinnen und Schülern der Abschlussjahrgänge empfiehlt er außerdem, Kontakt mit der Ausbildungsstellenvermittlung der IHK Köln aufzunehmen ( www.ihk-koeln.de/150). Sie ist zu erreichen per WhatsApp (0173 5487517), Mail (ausbildungsvermittlung@koeln.ihk.de) oder Telefon (0221 1640-6650). Unterstützung beim Azubi-Marketing bietet insbesondere für kleine und mittelgroße Unternehmen das Projekt Ausbildung 4.0 ( www.ausbildung40.koeln).

 

Handwerkskammer zu Köln

Garrelt Duin, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln: 

"Junge Menschen von einer dualen Ausbildung im Handwerk zu begeistern, das war schon vor den Kontaktbeschränkungen eine Herausforderung, die wir aber von jeher mit sehr viel Leidenschaft und Engagement meistern. Wir wollen nicht nachlassen, wir müssen am Puls der Zeit bleiben, dies gelingt nur mit der notwendigen Flexibilität, Offenheit und mit dem Mut was Neues auszuprobieren. Denn gerade jetzt sind kreative Konzepte gefragt, um einerseits junge Menschen zu begeistern und zu entwickeln und andererseits Ausbildungsbetrieben den Rücken zu stärken.

Mit unserer neuen und modernen Karrierewerkstatt als Anlaufstelle sowie einer breiten Angebotspallette an innovativen Recruitingformaten unterstützen wir gleichermaßen Ausbildungsbetriebe sowie ausbildungswillige Jugendliche bei der passgenauen Zusammenführung von Angebot und Nachfrage.

Dazu bieten wir vom 19.04. bis zum 21.05.2021 mit der  HWK-MATCHBOXX eine kostenlose und digitale Lösung der Azubi-Akquise an. Ab Juni planen wir mehrere Formate - auch in Präsenz - bei uns im Haus und in Zusammenarbeit mit den Kreishandwerkerschaften in der Region.

Damit gehen wir alle denkbaren Wege, um jungen Menschen eine realistische und zukunftsträchtige Perspektive zu ermöglichen."

Das Handwerk bietet krisensichere Arbeitsplätze. Die Handwerkskammer zu Köln weiß, dass ihre Betriebe nicht den Kopf in Sand stecken, sondern seit Beginn der Pandemie nur nach vorne schauen: Trotz Corona sind im Handwerk viele Lehrstellen zu besetzen. Und: Die Anzahl der Betriebe, die Ausbildungsplätze anbieten, wird nach Ende des Lockdowns und nach Einschätzung der Kammer noch einmal deutlich steigen. Aktuell gibt es in Köln 234 offene Ausbildungsstellen. Die meisten als Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk (101), Bäcker/-in (27) und Anlagenmechaniker/-in für Sanitär,- Heizungs- und Klimatechnik (21). Aber auch als Kraftfahrzeugmechatroniker/-in (16), Elektroniker/-in (12), Metallbauer/-in (6) oder Hörakustiker/-in (5) ist derzeit ein Einstieg ins Handwerk problemlos möglich.



Expose Media GmbH

Gastgeber für die heutige Präsentation der Ausbildungsmarkt-Halbjahresbilanz war die Expose Media GmbH & Co. KG Event Production aus Köln-Niehl. Inhaber Markus Stefer ermöglicht als Ausbilder seit 2008 jungen Menschen den Einstieg in die Veranstaltungsbranche. In der Corona-Krise entstand in seinem Betrieb ein Projekt, bei dem eine fachgerechte Ausbildung auch in schwierigen Zeiten ermöglicht wurde. Für sein langjähriges und herausragendes Engagement ehrte die IHK Köln Markus Stefer im vergangenen Jahr als "Ausbilder des Jahres 2020". coronabedingt konnten Preis und Urkunde jedoch erst verspätet übergeben werden.