Bewerber auswählen / Vorstellungsgespräch

Um einen späteren Ausbildungsabbruch zu vermeiden, ist es sinnvoll bei der Bewerberauswahl genügend Zeit zu investieren. Zunächst müssen Sie wissen, was Sie eigentlich suchen. Bewährt hat sich die Anlegung eines klaren und einheitlichen Anforderungsprofils:

  • Welche schulischen Fähigkeiten und Kenntnisse sind für die Ausbildung unabdingbar?
  • Auf welche sozialen Kompetenzen legen Sie Wert?
  • Welche Begabungen und Charaktereigenschaften sollte der Lehrling mitbringen?
  • Welche Aussagen macht das Bewerbungsschreiben, sind äußere Form und Inhalt schlüssig?
  • Sind die Anlagen vollständig?
  • Wurde Wert gelegt auf einen guten Schreibstil und ist das Anschreiben frei von Fehlern?
  • Wie wirkt das Schriftbild?
  • Erfüllen die Noten bestimmter Fächer, die Forderungen des Berufsbildes?
  • Werden in den Noten bestimmte Interessen deutlich?
  • Hat der Bewerber schon ein Praktikum in diesem Beruf absolviert?

Schulzeugnisse

Hilfreich ist oft, sich außer dem Entlasszeugnis auch das vorhergehende Schulzeugnis vorlegen zu lassen, um gewisse Entwicklungstendenzen zu erkennen. Außerdem ist das Entlasszeugnis von der Schule manchmal zur Chancenverbesserung für den Schulabgänger etwas "geschönt".

Der Aussagewert von Schulzeugnissen ist dadurch begrenzt, dass keine verbindlichen Beurteilungskriterien bestehen, nicht innerhalb einer Schule und erst recht nicht zwischen verschiedenen Schulen. Schulzeugnisse können also nur dabei helfen, offensichtlich ungeeignete Bewerber auszuscheiden oder u.U. die Interessen- oder Begabungsschwerpunkte des Bewerbers zu erkennen.

Schwierig ist mitunter aus den Abschlussvermerken auf den Zeugnissen eindeutig zu erkennen, welchen Schulabschluss der Bewerber denn nun erworben hat. Hilfe bietet hier die Broschüre "Zeugnissprache der Schulabschlüsse in NRW", die beim à Westdeutschen Handwerkskammertag kostenlos bezogen werden kann.

Vorstellungsgespräch

Einen wichtigen Eindruck des Bewerbers vermittelt das Vorstellungsgespräch - allerdings nur, wenn es gut vorbereitet ist. Deshalb sollten Sie den Verlauf des Vorstellungsgespräches nicht dem Zufall überlassen, sondern sich vorher genau überlegen, was Sie von den Bewerbern erfahren wollen und dementsprechend von ihnen erfragen müssen.

Folgende Fragen bieten sich an:

Fragen nach dem Lebenslauf:

  • schulische und sonstige Ausbildung
  • Schwierigkeiten in der Schule und in bestimmten Fächern.
  • Ggf. nach auffälligen Beurteilungsunterschieden in verschiedenen Zeugnissen
  • Zu eventuellen Lücken oder Unklarheiten im Lebenslauf
  • Freizeitgestaltung und Hobbies
  • Familiäre Situation
  • Gesundheitliche Beeinträchtigung

Fragen nach dem Berufsziel:

  • Gründe für die Berufswahl
  • Berufsvorstellungen
  • Gründe für die Wahl Ihres Unternehmens
  • Erwartungen an Ausbildung und Ausbilder
  • Ziele nach der Ausbildung

Fragen nach der Eignung

  • Interessen
  • Selbsteinschätzung der Stärken und Schwächen
  • Arbeitsverhalten

Wichtig ist, dass Sie den Bewerber durch eine gelöste Atmosphäre zum Sprechen bringen und ihn dann wirklich auch zu Wort kommen lassen. Je mehr Sie ihm zuhören, seinen Äußerungen nachgehen, sich auf ihn einlassen, desto mehr werden Sie von ihm und über ihn erfahren. Ihre Eindrücke sollten Sie - zumindest bei einer größeren Anzahl von Bewerbern schriftlich festhalten.

Dabei sollten Sie auch auf das Erscheinungsbild und Auftreten des Bewerbers achten:

Auffassungsgabe

  • Schnelles Erfassen der Situation
  • Präzise Beantwortung der gestellten Fragen
  • Fähigkeit zur Konzentration auf das Gespräch
  • Beschränkung auf das Wesentliche

Körpersprache

Verhalten beim Anklopfen, Betreten des Raumes, bei der Begrüßung, während der Gesprächs, bei der Verabschiedung

Einstellungstest

Wegen der zum Teil geringen Aussagekraft von Schulzeugnissen ist ein kleiner Test der für die jeweilige Ausbildung zentralen "Kulturtechniken" (Deutsch und Mathematik) empfehlenswert. Hilfreich können hier zum Beispiel die Grundwissensteste des Feldhaus-Verlages sein. Hilfen bietet u. U. auch Ihre Innung/Kreishandwerkerschaft

Eingesetzt werden sollten aber nur solche Tests, die nicht der Auswertung durch Spezialisten bedürfen, da Sie sonst schnell die falschen Schlüsse aus den Testergebnissen ziehen. Intelligenztest und sog. Persönlichkeitstest kommen daher nicht in Frage.

Von der für Handwerksberufe wichtigen Handgeschicklichkeit können Sie sich durch einfache Tests (z.B. Drahtbiegeprobe) oder im Rahmen eines Kurzpraktikums überzeugen. Bieten Sie ein 2- 3 wöchiges Erprobungspraktikum an. Sie können so Ausbildungsinteresse und -befähigung des Bewerbers testen und der Bewerber stellt fest, ob Beruf und Betrieb passt.

Absagen

Jemand hat sich bei Ihnen um einen Ausbildungsplatz beworben. Leider können Sie ihn oder sie nicht einstellen. Selbstverständlich schicken Sie die Bewerbung mit einer Absage zurück, aber was schreibt man da, um die Bewerberin/den Bewerber nicht zu sehr zu enttäuschen und gleichzeitig die Vorgaben des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) einzuhalten?

Unter Downloads finden Sie Textvorschläge für eine Absage.